Telefonseelsorge

Arnold Stadler liest aus unveröffentlichtem Band

Markdorf / Lesedauer: 2 min

Arnold Stadler liest aus unveröffentlichtem Band
Veröffentlicht:30.05.2011, 18:50
Aktualisiert:25.10.2019, 18:00

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Unterhaltsam, nachdenklich und manchmal ohne Punkt und Komma – so lässt sich die Lesung des Schriftstellers Arnold Stadler beschreiben. „Ich komm dann schon noch zum Lesen“, beruhigte Stadler in seiner mit autobiographischen Geschichten gespickten Einleitung die Zuhörer. Die Telefonseelsorge Schwarzwald-Bodensee hatte anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums zu der außergewöhnlichen Lesung eingeladen.

„Ein Requiem auf die Sprache, die es so nicht mehr gibt“, so Stadler, eine Zäsur im Leben eines Wortkünstlers, das erwartete den Zuhörer bei Passagen aus seinem Roman „Einmal in der Welt. Und dann so“. Darin sind Stadlers berühmte autobiographische Trilogie „Ich war einmal“, „Feuerland“ und „Mein Hund, meine Sau, mein Leben“ in einer überarbeiteten Version zusammengefasst. Stadler wurde in Meßkirch geboren. Der Gegenstand der Handlung in seinem Roman ist seine oberschwäbische Heimat. „Erinnerungen an den Schnee von gestern“, beschreibt er seine Kindheitserinnerungen. Aus seinen Zeilen spricht die Sehnsucht nach der Heimat, die er ironisch, vor allem aber mit Sarkasmus und schwarzem Humor zum Ausdruck bringt. „Selig der Mann, dessen Schmerz zur Sprache wurde“.

Als Vorbild nennt Stadler den alemannischen Mundartdichter Johann Peter Hebel, der mit seinem 1803 erstmals erschienenen Gedichtband „Allemannische Gedichte“ bekannt wurde. „Ich bin ein badischer Schwabe, kultur-historisch, nicht politisch gesehen“, beschreibt Stadler sich selbst. Er überraschte die Zuhörer mit Passagen aus seinem im Herbst erscheinenden Buch „New York machen wir das nächste Mal“. Darin erzählt er traurige und verträumte Geschichten. Stadler zeigt sich in seinen Geschichten auch provokativ. „Das kann ich nicht vorlesen“, überspringt er an diesem Abend aber zu anzügliche Passagen, die er den anwesenden Zuhörern wohl nicht zumuten will. Dafür zeigt er sich in der Diskussion umso angriffslustiger: „Ich möchte nicht, dass auf dem Gehrenberg Windkrafträder gebaut werden“, forderte er von den sichtlich überraschten Zuhörern. Der selbsterklärte Atomkraftgegner Stadler versteht sich dabei als Anwalt der Landschaft, deren Bild er unbedingt erhalten will.

Zufrieden mit dem Verlauf des Abends war Gesine Wabra von der Telefonseelsorge. „Es war ein gelungener Abend“, so die Psychologin. Auf eine Gage hatte der Autor zugunsten der gemeinnützigen Einrichtung verzichtet.