Asylbewerberwohnheim

„Wir suchen noch Ehrenamtliche“

Markdorf / Lesedauer: 4 min

DRK-Mitarbeiterin Barbara Ludwig ist seit zwei Wochen für die Asylbewerber zuständig
Veröffentlicht:31.01.2014, 13:05
Aktualisiert:24.10.2019, 17:00

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Mit Barbara Ludwig hat eine neue DRK-Mitarbeiterin die Betreuung für Familien in den Asylbewerberwohnheimen im östlichen Bodenseekreis übernommen. Bei der „I mein halt"-Gesprächsrunde von Ernst Arnegger am Mittwochabend stellte sie sich den Zuhörern im Zunfthaus „Obertor" vor. SZ-Redakteur Christian Gerards sprach mit der Sozialarbeiterin über ihre neue Aufgabe.

Frau Ludwig, Sie sind jetzt seit zwei Woche in den Asylbewerberheimen im östlichen Bodenseekreis aktiv. Wie war denn ihr Arbeitsbeginn?

Schön, weil mich ganz viele Leute erwartet haben. Bei meinem Vorstellungsgespräch hat mich mein Kollege Sebastian Leidinger darauf hingewiesen, dass ich eher Baracken vorfinden würde, daher hatte ich zunächst keine extravaganten Erwartungen. Dann war ich aber nicht schlecht überrascht. Von der Ausstattung her bin ich in Markdorf bestens ausgestattet. Das Büro mit der Nähe zu den Asylbewerbern ist toll.

Herr Leidinger betonte bei „I mein halt“, dass Sie Ansprechpartner von A bis Z sind. Was bedeutet das?

Ich schließe morgens mein Büro auf und schon geht es los. Das können dann Anfragen sämtlicher Art sein, etwa, wenn ein Asylbewerber einen Brief nicht versteht. Wenn es eine Sprachbarriere gibt, dann suche ich mir einen Dolmetscher. An Anliegen kommt alles Mögliche. Mit den Hauswirtschaftlerinnen und dem Hausmeister bin ich der erste Ansprechpartner. Ich habe zum Beispiel für die Kinder im Kindergarten nach Plätzen nachgefragt und bin dort auf offene Ohren gestoßen. Für die Sprachkurse stehe ich im engen Austausch mit den ehrenamtlichen Sprachlehrern.

Wie verständigen Sie sich denn, wenn es eine Sprachbarriere gibt?

Zur Not mit Händen und Füßen. Aber es gibt immer jemanden, der schon fortgeschritten Deutsch spricht und übersetzen kann - und wenn es mithilfe des Telefons ist.

Am Mittwoch wurde das Spielzimmer in der neuen Asylbewerberunterkunft angesprochen ...

Auch hierfür suche ich noch Ehrenamtliche. Ideal sind auch Patenschaften für die Familien. Wir müssen versuchen, die Erwachsenen in die Vereine zu integrieren. Am Mittwoch habe ich mit der Vorsitzenden der Markdorfer Landfrauen, Kerstin Mock, gesprochen, in welcher Form eine Frauengruppe organisiert werden kann.

Was benötigen Sie denn am dringendsten?

Für mich sind das die Ehrenamtlichen. Ich bin gerade dabei, mir einen Überblick zu verschaffen, wie viele es schon sind. Wir haben für die Sprachkurse fünf, sechs Lehrer. Es kommen aber auch immer wieder Menschen hierher, um mit den Bewohnern zu reden. Ich habe schnell gemerkt, dass in Markdorf eine große Bereitschaft zu Hilfe und Austausch in vielfältiger Form vorhanden ist. Das ist sehr schön und auch notwendig.

Und was brauchen die Asylbewerber?

Den Zugang zu den Vereinen. Sie müssen hier rauskommen. Sie leben in beengten Verhältnissen. Wenn die Kinder in der Schule oder im Kindergarten sind, dann sind die Erwachsenen hier in der Unterkunft. Sie verbringen die meiste Zeit hier. Da könnten Patenschaften helfen, etwa um gemeinsam über den Markt zu gehen und zu zeigen, was es hier alles gibt und was in Deutschland angebaut wird.

Gibt es Dinge, die schnellstens geändert werden müssten?

Wir müssen die Bewohner fragen, ob sie einen Zaun in Richtung der Straße wünschen oder ob sie sich dann eingesperrt fühlen. Dazu möchte ich unter ihnen eine Umfrage machen. Die Wiese steht unter Wasser, so dass die Kinder auf der Straße spielen. Das ist für die Kinder, aber auch für die Autofahrer gefährlich. Zudem brauchen wir irgendwo einen großen Aufenthaltsraum, wo sich die Familien treffen können. Die Asylbewerber haben ja nur ihr Zimmer, den Flur und die Gemeinschaftsküche. Da ist der Raum schon sehr begrenzt.

Kommen nach so einem Diskussionsabend wie am Mittwoch vermehrt Menschen, oder sind es vielfach Worthülsen?

Ich habe in meinen ersten beiden Wochen festgestellt, dass Markdorf ein großes Netz an engagierten Bürgern gesponnen hat, etwa mit dem Mehrgenerationenhaus oder der evangelischen Kirche. In Friedrichshafen, wo ich auch im Heim in der Paulinenstraße tätig bin, muss das in diesem Bereich erst noch aktiviert werden. Zu so einem Abend wie am Mittwoch kommen vielfach die Menschen, die sich für das Thema interessieren. Da habe ich viele Ehrenamtliche gesehen, die ich schon kenne. Ich bin mir ganz sicher, dass viele neue Leute zur Unterstützung kommen werden. Einige Anfragen habe ich schon per E-Mail erhalten.

Ines Velten hat bei „I mein halt“ mehrfach angefragt, dass die Medien die Kontaktmöglichkeiten zu Ihnen publizieren. Wie sind Sie denn zu erreichen?

Ich richte mich momentan noch ein. Daher ist eine Telefonnummer derzeit nicht so sinnvoll, weil ich noch keine festen Bürozeiten habe. Ausserdem pendele ich zwischen zwei Orten, deshalb ist der Kontakt über E-Mail am besten. Einfach eine E-Mail an [email protected] schicken und einen festen Termin vereinbaren.