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Was im Humpisschloss in Brochenzell auf den Tisch kommt

Meckenbeuren / Lesedauer: 3 min

Besser haben wohl auch die Herren von Humpis seinerzeit nicht gespeist: Im Schloss in Brochenzell wird gutbürgerliche Küche im besten Sinne serviert.
Veröffentlicht:01.07.2023, 05:00

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Eine versalzene Suppe muss kein Beinbruch sein. Es kommt darauf an, wie man damit umgeht. Im Schloss Brochenzell — auch Humpisschloss genannt — in Meckenbeuren entschuldigt sich die erfahrene Bedienung souverän und bietet als kleine Entschädigung ohne Umschweife ein kostenloses Getränk an.

Zugegebenermaßen kann man das nach dem Löffeln der überwürzten Brühe auch gut gebrauchen. Wobei damit vorerst genug kritisiert wäre. Denn die Einlagen — fleischige Maultaschenstücke oder Leberspätzle — stellen Ruf und Ehre der Küche sofort wieder her. War die Suppe von einer unnatürlichen Schärfe, sind die Maultaschen ausgewogen gewürzt, die Leberspätzle nicht minder.

Schwäbische Wirtshausküche in uriger Gaststube und unter Kastanien

Im Inneren des Schlosses winkt ein uriger Gastraum mit allerlei geschnitzten Figuren, Kassettendecke und Herrgottswinkel. Der Biergarten mit seinen rund 100 Plätzen dehnt sich indes unter dem Schatten alter Kastanien aus und ist damit eine authentische Außengastronomie, wie man sie nicht mehr ganz so häufig findet. Authentisch wirkt auch das Speisenangebot auf der Karte, die sich an schwäbischer Wirtshausküche orientiert — bis auf eine Ausnahme: Zitronengras–Kurkuma–Thaicurry in vier Variationen.

Was so gar nicht zu Spätzle und Zwiebelrostbraten passen mag, entpuppt sich auf dem Teller als würzmächtige Angelegenheit. Starke Aromen asiatischer Provenienz kommen da zusammen, die ihre Wucht an das etwas zu weiche Mischgemüse und die Streifen vom Rind abgeben. Insgesamt ein leichtes Vergnügen für laue Sommerabende, serviert mit körnigem Reis.

Schmorgericht als geschmacklicher Volltreffer

Die beste Wahl des Abends ist aber mit aromatischem Abstand das unwiderstehliche Böfflamott von der Ochsenbacke. In diesem Schmorgericht verdichtet sich der Fleischgeschmack in einer kräftigen Soße, in der laut Karte auch Bier eine Rolle spielt. Am Gaumen zerfällt das mürbe Rindfleisch auf Zungendruck zu purem Mundvergnügen.

Qualität hat auch die Begleitung in Form bissfester Spätzle mit einem Hauch Butter. Gerade noch nicht zu weich präsentieren sich Brokkoli, Blumenkohl und Karotten. Und damit es etwas zu knuspern gibt, tanzen ein paar frittierte Zwiebeln ums Fleisch. Die herzhafte Tiefe des Geschmorten lässt sich mit den herbsüßen Preiselbeeren ein wenig auflockern. Die Herren von Humpis, die das Schloss zeitweise besaßen, dürften damals auch nicht viel besser gegessen haben.

Und weil er so gut war, sollte man ihn in Ermanglung eines Desserts noch erwähnen, wenn auch erst am Schluss: den frischen Beilagensalat. Bei ihm schon zeigt sich, ob eine Küche Wert auf die Details legt. Etwa durch die Güte des Kartoffelsalats, der in Brochenzell ein schlotzig–würziges Erlebnis ist. Und auch das Gemüse–Potpourri zeigt diverse Variationen in Frische und Qualität.

Gasthaus Schloss Brochenzell

Humpisstr. 3

88074 Meckenbeuren

Tel. 07542—4074478

www.schloss–brochenzell.de

Geöffnet Dienstag bis Sonntag ab 17 Uhr, sonntags zusätzlich von 11.30 bis 14 Uhr, Montag Ruhetag. Hauptgerichte 14,20—24,90 Euro.