Frau getötet

Nach Bluttat in Markdorf: Eine Kleinstadt steht unter Schock

Markdorf / Lesedauer: 4 min

Am helllichten Tag erschießt ein Mann eine Frau in einem Geschäft. Markdorfer, die zum Tatort kommen, sind fassungslos. Auch der Bürgermeister zeigt sich erschüttert.
Veröffentlicht:22.01.2023, 19:00

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Nachdem am Samstag eine Frau in einem Geschäft erschossen worden ist, machen sich in Markdorf Trauer und Fassungslosigkeit breit. Anwohner, die den Tatort aufsuchten, reagierten bestürzt.

Bürgermeister Georg Riedmann spricht den Angehörigen und Arbeitskollegen der getöteten Frau seine Anteilnahme aus. Die Kirchengemeinden luden am Sonntag zu einem gemeinsamen Gebet ein.

Bis auf einige Kerzen, die Markdorfer als Zeichen ihrer Anteilnahme vor der Eingangstür entzündet haben, erinnert am Sonntag kaum noch etwas an die Bluttat, die einen Tag zuvor im Gemischtwarengeschäft Megamix in der Hauptstraße begangenen worden ist.

Das sagen Anwohner zu der Tat

Gegen 13 Uhr am Samstag hatte ein 47-jähriger Mann in betrunkenem Zustand den Laden betreten und dort eine 44-Jährige Mitarbeiterin mit einer Schusswaffe getötet. Laut Polizei handelt es sich bei dem Tatverdächtigen um den Ehemann der Frau, der allerdings getrennt von ihr lebte.

Zum Geschäft ließ sich der Mann von einem Taxi fahren, mit dem er danach auch flüchtete. Polizisten nahmen den 47-Jährigen kurz darauf fest. Die Ermittler gehen von einer Beziehungstat aus.

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Wenige Stunden nach der Tat – das Geschäft mit Parkplatz hat die Polizei weiträumig abgesperrt – kommen immer wieder Menschen zu dem Laden. „Als ich gehört habe, was passiert ist, bin ich sofort hergekommen“, sagt ein junger Markdorfer. Er wohne gleich um die Ecke und habe sich Sorgen gemacht, dass Angehörige von ihm im Laden waren. „Meine Mutter geht hier oft einkaufen“, berichtet er.

Ein weiterer Anwohner bekam kurz nach der Tat mit, wie die Einsatzkräfte ankamen. „Alles war voller Blaulicht. Die Polizei war mit mehreren Autos da, dazu noch Rotes Kreuz und Feuerwehr“, schildert er. Es sei schwer zu ertragen, dass so eine schreckliche Tat in Markdorf passiert ist.

Zwei Frauen, die angeben, die getötete Frau gekannt zu haben, sind schockiert. „So schnell kann ein Leben vorbei sein. Es ist einfach unglaublich“, sagt eine von ihnen.

Traumatisierte Zeugen bekommen Hilfe

Laut Polizei waren während der Tat mehrere Kunden und Mitarbeiter im Laden. Um sie kümmerte sich am Nachmittag der Notfallnachsorgedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

Die katholische Kirchengemeinde hatte die Mittlere Kaplanei zur Verfügung gestellt, in der die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Teams mit den traumatisierten Zeugen der Tat sprachen.

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Die Feuerwehr Markdorf unterstützte und transportierte die Menschen mit einem Mannschaftswagen zu dem Gebäude. Vier Einsatzkräfte hätten über etliche Stunden die elf Personen betreut, die die Hilfe in Anspruch nahmen, berichtet Markus Klein vom Notfallnachsorgedienst.

„Wir hören den Leuten zu und klären sie darüber auf, was so eine Belastung mit einem machen kann. Außerdem geben wir Tipps, was die Menschen tun und wohin sie sich wenden können, wenn es ihnen in den nächsten Tagen nicht so gut geht“, erklärt Klein.

Er betont, dass ein dramatischer Einsatz wie am Samstag aber nicht üblich ist. „Solche Geschehnisse stehen bei uns ja Gott sei Dank nicht auf der Tagesordnung.“ Einige der betreuten Personen seien „Ohrenzeugen“ des Vorfalls gewesen, andere seien Angehörige, die später zum Tatort gekommen sind, so Klein.

Bürgermeister bleibt Fasnet-Ball fern

Bei den Einsatzkräften und der Kirchengemeinde bedankte sich Markdorfs Bürgermeister Georg Riedmann. „Aufrichtig danken möchte ich allen, die durch ihre Arbeit mithelfen, das Geschehene aufzuklären und zu verarbeiten“, schreibt er auf Facebook.

Den Angehörigen und Arbeitskollegen der getöteten Frau und „all jenen, die das furchtbare Geschehen miterleben mussten“, gelte seine tief empfundene Anteilnahme. Der Bürgermeister spricht von einem „schrecklichen Verbrechen“.

Eigentlich hatte Georg Riedmann am Samstagabend am Ball der Historischen Narrenzunft Markdorf teilnehmen wollen. „Die Historische Narrenzunft hat bei mir angefragt, ob ich empfehlen würde, den heutigen Ball abzusagen. Ich habe geraten, den Ball trotzdem durchzuführen“, schreibt er. Als Zeichen der Anteilnahme der Stadt Markdorf sagte er seine eigene Teilnahme an der Veranstaltung aber ab.

Markdorfer beten für Opfer und Hinterbliebene

Auch die Kirchengemeinden in der Stadt haben auf das Verbrechen reagiert. „Wir beten für Opfer, Hinterbliebene, traumatisierte Augenzeugen, für die Einsatzkräfte und den Täter“, schreibt die Evangelische Kirchengemeinde auf Facebook.

Gemeinsam mit der Katholischen Seelsorgeeinheit lud sie zu einem spontanen ökumenischen Abendgebet ein. In der Kirche St. Nikolaus zeigten am Sonntagabend Markdorferinnen und Markdorfer ihre Anteilnahme.

Die Kriminalpolizei hat für den Fall zwischenzeitlich eine eigene Ermittlungsgruppe eingerichtet. Die Beamten suchen weiterhin nach Zeugen. Der Grund: Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Personen zur Tatzeit im Geschäft waren und die Tat miterleben mussten, den Tatort aber vor Eintreffen der Polizei bereits verlassen haben.

Diese wichtigen Zeugen sollen sich dringend bei der Kripo unter Telefon 07541/7010 melden. Markus Klein vom Notfallnachsorgedienst bittet diese Zeugen im selben Zug darum, bei der Rettungsleitstelle unter Telefon 07541/19222 anzurufen, sollten sie noch Gesprächsbedarf haben oder Betreuung benötigen.