Wohnungseinbruch

Wohnungseinbrüche trüben die Bilanz

Konstanz / Lesedauer: 3 min

Polizeiführung stellt die Kriminalitätsstatistik 2013 vor – Zahl der Straftaten steigt leicht an
Veröffentlicht:31.03.2014, 19:30
Aktualisiert:24.10.2019, 15:00

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Martin Schatz, kommissarischer Leiter des Polizeipräsidiums Konstanz, hat am Montag die Kriminalstatistik 2013 für den Landkreis Sigmaringen vorgestellt. Die gute Nachricht: Die Straßenkriminalität ging zurück, genauso die Zahl der Rauschgiftdelikte. Die schlechte Nachricht: der Anstieg bei den Wohnungseinbrüchen. Mit einer speziellen Ermittlungsgruppe will die Polizei dieser Entwicklung begegnen.

„Wir erleben eine Renaissance des Wohnungseinbruchsdiebstahls“, stellte Martin Schatz fest. Innerhalb des Polizeipräsidiums Konstanz, das vier Landkreise umfasst, war der Anstieg im Landkreis Sigmaringen von 48 Fälle im Jahr 2012 auf 72 im Jahr 2013 jedoch nicht ganz so dramatisch wie beispielsweise am Bodensee, wo es eine Verdreifachung (2012: 74/2013: 222) gab. „Unsere Statistik wäre klasse, wenn wir diese Entwicklung nicht hätten“, betonte Schatz. Nicht nur wegen der absoluten Zahlen, sondern auch weil gerade Einbrüche das Sicherheitsgefühl der Menschen gewaltig beeinträchtigten, wird sich nun eine elfköpfige Ermittlungsgruppe mit dieser Art von Straftaten beschäftigen, kündigte Uwe Stürmer, Chef der Kriminaldirektion, an. Durch die Bündelung der Fälle, die Bearbeitung durch Spezialisten und durch eine zentralisierte Kriminaltechnik sollen die oft schwierigen und komplexen Ermittlungen unterstützt werden.

Es gibt keinen klassischen Tätertyp

Einen klassischen Tätertyp, ließ Stürmer wissen, gebe es übrigens nicht. Das Spektrum reiche vom Junkie über Jugendliche bis hin zum klassischen Einbrecher, der aus dem Gefängnis komme und halt dort weitermache, wo er zuvor aufgehört habe. Weil „unseren Kollegen nichts lieber ist als Wohnungseinbrecher auf frischer Tat zu erwischen“, appellierte Uwe Stürmer, verdächtigte Beobachtungen in der Nachbarschaft sofort der Polizei zu melden. „Im Zweifelsfall die 110.“

Die Zahl der registrierten Straftaten im Landkreis Sigmaringen ist mit 5296 (2012: 5005) um 5,8 Prozent gestiegen, die Aufklärungsquote lag bei 58,4 Prozent (2012: 57,5). Auf relativ konstantem Niveau bewegt sich die Gewaltkriminalität: 2013 wurden 176 Delikte gezählt, im Vorjahr waren es noch 166 gewesen. Gewalttätigen Angriffen sehen sich auch immer mehr Polizisten ausgesetzt. „Hier gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen Alkohol und Gewaltbereitschaft“, sagte Stürmer. Gruppendruck befördere zusätzlich die Solidarisierung gegen die Polizei. Konsequenz: Beamte seien oft gezwungen, Maßnahmen mit Gewalt durchzusetzen, was zu einer weiteren Eskalation führe. Das Spektrum der Renitenten reiche vom betrunkenen Autofahrer bis zum jugendlichen Discogänger.

Als sehr erfreulich bezeichnete Martin Schatz den Umstand, dass die Straßenkriminalität – Körperverletzungen, Sachbeschädigungen oder Diebstahl – im gesamten Präsidium abgenommen habe, im Landkreis Sigmaringen von 937 auf 843 Fälle. Aufgrund verstärkter Kontrollen und Ermittlungen sei auch die Rauschgiftkriminalität von 242 auf 225 registrierte Straftaten zurückgegangen.

Verstöße mit Cannabisprodukten machten dabei den Löwenanteil aus. „Besorgniserregend“ sei, erklärte Schatz, dass es bei den Tatverdächtigen einen deutlichen Anstieg bei den Unter-21-Jährigen gebe. Für die Polizei ist dies ein Indiz, dass Cannabis oder Marihuana „bagatellisiert“ werden und die „irrige Meinung“ verbreitet sei, dass diese Drogen harmlos seien.

Schatz warnte auch vor sogenannten Legal-High-Produkten, die als „Badesalz“ oder „Kräutermischung“ übers Internet vertrieben werden. Oft würden diese synthetischen Drogen leichtfertig konsumiert, ohne deren Wirkung zu kennen. Chrystal Meth – eine Droge, die vor allem in tschechischen Labors gekocht und im Osten Bayerns angesagt ist – spielt „bei uns keine Rolle“, erklärte Martin Schatz und legte die Stirn in Falten. „Noch keine Rolle.“