Konzertreihe

Von Bach bis Bach

Immenstaad / Lesedauer: 3 min

Minsker Kammersolisten spielen in St. Jodok in Immenstaad
Veröffentlicht:30.05.2016, 14:38
Aktualisiert:23.10.2019, 15:00

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Gern gehörte Gäste: Die Kammersolisten Minsk haben drei Jahre nach ihrem letzten Gastspiel in Immenstaad am Sonntagabend wieder einmal die Immenstaader Konzertreihe in St. Jodok bereichert. Das Ensemble spielte Werke der Großfamilie Bach.

Jeder der sieben Musiker ist ein hervorragender Solist, der an der Musikakademie Minsk lehrt, in führenden russischen Ensembles für Alte Musik oder an der Staatlichen Oper in Minsk spielt. Mit feinen Gesten leitet der Gründer Dmitri Subow vom Cembalo aus sein Ensemble, das mit perfekter Transparenz und Harmonie, mit authentischem Klangbild besticht.

Zu hören waren Stücke der Großfamilie Bach: Neben Vater Johann Sebastian erklangen Werke seiner Söhne Carl Philipp Emanuel, Johann Christian und Wilhelm Friedemann, dazu als Auftakt die Ouvertüren-Suite e-Moll für Streicher und Basso continuo von Johann Bernhard Bach dem Älteren aus Erfurt, einem Vetter zweiten Grades von Johann Sebastian Bach . Dieser Bach war Mitglied der von Telemann geleiteten Eisenacher Hofkapelle und wurde dessen Nachfolger. Die gegenseitige Beeinflussung verrät der französische Orchesterstil, wie er in den bald gesanglich-pastoralen, bald von Lebenslust sprühenden Tanzsätzen offenbar wurde.

Bach oder nicht Bach, ist die Frage

Nicht sicher sei, ob die Triosonate für Flöte, Violine und Basso Continuo tatsächlich ganz von Johann Sebastian Bach sei, erklärte Subow, der liebenswürdig durchs Programm führte. Sicher sei die Bassstimme, während die anderen beiden Stimmen auch von einem begabten Schüler stammen könnten. Die Eleganz dieser Sonate durften die Zuhörer mit der Flötistin Galina Matjukowa, dem Geiger Oleg Jatsyna und der Cellistin Ilona Lesj erleben. Wunderbar warm schwebte der Ton der Traversflöte über dem lieblichen Largo, heiter floss das Vivace dahin, friedvoll das Adagio, lebhaft dialogisierten Violine und Flöte im rasanten Presto.

Eine theoretische Fragestellung lag Carl Philipp Emanuel Bachs Sonata „Sanguineus und Melancholicus“ 161,1 zugrunde: Kann die Instrumentalmusik auch ohne Worte Inhalte ausdrücken? Zwei Violinen – Oleg Jatsyna und Elena Maltsewa – traten den Beweis an: Spannend war zu verfolgen, wie der lebhafte Sanguiniker den zutiefst depressiven, im Schmerz verharrenden Melancholiker mehr und mehr aufmuntert, bis zuletzt beide zu gemeinsamem vitalem Spiel finden.

Der folgende Ausflug zum jüngsten Bach-Sohn, dem „Londoner Bach“ Johann Christian, ließ bereits eine neue Zeit hören. Filigraner Klang und bezaubernde frühklassische Melodik ließen verstehen, dass Mozart den Komponisten glühend verehrte, dass er sogar Themen von ihm zitierte. Ein besonderes Highlight war zuletzt Johann Sebastian Bachs fünftes brandenburgisches Konzert, in dem alle Musiker zusammenwirkten. Berauschend waren Subows Klangkaskaden am Cembalo in diesem Werk, welches als erstes Cembalokonzert der Musikgeschichte gilt. Als Zugabe schenkte das Ensemble seinen begeisterten Zuhörern den heiteren Finalsatz aus dem Flötenkonzert D-Dur von Wilhelm Friedemann Bach.