Integrationskultur

Organisation kämpft gegen Ausgrenzung

Langenargen / Lesedauer: 3 min

Stiftung Integrationskultur feiert in Langenargen ihr dreijähriges Bestehen – 35 Projekte angeschoben
Veröffentlicht:18.06.2019, 15:46

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Die primär im süddeutschen Raum tätige Stiftung Integrationskultur hat in Langenargen ihr dreijähriges Bestehen gefeiert. In der „Sonnenstube am See“ deshalb, um in der Bodenseeregion bekannter zu werden und auch hier Projekte zu finden, die gefördert werden können. Ziel der Stiftung, die Wolfgang Kratschmer aus Kressbronn gegründet hat, ist es vor allem, Ausgrenzungen von Menschen aufgrund ihrer Andersartigkeit – welcher Art auch immer – entgegenzuwirken.

Zielgruppen der Stiftung mit Sitz in Rottenburg am Neckar sind kleine, ehrenamtlich mit viel Engagement betriebenen Projekte und Initiativen, die sonst kaum Zugang zu großen Förderprogrammen haben. Seit 2016 wurden so 35 Projekte mit einem Fördervolumen von 80 000 Euro unterstützt. Die durchschnittliche Fördersumme beläuft sich auf 3000 Euro. Wie Vorstand Philipp Kratschmer , ein Sohn des Stifters Wolfgang Kratschmer, am Samstag im Münzhof berichtete, basiert die Unterstützung auf drei Fördersäulen: Völkerverständigung und Integration, Kunst und Kultur sowie soziale Zwecke und bürgerschaftlichem Engagement. Beispiel: In Konstanz wurden 83 Zimmer für Flüchtlinge bereitgestellt. 83 deshalb, weil die Konzilstadt 83 000 Einwohner zählt.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Vortrag des deutschen Autors mit sri-lankischen Wurzeln, Deva Manick (32), der aus seinem Buch „Im Glashaus gefangen zwischen den Welten“ las. Ihn hat die Frage: Ist er ein Deutscher mit sri-lankischen Wurzeln oder ein Sri-Lanker (Tamile) mit deutscher Heimat schon in seiner Jugend innerlich beinahe zerrissen. Vor allem, wenn er aus den eigenen Erfahrungen im zerrütteten Elternhaus, dem traditionellen Zuhause und der neuen Kultur, dem schulischen Alltag, der Suche nach Zuneigung (die er bei den Eltern nicht fand) bei falschen Freunden, der Wut der Eltern, die sich gegen ihn entlud, der Flucht- und Internet-Welt berichtete, hätte man im vollbesetzten Münzhof die berühmte Stecknadel fallen hören können.

„Ich war Außenseiter in beiden Welten“, gestand der Autor, der seinen eigenen Angaben zufolge bis zu seinem 19. Lebensjahr von der Mutter geschlagen und vom Vater bis zu dessen Rückkehr nach Sri Lanka verwöhnt wurde. Und der versucht hat, sowohl die Kultur-Welt der Eltern zu verstehen und gleichzeitig aber auch der deutschen Gesellschaft gerecht zu werden.

Junge Schüler abholen

Deva Manick beschreibt in seinem Buch den eigenen Weg, die Schicksalschläge, den Zwiespalt als Kind zwischen der deutschen und der tamilischen Welt und das Problem, deshalb die Freude der anderen nicht teilen zu können, bis hin zur Auszeichnung als Jahrgangsbester unter mehr als 200 Schülern. Seine Empfehlung nach seinen Erfahrungen: Junge Schüler in seiner Situation abzuholen, wo sie bereits aufgegeben haben.

Mit seinem Programm und seinen Lesungen aus dem Buch „Im Glashaus gefangen zwischen den Welten“ ist er bundesweit vor allem in Schulen unterwegs. Wie der Stifter und Vorsitzende des Stiftungsrates, Wolfgang Kratschmer, betonte, wird die Problematik des Fremdseins, des Andersseins und des Ausgegrenztseins leider auch in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen. Die Stiftung wolle einen kleinen Beitrag dazu leisten, für diese Probleme auf menschliche, sinnvolle, aber auch zielführende Weise Lösungen zu finden. Unter anderem durch gezielte Fundraising-Aktivitäten will man das Spendenvolumen deutlich erhöhen und weitere Mitglieder gewinnen.