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Tourismus in Meckenbeuren steht vor einer Zäsur

Meckenbeuren / Lesedauer: 5 min

Alles eine Frage des Budgets: Firma „Reisen und mehr“ lehnt Vereinbarung zu bisherigen Konditionen ab. Gemeinde bereitet nun öffentliche Ausschreibung vor.
Veröffentlicht:10.02.2023, 08:00

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Es knirscht im Gebälk: Für das bisherige Konstrukt der Meckenbeurer Tourismusorganisation scheint die Zeit abzulaufen. Seit 2017 hatte „Reisen und mehr“ diese Aufgabe im Bahnhofs-Erdgeschoss inne – was auf Kooperationsvereinbarungen mit der Gemeinde beruhte.

Als diese nun um ein Jahr bis Ende 2023 verlängert werden sollte, kam von Firmen-Inhaberin Elisabeth Stecker ein resolutes „Nein“. In der Gemeinderatssitzung wurden daher am Mittwochabend die Weichen neu gestellt – eine öffentliche Ausschreibung zur Konzeptvergabe soll es richten. Neun Aspekte dazu:

Die Vorgeschichte:

Ein eigenes Tourist-Infobüro unter Gemeinderegie gab es noch nie, sondern stets zeitlich befristete Kooperationen. Nachdem die Gemeinde 2007 den Bahnhof erworben hatte, war dort seit 2008 auch ein so geheißenes Tourismus-Büro untergebracht – bis Ende 2016 in Zusammenarbeit mit Hermann Höflacher.

Auf ihn folgte Elisabeth Stecker: Die erste Vereinbarung mit ihr und der Firma „Reisen und Mehr“ datiert von 2017, war Ende 2018 um drei Jahre und Ende 2021 um ein Jahr verlängert worden.

Im Dezember im Rat:

Bei der Sitzung am 21. Dezember 2022 stimmten die Räte einhellig zu, die Kooperationsvereinbarung mit „Reisen und Mehr“ für ein weiteres Jahr bis zum 31. Dezember 2023 zu verlängern.

Im Erdgeschoss des Bahnhofsgebäudes sind allerhand Dienstleistungen geboten – darunter auch die Tourist-Info.
Im Erdgeschoss des Bahnhofsgebäudes sind allerhand Dienstleistungen geboten – darunter auch die Tourist-Info. (Foto: rwe)

Dabei hieß es, solches sei zu den bisherigen Konditionen Mitte November zwischen Verwaltung und der Inhaberin der Firma „Reisen & Mehr“ vorbesprochen worden.

Der Sachstandsbericht durch Elisabeth Stecker war damals krankheitsbedingt verschoben worden. Im Ausblick kündigte die Gemeinde an, 2023 „ein zukunftsfähiges Modell für die Bereiche Tourismus und Stadtmarketing erarbeiten“ zu wollen, so die Beschlussvorlage.

Und danach:

Der von der Gemeinde unterzeichnete Vertrag wurde am Tag nach der Sitzung an die Inhaberin von Reisen & Mehr verschickt.

Mitte Januar wurde durch die Firma mitgeteilt, dass der Vertrag unter den aktuellen Konditionen nicht unterzeichnet werden kann.

Die Verwaltung wurde aufgefordert, ein neues, angepasstes Angebot vorzulegen – all das stand so in der Sitzungsvorlage.

Die Konditionen:

Die Kooperationsvereinbarung sollte zu den bisherigen Konditionen verlängert werden. Dazu zählt ein jährlicher Zuschuss von 45.000 Euro durch die Gemeinde (plus 5000 Euro für Zusatzaktionen, zu denen das Hofladen-Hopping gehörte, das im Herbst 2018 Premiere hatte).

Wie Bürgermeister Georg Schellinger im Gemeinderat andeutete, habe vor allem das Thema „Honorar“ den Dissens ausgelöst.

Das sagt Elisabeth Stecker:

Auf Anfrage hebt sie hervor, dass die Vereinbarung mit der Gemeinde in die Jahre gekommen sei: „Erwartete Leistungen sind mit dem gegebenen Budget nicht mehr realistisch.“

Sie habe in den Vorjahren immer wieder das Gespräch zur Nachbudgetierung bzw. Anpassung der Vereinbarung gesucht, „nur wurden durch die vielen personellen Änderungen in der Gemeinde Meckenbeuren Zusammenarbeit und Abstimmung nicht einfacher“.

„Budget ist so nicht mehr rentabel“

Bereits in der Vorabstimmung habe sie zum einen um eine Anpassung an die gestiegenen Kosten aufgrund von Corona gebeten sowie „um eine vertragliche Angleichung der eingeschränkten Öffnungszeiten der Tourist Information an die allgemeinen Geschäftszeiten von Reisen & Mehr“ – letzteres sei in der Praxis nicht einhaltbar.

„Zwischen den Jahren haben wir uns den Aufgabenkatalog sehr genau angeschaut und mussten feststellen, dass Erwartung, Leistungsumfang und Wirtschaftlichkeit sehr weit auseinander liegen. In so einer Situation muss ,Frau’ dann einfach mal NEIN sagen“, teilt Stecker mit. Denn: „Wirtschaftlich ist das Budget, das seit Jahren gleichgeblieben ist, für mich so nicht mehr rentabel.“

Die Aufgaben:

Zu ihnen gehören unter anderem Touristinformation, Gästebetreuung und Zimmervermittlung. „Losgekoppelt“ davon ist Schellinger zufolge das Kerngeschäft des Reisebüros, bei dem zudem der Betrieb der Postfiliale und Fahrkartenverkauf angesiedelt sind.

Auch der Ticketverkauf für Kultur am Gleis 1 beruht auf einer separaten Vereinbarung zwischen der Bürgerservice GmbH und Reisen & Mehr und ist nicht Teil des Leistungsspektrums der Tourist-Info.

Offen blieb, ob das Gastgeberverzeichnis als Papierprodukt oder Online-Angebot vorgehalten werden soll. Dass der künftige Anbieter „Räume in Meckenbeuren und nicht in Magdeburg“ vorweisen sollte, ist für Schellinger Pflicht, braucht es doch Ansprechpartner vor Ort.

Nun im Gemeinderat:

Einstimmig erging am Mittwoch der Auftrag an die Gemeindeverwaltung dreierlei zu tun: Die Konzeptvergabe für die Übertragung der Aufgaben einer örtlichen Tourismusorganisation zu erarbeiten, zweitens die Leistungen für eine Tourist-Information an einen externen Dienstleister auszuschreiben und in der Folge die Vergabe im Gemeinderat vorzubereiten.

Und jetzt?

Die Verwaltung bereitet die Ausschreibung samt den Anforderungen vor. Die Vergabe könnte als Gemeinderatsbeschluss im Frühjahr erfolgen.

Ziel ist es, zur zweiten Jahreshälfte eine neue Kooperationsvereinbarung abzuschließen. „Selbstverständlich ist es auch der Fa. Reisen & Mehr möglich, sich zu bewerben“, heißt es in der Verwaltungsvorlage.

Was Elisabeth Stecker beabsichtigt: „An der öffentlichen Ausschreibung werde ich sehr gerne teilnehmen. So habe ich die Möglichkeit, mein Budget den Erwartungen der Gemeinde anzupassen und die Kooperationsvereinbarung auf ein wirtschaftlich seriöses Level zu bringen.“

Und in der Zwischenzeit?

Bis die neue Vereinbarung gilt, „ist der Service einer Tourist-Info über Reisen & Mehr weiter abgedeckt“, teilt Pressesprecherin Lisa Heinemann unter Hinweis auf „Beratungsleistungen etc. für Touristen, Einheimische und Vermieter“ mit.

Was Elisabeth Stecker bestätigt: „Gewohnt zuverlässig“ werde der Betrieb der Touristinformation aufrechterhalten, „bis eine andere Lösung gefunden ist“.