Bluttat in Markdorf

Der Tatverdächtige hat sich die Waffe illegal besorgt

Markdorf/Pfullendorf / Lesedauer: 4 min

Nachdem am Samstag eine Frau erschossen worden ist, hat die Gerichtsmedizin die Leiche obduziert. Die Ermittler teilen neue Erkenntnisse mit – auch zur Flucht des Mannes.
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Nachdem die Gerichtsmedizin die Leiche der Getöteten obduziert hat, teilt die Polizei neue Informationen zum Tötungsdelikt in Markdorf mit. Demnach ist die 44-Jährige, die nach der Tat im Geschäft Megamix verstarb, von mehreren Schüssen getroffen worden. Außerdem gibt es neue Erkenntnisse zur Tatwaffe und zur Flucht des 47-jährigen Tatverdächtigen.

Wie die Staatsanwaltschaft Konstanz und das Polizeipräsidium Ravensburg in einer gemeinsamen Pressemitteilung schreiben, wurde die 44-jährige Frau, die am Samstag in Markdorf getötet worden ist, am Dienstag von der Gerichtsmedizin untersucht.

Dass mehrere Schüsse in dem Laden fielen, war bereits bekannt. Durch den vorläufigen Obduktionsbefund ist nun aber auch klar, dass die Frau von mehreren Schüssen getroffen worden ist. „Mindestens einer“ dieser Schüsse war dabei laut Polizei Ursache für ihren Tod. Nach der Tat gab es Versuche, die Frau zu reanimieren, allerdings ohne Erfolg.

Polizei verrät neue Details zur Taxifahrt

Aber woher hatte der Verdächtige – ein 47-jähriger Mann mit albanischem Pass, der zum Tatzeitpunkt betrunken war – überhaupt die Waffe? Zum Tragen einer Waffe berechtigt ist er jedenfalls nicht, wie es in der Mitteilung heißt: „Nach dem bisherigen Ermittlungsstand ist davon auszugehen, dass der 47-jährige Tatverdächtige nicht legal im Besitz der Handfeuerwaffe gewesen sein dürfte, die er zur Tatausführung verwendete und danach am Tatort zurückließ“, schreibt die Polizei.

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Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um den Ehemann der Getöteten, allerdings lebten sie getrennt voneinander. Der 47-Jährige wohnt laut Polizei im Landkreis Sigmaringen.

Neue Details teilen die Ermittler außerdem zur Flucht des Tatverdächtigen mit. Bereits bekannt war, dass er sich mit einem Taxi zum Geschäft in der Markdorfer Hauptstraße fahren ließ, mit dem er auch nach der Tat den Ort des Geschehens wieder verließ.

Laut Polizei gab kurz darauf ein Zeuge den Ermittlern den Hinweis auf ein Taxi. „Da auch das Kennzeichen bekannt war, wurden umfangreiche polizeiliche Fahndungsmaßnahmen eingeleitet“, heißt es in der Mitteilung. Eine Polizeistreife erkannte das Fahrzeug im Landkreis Sigmaringen und folgte dem Wagen zunächst in einigem Abstand.

Mann stellte sich selbst bei der Polizei

Weitere Polizeikräfte wurden zusammengezogen – für eine geplante „Intervention“, wie es in der Mitteilung heißt. Vorgesehen war also, den Tatverdächtigen zu stellen. Aber noch bevor das geschehen konnte, steuerte das Taxi auf Anweisung des Fahrgasts den Polizeiposten Pfullendorf an.

Dort stieg der 47-Jährige aus und und ließ sich laut Polizei ohne Gegenwehr vorläufig festnehmen. Gewalt oder Drohungen gegenüber dem Taxifahrer oder der Taxifahrerin hat es offenbar keine gegeben. „Aufgrund der bei der Kriminalpolizei bislang vorliegenden Erkenntnisse war für das Taxipersonal nicht erkennbar, in welcher Absicht der beförderte Fahrgast unterwegs war“, schreiben die Beamten.

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Die Polizei erneuert nochmals ihre Bitte, dass sich Zeugen, die bislang noch keinen Kontakt zu den Ermittlern aufgenommen haben, melden sollen. Ansprechpartner ist die Kriminalpolizei in Friedrichshafen unter Telefon 07541/7010. „Die vorliegenden Erkenntnisse lassen annehmen, dass noch nicht alle Betroffenen bekannt sind“, heißt es in der Mitteilung.

Die Polizei erhofft sich dadurch nicht nur weitere Erkenntnisse, sie bietet den eventuell traumatisierten Zeugen auch Unterstützung an. Auf Wunsch könne ein Kontakt zu psychosozialen Betreuungsangeboten vermittelt werden, um Hilfe bei der Verarbeitung des Erlebten zu erhalten.

Spendensammlung macht im Internet die Runde

Seit Sonntag sitzt der Tatverdächtige auf Anordnung eines Haftrichters in Untersuchungshaft. In der Justizvollzuganstalt dürfte er auch bleiben, bis es zu einem Gerichtsverfahren in dem Fall kommt. In Markdorf ist die Trauer und Betroffenheit nach wie vor groß.

Inzwischen macht im Internet eine Spendenaktion die Runde – offenbar ins Leben gerufen von Angehörigen der Getöteten. Dort wird Geld für die Beerdigung der Frau gesammelt. Es kamen bereits nach kurzer Zeit mehrere tausend Euro zusammen.