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Meckenbeuren

Auf dem Weg zu einer Kirche, die „anders“ ist

Meckenbeuren / Lesedauer: 3 min

Eine „Gesellschaft mit begründeter Hoffnung“ skizziert Andreas Batlogg im Vortrag über die Zukunft der Kirche in Meckenbeuren. So steht er zum synodalen Weg.
Veröffentlicht:23.11.2023, 11:51

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„Kirche der Zukunft ‐ Zukunft der Kirche“, zu diesem brandaktuellen Thema hatte die Katholische Erwachsenenbildung Bodenseekreis (KEB) ins Gemeindehaus St. Maria Meckenbeuren eingeladen. Als Referenten konnte KEB-Leiterin Carmen Hepp den Jesuitenpriester Andreas R. Batlogg aus München begrüßen. Der promovierte Theologe ist dort als Publizist und Mitglied des Seelsorgeteams von St. Michael München tätig.

Die bei der evangelischen Synode in Ulm veröffentlichte Studie über die schwindende Bedeutung von Religion und Kirche in der Gesellschaft zeige schwarz auf weiß auf, was in den Gemeinden längst schmerzlich zu spüren sei, so Hepp einleitend. Für die Zukunft sei es wichtig, dass die Menschen in ihrer Kirche wieder eine innerliche Heimat fänden.

ADAC hat inzwischen mehr Mitglieder

Mit durchaus drastischen Worten zeichnete auch der Referent ein realistisches wie ehrliches Bild von der derzeit schwierigen Situation der Kirche im Land. Durch geradezu massenhafte Austritte verliere sie rasant an Bedeutung. „Der ADAC hat in Deutschland inzwischen mehr Mitglieder als unsere Kirche“, mit dieser Aussage löste der Jesuit durchaus einen Schockmoment unter den Zuhörern aus. Das Thema Missbrauch bestimme nach wie vor die öffentliche Diskussion und auch viele Bischöfe eckten selbst beim Kirchenvolk an. Vieles, was gelänge und positiv sei, gerate aus dem Blick.

Die etwas andere GmbH

„Füreinander da sein, das wird die Zukunft der Kirche sein“, folgerte Batlogg in seinem theologisch anspruchsvollen Vortrag. Die Christen heute seien unterwegs zu einer Kirche, die „anders“ ist. Ein Mutmacher dabei sei, sich immer wieder zu besinnen und sich sagen zu lassen, was christlichen Glauben ausmacht. Der Jesuitenpriester bezeichnete die Christen humorvoll aber treffend als eine GmbH ‐ eine Gesellschaft mit begründeter Hoffnung.

Forderung an Glauben: Soll alltagstauglich und krisenfest sein

„Das Christentum wird aus einem Nachwuchschristentum zu einem Wahlchristentum, einem Christentum der freien Entscheidung“ ‐ mit dieser Aussage des 1984 verstorbenen Theologen Karl Rahner lenkte Andreas Batlogg den Blick auf die Zukunft der Kirche. Rahners Prognose habe sich bewahrheitet, und man müsse sich damit abfinden. Für die Gestaltung der Zukunft sieht Batlogg den Synodalen Weg als bedeutend. Nur strukturelle Reformen könnten die Kirche ändern, wobei Reform auch Umkehr, sprich pastorale Neuausrichtung bedeuten müsse.

Auf alle Fälle sei die Kirche mehr als die Summe des Versagens und ihrer Versager. Kirche seien Menschen, und hier gelte es Vertrauen aufzubauen. „Kirche erwacht in den Seelen oder sie stirbt auch dort ab“, zitierte er den 1968 verstorbenen Religionsphilosophen Romano Guardini. Der Glaube müsse alltagstauglich und krisenfest werden.

Angeregte Diskussion schließt sich an

Die Synode in Rom wie die in Deutschland stimme zuversichtlich, man setze sich an den „runden Tisch“, man schaue sich dabei an und komme ins Gespräch. Dieser synodale Prozess als Weg in die Zukunft dauere, schaffe aber Beteiligung und Integration.

Bei der angeregten wie kritischen Diskussion war danach immer wieder die Sorge und Frustration über die derzeitige Situation der Kirche herauszuhören. Dennoch gelte es „mit begründeter Hoffnung“ in die Zukunft zu schauen.