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Fasnet in Kressbronn

In Gohren lebt ein alter Brauch zur Fasnet wieder auf

Kressbronn / Lesedauer: 2 min

Die Idee stammt aus den 70er-Jahren. Der Kinderumzug in Gohren wird wiederbelebt. Und bei den Senioren kommt es gut an.
Veröffentlicht:12.02.2024, 18:30

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Eine geliebte Tradition haben am Rosenmontag im beschaulichen Gohren die kleinen Narren des Orts weitergeführt. Beim lustigen Kinderumzug, der in den 1970er Jahren aus einer Laune heraus von jungen Burschen ins Leben gerufen wurde, galt und gilt es nicht nur, möglichst viele Guezle und andere Naschereien bei den Nachbarn und Bürger zu ergattern, sondern vor allem den Senioren ein Stück Fasnet in oder vor die Wohnstube zu bringen.

Papa Michael Matusek, seine als Pandabär verkleidete Frau Romina und die erst eineinhalb Jahre junge „Froschkönig“-Tochter Amelie sind gerne beim Kinderumzug in Gohren.
Papa Michael Matusek, seine als Pandabär verkleidete Frau Romina und die erst eineinhalb Jahre junge „Froschkönig“-Tochter Amelie sind gerne beim Kinderumzug in Gohren. (Foto: Andy Heinrich)

„Für die Kleinen ist diese Veranstaltung eine schöne Gelegenheit, ihre ganz eigene Dorf-Fasnet zu feiern, wobei sich vor allem die Älteren über den Besuch des Gohrener Narrensamens freuen“, sagt Moni Emser, die mit ihren Enkeln Paul und Hannah den bunten Reigen begleitete. 20 große und kleine Teilnehmer zogen quietschfidel durch den Ort.

Die Idee ist schon alt

„Lustig ist die Fasenacht, wenn mei Mutter Küchle backt. Wenn sie aber keine macht, pfeif ich auf die Fasenacht“, heißt es vollmundig im Gohrener Narren-Vierzeiler. Vor rund 50 Jahren hatten die Emser Brüder die Idee, an Rosenmontag durch die Gassen ihres Kressbronner Ortsteils zu ziehen. „Leider ist diese Tradition in den vergangenen Jahren eingeschlafen, vor allem durch den Wegzug von Bürgern und die Corona-Pandemie. Engagierte Gohrener, die teilweise einst selbst als Kinder teilgenommen hatten, haben diesen Kinderumzug 2023 wieder aufleben lassen“, berichtet die Mitinitiatorin, Julia Mehlmann.

Lichtschwertkämpfer Paul und seine Schwester, das rosa Kaninchen Hannah, sind vor dem Umzug gespannt auf die Süßigkeiten, die sie von den Besuchern bekommen werden.
Lichtschwertkämpfer Paul und seine Schwester, das rosa Kaninchen Hannah, sind vor dem Umzug gespannt auf die Süßigkeiten, die sie von den Besuchern bekommen werden. (Foto: Andy Heinrich)

Inzwischen sei Gohren ein Stück weit gewachsen, seien mehrere Neubauten und Wohnungen entstanden, Familien wieder zurück- oder andere neu hinzugekommen. Für Julia Mehlmann und weitere Personen aus dem Ort eine willkommene Gelegenheit, über Wurfzettel in den Briefkästen und über Mund-zu-Mund-Propaganda für den liebgewordenen und fast in Vergessenheit geratenen Brauch zu werben. Die Idee kam an und wurde auf Anhieb gerne aufgenommen.

Hausbesuche und Süßes

Und so standen etwa 25 Hausbesuche mittags ab 14 Uhr auf dem improvisierten „Umzugsplan“. Für das Aufsagen des Gohrener Narrenspruchs durften sich die kleinen Mäschkerle, neben leckeren Süßigkeiten und etwas Taschengeld von den Einwohnern, auf leckere Würstchen im Weckle von der Familie Müller freuen, bevor es im Anschluss ins Bürgerstüble ging, wo Kaffee, Kuchen und Getränke auf die Teilnehmer warteten. „Meine Schwester Hannah ist ein rosa Kaninchen und ich bin Anakin Skywalker mit dem Lichtschwert. Wir sind sehr gespannt und freuen uns, weil wir Süßes bekommen und uns verkleiden dürfen“, ,meinte der kleine Paul, während sich Pinguin-Papa Michael Matusek, seine als Pandabär verkleidete Frau Romina und die erst eineinhalb Jahre junge „Froschkönig“-Tochter Amelie gerne fotografieren lassen.

Überhaupt sehe man in der Veranstaltung auch ein soziales Signal, da in Gohren nicht wenige ältere Menschen lebten, die sich am Hochtag der Fasnet über den Besuch der Kinder freuen. Man bringe den Senioren, so Mehlmann, die Fasnet quasi ins Haus: „Lustig ist die Fasenacht, wenn mei Mutter Küchle backt. Wenn sie aber keine macht, pfeif ich auf die Fasenacht“.