Uferanlage

Teures Vergnügen: Langenargen bekommt schickes WC in schöner Lage

Langenargen / Lesedauer: 3 min

Neue Toiletten-Anlage beim Spielplatz in der Uferanlage kostet 220 000 Euro – Standort gefällt nicht allen
Veröffentlicht:20.02.2018, 19:16
Aktualisiert:22.10.2019, 21:00

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Von wegen 00: Es wird am Bodensee kaum eine exklusivere WC-Anlage an einem exquisiteren Standort geben als die geplante beim Spielplatz in der Uferanlage in Langenargen. Eigenschaften, die sich im Preis niederschlagen: 220 000 Euro kostet die Toilette aus satiniertem Glas samt Blitzschutzanlage, die im Frühjahr stehen soll. Jetzt müssen nur noch die Gemeinderäte die genaue Lage bestimmen, damit der Baubeginn festgelegt werden kann. Ort und Kosten kommen allerdings nicht bei allen an.

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Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung im Oktober mit klarer Mehrheit beschlossen, im Bereich zwischen dem Fußweg beim Spielplatz und dem Grundstück Hotel „Seeterrasse“ eine barrierefreie WC-Anlage mit zwei Räumen jeweils für Damen und Herren, einer automatischen Reinigungseinheit für Sitze und Boden sowie einem Technikraum zu errichten. Kostenpunkt: 194 500 Euro. Der Auftrag geht an den einzigen Anbieter in diesem Bereich, die Hering Sanikonzept GmbH aus Burbach.

Dazu kommen 24 000 Euro für Blitzschutz, Tiefbau- und Pflasterarbeiten für den Vorplatz sowie Wasser-, Abwasser- und Stromanschluss. Das Land Baden-Württemberg fördert den Bau der Toilette im Rahmen des Entwicklungsprogramms „Städtebauliche Erneuerungsmaßnahmen östlicher Ortskern“ mit 60 000 Euro. Voraussetzung: Das Häuschen steht bis 30. April.

Kostenlose Nutzung

Inzwischen hat sich das Gremium vergleichbare Anlagen in Überlingen und Markdorf angeschaut. Das Ergebnis war in der jüngsten Gemeinderatssitzung Ende Januar Thema: „An beiden Standorten berichteten die Vertreter der Gemeinde von durchweg positiven Erfahrungen mit den WC-Anlagen“, hieß es dazu in der Sitzungsvorlage. Grünen-Fraktionschef Ulrich Ziebart bereiteten allerdings die Kosten einen „kleinen Schock“ – und zwar nicht nur die für die Anschaffung, sondern auch die für den laufenden Betrieb. Hintergrund: In Markdorf war von 1500 Euro im Monat für eine Kabine bei drei Reinigungen pro Woche die Rede. Eine Zahl, die in Langenargen bei zwei Räumen höher ausfallen wird. Auch wenn Bürgermeister Achim Krafft deutlich machte: „Wir wissen noch nicht genau, wie unsere Nutzung aussehen wird.“

Was bereits klar ist: Die Nutzung ist kostenlos, was Einheimischen und Gästen zugute kommen soll. Und die WC-Anlage wird aus satiniertem Glas und damit lichtdurchlässig sein oder wie Bürgermeister Krafft sagte: „Wir haben uns bewusst für eine farblose Gestaltung entschieden.“

Dass die Anschaffung teuer ist, gab auch CDU-Fraktionsvorsitzender Ralph Seubert zu, bemerkte aber, dass eine herkömmliche Toilette ebenfalls nicht gratis zu haben sei. Und: „Wir wollen in unserer guten Stube an dieser Stelle nur Erstklassiges.“ Zudem sei die Anlage eine saubere Sache, es werde keine Probleme mit Gerüchen geben. Dafür soll auch ein Wartungs- und Servicevertrag sorgen, der noch abzuschließen ist.

„Die Technikanlage ist super. Was mir nicht gefällt, ist der Standort“, erklärte SPD-Gemeinderat Herbert Tomasi. Das sah Gertrud Reiß (ebenfalls SPD) genauso, die von einem „technischen Highlight“ sprach, das an einer Stelle aufgestellt werden soll, „die gar nicht geht“, weil die Toilette von der Uferpromenade aus betrachtet und von der Malerecke her kommend störe. Zustimmendes Nicken gab es von Silke Falch (Grüne). Die Folge: Die drei Gemeinderäte stimmten gegen die neue WC-Anlage beim Spielplatz.

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