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Feuerwehr kann nächste Woche wieder ausrücken

Kressbronn / Lesedauer: 4 min

Folgen des Brands stehen außerplanmäßig auf der Sitzung des Gemeinderats – Halle ist wiederverwendbar
Veröffentlicht:28.07.2016, 07:02

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Nach den Ereignissen rund um den Großbrand der Kressbronner Feuerwehr hat das Thema am Dienstagabend außerplanmäßig auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung gestanden. Dabei gab es einige gute Nachrichten: Bereits Anfang nächster Woche ist die Kressbronner Wehr wieder einsatzbereit – die ersten beiden Leihfahrzeuge stehen schon auf dem Hof. Und laut Statiker sei es unter Umständen sogar möglich, die Gerätehalle relativ einfach wieder aufzubauen, da die Wandteile wieder verwendet werden können, wie Kämmerer Matthias Käppeler berichtete.

Die Strapazen der vergangenen zwei Tagen sind bei allen Beteiligten am Dienstagabend nicht zu übersehen. „Wir haben in den letzten Tagen viele Krisensitzungen gehabt, um zu schauen, wie wir mit den Folgen des Brandes umgehen“, sagte Bürgermeister Daniel Enzensperger. Allererstes Ziel sei dabei gewesen, die Einsatzbereitschaft der Kressbronner so schnell wie möglich wieder herzustellen. Er ergänzte mit einem Schmunzeln: „Wir sind dabei die allerbesten Freunde geworden.“ Peter Schlegel, Kressbronner Feuerwehrkommandant, Peter Schörkhuber, stellvertretender Kreisbrandmeister und Daniel Strohmaier, stellvertretender Feuerwehrkommandant, hatten vorne auf der Bank Platz genommen und nickten zustimmend.

Überwältigt von Hilfsbereitschaft

Wie berichtet war am Sonntag gegen 17 Uhr der Brand in dem Feuerwehrgerätehaus ausgebrochen und hatte dabei alle sieben Fahrzeug in der Halle sowie sämtliche Ausrüstungsgegenstände zerstört. „Das ist ungefähr das Schlimmste, was einem Feuerwehrmann passieren kann – vor der eigenen Feuerwache zu stehen und untätig zuschauen zu müssen. So ist es uns am Sonntag ergangen“, fasste der junge Feuerwehrkommandant niedergeschlagen seine und die Empfindungen seiner Kameraden zusammen. „Wir sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft, die uns aus ganz Süddeutschland erreicht“, ergänzte er. Nicht nur Ausrüstungsgegenstände, auch ganze Fahrzeuge seien den Kressbronnern in ihrer Not angeboten worden, um schnellstmöglich wieder einsatzbereit zu sein.

Peter Schörkhuber lobte die Zusammenarbeit: „Wir arbeiten seit 48 Stunden im Krisenmodus – viele davon ehrenamtlich. Das verdient allergrößten Respekt.“ Es sei am Sonntag in Kressbronn „der Fall eingetreten, der nie hätte eintreffen dürfen“. Es ginge jetzt um das Spannungsfeld zwischen Gründlich- und Schnelligkeit – die Gründlichkeit ginge eigentlich vor Schnelligkeit, doch durch den akuten Druck, schnellstmöglich wieder einsatzbereit zu sein, habe man einen Kompromiss finden müssen.

Matthias Kämmerer berichtete anschließend über den aktuellen Stand der Dinge: So sei alles, was in der Halle war, „nicht mehr zu retten gewesen“. Allerdings könnten laut Statiker vermutlich die Wandteile wiederverwendet werden, sodass dann „nur noch“ ein Dach fehlen würde. „Das ginge also relativ schnell“, so der Kämmerer, der damit rechnet, dass unter den vorhersehbaren Umständen die Feuerwache bis spätestens Ende des Jahres wieder bezogen werden könne. Das Verwaltungsgebäude müsse lediglich gereinigt werden, dann seien die Sozialräume wieder nutzbar. Ursache des verheerenden Brandes war wohl ein technischer Defekt im vorderen Bereich des Rüstfahrzeugs, wie die Untersuchungen inzwischen ziemlich gesichert ergeben hätten.

Fuhrpark ist größte Sorge

„Die größte Sorge bereitet uns der Fuhrpark – da haben wir einen wirtschaftlichen Totalschaden.“ Die Versicherung zahle nur den Zeitwert der sieben Fahrzeuge, werde jedoch die Fahrzeuge mit einer Restnutzungsdauer von zehn bis 15 Jahren nicht ersetzen können, da solche nicht auf dem Markt seien. Insgesamt beläuft sich der Schaden von Fahrzeugen und Ausstattung auf 2,2 Millionen Euro. Die Versicherung komme für das Gebäude auf, zudem rechnet der Kämmerer mit Einnahmen von der Versicherung in Höhe von 800 000 Euro als Ersatz für Fahrzeuge und 200 000 Euro für die Ausstattung - insgesamt also eine Million Euro. 650 000 Euro könnten durch die Landesförderung für neue Fahrzeuge sowie Eigenmittel hinzukommen, sodass von den 2,2 Millionen nach Abzug der Einnahmen von 1,65 Millionen noch 570 00 Euro als Deckungslücke offen blieben. Diese sei durch eine Kreditaufnahme oder Ersatzdeckungsmittel zu schließen, so Matthias Käppeler .

Der Gemeinderat stimmte schließlich einstimmig den Beschlüssen zu, damit die Gemeinde in der Sommerpause alles vorbereiten könne, um die Feuerwehr schnellstmöglich wieder herzurichten.

Auch die Feuerwehren vom bayerischen Bodensee helfen: Laut Kreisbrandrat Friedhold Schneider wird die Feuerwehr Lindau bis zum 31. Oktober ein Löschfahrzeug in die württembergische Nachbarschaft ausleihen. Zufällig passt es zudem gut, dass die Feuerwehren im Landkreis Lindau in diesem Jahr komplett auf Digitalfunk umgestellt haben, während die Württemberger noch analog funken. Die Lindauer Wehr ebenso wie die Nonnenhorner Wehr geben laut Schneider übrige Funkgeräte nach Kressbronn weiter.