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100-Jährige muss ins Altersheim

Meersburg / Lesedauer: 2 min

100-Jährige muss ins Altersheim
Veröffentlicht:25.10.2010, 19:55

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Auf Anweisung des Amtsgerichts Überlingen ist unter Protest des Ehemanns die 100-jährige Anna Moosmayer in ein Altersheim eingewiesen worden. Das Ehepaar wehrt sich seit 2007 gegen die „Zwangsbetreuung“ der Frau durch einen behördlich eingesetzten Betreuer.

Die gestrige Zwangseinweisung ist der vorläufige Höhepunkt eines Rechtsstreits zwischen Egon Moosmayer und dem Landratsamt Bodenseekreis. Im Kern der Auseinandersetzung geht es um die „Zwangsbetreuung“ der Ehefrau (die SZ berichtete). Das Amtsgericht Überlingen hat jetzt die Einweisung der 100-jährigen Frau in ein Seniorenwohnheim angeordnet und die Betreuungsbehörde des Landratsamtes Bodenseekreis mit der Durchführung der Unterbringung beauftragt.

Eskalation bleibt aus

Erst im Frühjahr war eine ähnliche Situation eskaliert: Die Polizei musste die Wohnung des Ehepaares gewaltsam öffnen, um die damals 99-jährige Frau dem Überlinger Amtsgericht vorzuführen. Um die gestrige Einweisung der Frau in ein Altersheim durchzusetzen, waren auch zwei Streifenwagenbesatzungen und Sanitäter zur Überführung der Frau in ein Heim im Einsatz. Ein hinzugezogener Schlüsseldienst wurde nicht benötigt, als Moosmayer plötzlich vor der Haustüre auftauchte und nach dem Grund des Polizeiaufgebots fragte.

Die eingesetzten Beamten vom Polizeiposten Meersburg müssen unweigerlich an ihren letzten Einsatz vor der Türe des Ehepaars im Frühjahr erinnert worden sein, als Moosmayer die gestrige Maßnahme anzweifelte und sich zunächst weigerte, die Haustüre zu öffnen. Schließlich fügte er sich aber doch der Anordnung. „Wahrscheinlich liegt hier wieder ein Rechtsbruch vor. Wir haben kein Schreiben bekommen über diese Aktion“, sagte er im Gespräch mit der SZ.

Am 11. Oktober wurde die Einweisung der Frau in eine psychiatrische Anstalt angeordnet. In einem abgeänderten Beschluss vom 19. Oktober wurde die Einweisung in eine geschlossene Abteilung eines Altenheims in Ravensburg bestimmt. „Wir haben von den Beschlüssen erst heute erfahren und wurden vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagte Moosmayer, als seine Frau bereits abtransportiert war. Bis zum 23. November soll diese Unterbringung zunächst dauern. „Wenigstens die Beamten haben sich korrekt verhalten und lediglich den Beschluss durchgesetzt“, erklärte Moosmayer den Unterschied zur gewaltsamen Wohnungsöffnung im Frühjahr. Gegen die Zwangsunterbringung seiner Frau will er alle Rechtsmittel ausschöpfen.