Marktmacht

Auftritt im Verbund erhöht die Marktmacht

Meckenbeuren / Lesedauer: 3 min

Meckenbeuren tritt interkommunalem Breitbandnetz-Verbund „komm.pakt.net“ bei
Veröffentlicht:30.01.2015, 19:30
Aktualisiert:24.10.2019, 06:00

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Meckenbeuren macht mit: Der Gemeinderat hat einhellig befürwortet, sich dem interkommunalen Breitbandnetz-Verbund „komm.pakt.net“ (IKV) anzuschließen. Dafür geworben hat Rudolf Mayer: Der Leiter des Liegenschaftsamts stellte die Hintergründe vor, die in den Herbst 2013 und Winter 2014 zurückreichen.

So hat sich vor 15 Monaten landesweit der IKV gebildet, der als kommunales Dach dafür sorgen will, dass die Breitbandversorgung voran kommt und schnelleres Surfen möglich ist. Konkret: Der IKV berät, verhandelt und übernimmt Administrationsaufgaben und Öffentlichkeitsarbeit. Da er dies im besten Fall für mehrere 100 000 Haushalte in Baden-Württemberg tut, soll eine Marktmacht entstehen, die mit den Anbietern Vereinbarungen auf Augenhöhe ermöglicht – sprich: zu besseren Bedingungen führt.

Derzeit ist der IKV 161 Mitglieder stark (darunter 147 Städte und Kreise wie Ravensburg, Biberach, Tübingen). Für den Bodenseekreis ist der Beitritt beschlossene Sache, daher wurden im Dezember die 23 Kommunen zur Besprechung eingeladen. Ziel ist, dem IKV beizutreten und im Landratsamt die zentrale Geschäftsstelle samt Breitbandkoordinator einzurichten. 50 Prozent der Kosten trägt der Landkreis, die anderen 50 verteilen sich auf die beteiligten Kommunen, sodass Meckenbeuren 7000 Euro in den Haushalt einstellt (gleichsam 50 Cent je Einwohner).

Das Vorgehen: Die Gemeinde verfügt bereits über die Netze respektive baut sie auf eigene Kosten aus. Die Glasfaserinfrastruktur wird dem IKV zur Verwaltung übertragen, der sich um den Betrieb kümmert. Entscheidend: Der IKV verhandelt mit den Anbietern für die Internetanbindung (wie KabelBW, Telekom oder die regionale Teledata) über die Verpachtung der Netze. Die Einnahmen werden dann rückverteilt. Zugesichert ist, dass die Gemeinden Eigentümer der Netze und Herr des Verfahrens bleiben.

Zuschüsse erhofft

Zeitgleich ist in Meckenbeuren ein zweiter Prozess angelaufen – will die Gemeinde doch Fördermittel für den Netzausbau, was mit der „Breitbandinitiative II“ der Landesregierung möglich ist. Zuschüsse, die nur fließen, wenn Bedarf da ist – und den ermittelt die Gemeindeverwaltung derzeit mittels Umfrage: Diese läuft noch bis 6. Februar, und sollte ein erhöhter Bedarf der privaten Haushalte nachgewiesen werden, wäre dies der Impuls, um das Breitbandnetz auszubauen. Zurück geht die Umfrage Rudolf Mayer zufolge auch darauf, dass im zweiten Halbjahr 2014 vermehrt Anfragen aus der Bevölkerung wie aus Unternehmen nach schnellerem Internet bei der Gemeinde eingetroffen waren. Wohl sei in der Fläche die Mindestversorgung mit 2 bis 6 Mbit/s gegeben, „das ist aber eher dürftig heutzutage“, so Mayers grundsätzliche Einschätzung. Im Vergleich der Bodenseekreis-Kommunen befinde sich Meckenbeuren „im guten Mittelfeld“, lautete der Tenor in der Ratssitzung.

Als unterversorgt gilt ein Ort, dessen Breitbandanschlüsse mit weniger als 2 Mbit/s im download auskommen müssen. DSL-Anschlüsse werden mit maximal 16 MBit/s verknüpft, VDSL mit 50. Freilich gibt es auch Anbieter, die bereits mit Geschwindigkeiten von 100 oder 150 MBit/s werben.