Klassenerhalt

„Die Chance ist immer noch da!“

Konstanz / Lesedauer: 6 min

Baskets Konstanz-Manager Christian Lipski und die heimliche Hoffnung auf den Klassenerhalt in der 2. Basketball-Bundesliga ProB am grünen Tisch
Veröffentlicht:13.05.2013, 10:35
Aktualisiert:25.10.2019, 00:00

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Die ifm Baskets Konstanz haben den Kampf um den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga ProB Süd verloren. Zumindest auf dem Platz. Geschäftsführer Christian Lipski machte wie sein Trainer Marko Radulovic und die gesamte Mannschaft ein Wechselbad der Gefühle durch, zumeist wurden die Baskets nach überstanden geglaubter „Krise“ äußerst schmerzhaft wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. SZ-Mitarbeiter Jochen Dedeleit unterhielt sich mit dem gebürtigen Münchener über die abgelaufene Saison, wie es weitergeht und mit welcher Philosophie in Zukunft gepunktet werden soll. Bisher hielt Lipski daran fest, „ unsere Leute über einen längeren Zeitraum zu halten, wir zahlen sie anständig. Nur blieb damit derzeit der Erfolg aus. Es ist zwar nicht sinnvoller, aber vielleicht erfolgreicher, wenn du 30 Leute auf der Liste hast und sie Jahr für Jahr austauschst. Aber das ist nicht mein Weg“.

Wie sehr hatte Sie die entscheidende Niederlage gegen Dresden in den Playdowns geschockt, Herr Lipski ?

Christian Lipski: Die Niederlage gegen Dresden hat mich nicht geschockt, weil wir es ja selbst in der Hand hatten. Wir hatten zwei Mal die Möglichkeit das Spiel zu gewinnen, zwei Matchbälle und beide Würfe knallen an den Ring. Nachdem wir uns mit Dresden 40 Minuten einen heißen Tanz geliefert hatten, galt mal wieder die alte Basketball-Weisheit „At the end, it all comes down to one shot." Diese Situation muss man dann akzeptieren. Ein Schuss entscheidet schließlich über Sieg oder Niederlage, da findet man sich dann als Basketballer mit seinem Schicksal ab. Ich denke, wir haben die Play-downs wirklich sehr gut gespielt, sind als Team zusammengewachsen. Hätte mir jemand dieses Szenario am Anfang der Saison präsentiert, wäre ich nach all den Schwierigkeiten und dem Verletzungspech nicht unzufrieden gewesen.

Was waren für Sie die Hauptgründe für das Scheitern? Was meint der Manager Lipski, was der Diplom-Psychologe Lipski?

Die Unruhe während der ganzen Saison hat uns nicht gut getan. Durch die unklare Finanzlage zu Beginn konnten wir wichtige Spieler erst während der Saison verpflichten, ohne gemeinsame Vorbereitung. Das hat uns sportlich viel Kraft gekostet und als Team erst sehr spät zusammenwachsen lassen. Dann kam nach der Wechselfrist die schwere Verletzung unsers Centers Robinson Louisme dazu. Manager und Psychologe geben also nahezu dieselbe Antwort: uns hat die Stabilität gefehlt.

In der kurzen Weihnachtspause meinten Sie schon, eine gewisse Ratlosigkeit herrsche vor. Sie waren sich nicht sicher, ob Ihre Philosophie im deutschen Profi-Basketball noch die richtige wäre.

Wir wollen junge Spieler in die Rotation einbauen, ohne ein eigenes Sportinternat. Wir wollen optimal trainieren, ohne eine „eigene" Halle und mit schwierigen Rahmenbedingungen. Wir wollen einigermaßen faire Löhne und Lebensbedingungen schaffen, in einer der teuersten Städte Deutschlands. Wir wollen jedes Heimspiel zu einem Erlebnis für die Zuschauer machen und in einer professionellen Liga spielen, mit einer rein ehrenamtlichen Organisation. Und wir wollen die Halle voll bekommen und der größte Zuschauermagnet ist der Bodensee sein. Hört sich alles ein bisschen an wie die Quadratur des Kreises und zeigt, welchen Fragen wir uns jeden Tag stellen.

Welches Gesicht wird die Mannschaft in der Regionalliga haben? Oder ist es noch fraglich, ob es überhaupt weitergeht? Sie meinten ja schon einmal, die Baskets wollen keine Fahrstuhlmannschaft sein…

Natürlich wird es weitergehen, aber wie die Mannschaft genau aussieht, werden wir erst zu Beginn der Vorbereitung im August wissen. Natürlich würden wir gerne viele Spieler halten, aber ein Umbruch steht uns mit Sicherheit bevor. Einige Spieler haben ihr Studium abgeschlossen, andere wollen ihre Chancen bei den Try-outs für die Pro A austesten. Ich bin trotzdem sicher, dass wir eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen werden. Nicht umsonst haben wir auch viele junge Spieler im Kader gehabt, die sich hervorragend entwickelt haben und hoffentlich Konstanz als Stadt und uns als Verein die Treue halten. Und: Es gibt jede Saison Mannschaften, die keine Lizenz bekommen und auch Teams, die freiwillig zurückziehen. Insofern ist immer eine Chance da, sogar noch 2. Liga spielen zu können. Meldeschluss für die Bundesliga ist bereits der 31. Mai.

Welche Reaktionen hat es von den Sponsoren gegeben?

Unsere Sponsoren haben großartig reagiert und uns bereits während der ganzen Saison unterstützt. Wir haben hier eine gesicherte Basis, bei allen Freiheiten. Aber wie überall gilt: Ausruhen gibt es nicht. Wir müssen weiter alles versuchen, neue Unternehmen ins Boot zu bekommen, nur so können wir uns auch weiterentwickeln. Enthusiasmus allein reicht eben leider nicht mehr.

Gibt es einen Punkt, an dem Sie selber sagen würden: Das tue ich mir doch nicht mehr an?

Lipski: Der Arbeitsaufwand wird immer mehr. Die Ligen professioneller, die Anforderungen und Standards immer höher. Wir stemmen hier die 2. Liga mit sehr wenig Menschen in der Organisation, die alle nur aus Idealismus am Start sind. Ich sehe hier ein sehr grundlegendes Problem. Bekommen wir die Lasten nicht auf viele Schultern verteilt, werden wir das nicht ewig durchstehen. Zu wenige machen bei uns zu viel und dadurch entwickeln wir uns teilweise zu langsam oder stagnieren. Ich bin mir nicht zu schade, die Stühle für die Heimspiele zu schleppen und mache das seit Jahren, aber mein Tag hat eben auch nur 24 Stunden. Letztes Jahr konnten wir im Sommer unter anderem deshalb kein Jugend-Camp anbieten, weil wir einfach fertig waren. Steigen nicht mehr Leute ein, dann schaffen wir das schlicht nicht mehr, zumindest nicht auf diesem Niveau. Auf lange Sicht müssen wir in der Organisation mehr hauptamtliche Stellen schaffen, um bestehen zu können.

Es war ja so, dass Sie - gemeinsam mit Marko Radulovic - alles erdenklich Mögliche gemacht haben. Oder gibt es Dinge (mit Ausnahme eurer Philosophie), die Sie auf jeden Fall anders machen würden bzw. anders machen werden?

Lipski: Nein, ich kann es halt auch nicht anders (lacht). Andere schaffen es vielleicht, einen Verein distanzierter zu führen, konzentrieren sich auf das Kaufmännische, managen ihr eigenes Zeitbudget besser. Ich kann nur 110 Prozent oder gar nicht. Da muss ich dann halt kochen für die Auswärtsfahrten oder den Bus selber fahren und will das auch nicht ändern. Besser Vollgas, solange es geht, als nur 25 Prozent auf Lebenszeit.

Wenn Sie den Satz vervollständigen müssten: Basketball in Konstanz…?

… ist eine runde Sache!