StartseiteRegionalBodenseeImmenstaad"Nicht mehr verantwortbar": Schadstoffe im Kindergarten gefunden

Vorläufiger Umzug nötig

"Nicht mehr verantwortbar": Schadstoffe im Kindergarten gefunden

Immenstaad / Lesedauer: 5 min

Nach einer Untersuchung, die Schadstoffbelastungen im Gebäude ergeben hat, soll der Betrieb nicht mehr verantwortbar sein. So lief die Diskussion darüber bisher ab. 
Veröffentlicht:13.06.2023, 17:00

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Wie es weitergeht mit dem Kindergarten Kippenhausen, wird kommenden Montag im Gemeinderat entschieden. Wegen Schadstoffen im Gebäude, Baujahr 1981, hat der Ortschaftsrat Kippenhausen am Montag schweren Herzens den vorläufigen Umzug in das Kinderhaus Schulstraße ab September empfohlen.

Zahlreiche Eltern saßen am Montagabend im Bürgersaal des Rathauses, als Gäste der Sitzung des Ortschaftsrats Kippenhausen. Zum Tagesordnungspunkt „Zustandsbericht Kindergartengebäude Kippenhausen“ nutzten die betroffenen Mütter und Väter die Gelegenheit, im Rahmen der Bürgerfragestunde gleich zu Beginn ihre Fragen und Sorgen dazu zu äußern.

Mehr Informationen eingefordert

Nicht nur Ortsvorsteher und Sitzungsleiter Martin Frank und die Ortschaftsräte, auch Bürgermeister Johannes Henne und die Amtsleiter aus dem Rathaus der Seegemeinde standen dafür zur Verfügung. Die Eltern kritisierten, sie wären gerne früher informiert worden über so grundlegende Probleme mit dem Zustand des Kindergartengebäudes und forderten mehr Details zu den festgestellten Schäden.

Wir wollen gemeinsam eine Lösung finden, im Sinne der Kinder.

Johannes Henne

Mehrere zeigten sich hochzufrieden sowohl mit dem Platzangebot im Gebäude als auch der Qualität der Betreuung und fragten nach, ob die Sanierung nicht im laufenden Betrieb vorgenommen werden könne. „Unsere größte Sorge sind die Auswirkungen für unsere Kinder. Sie stehen bei allem vorne dran“, betonte Sascha Bochenek für den Elternbeirat.

„Der Kindergarten Kippenhausen ist ein Paradies für unsere Kinder, die 25 Kinder bekommen dort den bestmöglichen Start ins Leben“, formulierte eine der Mütter engagiert. Dafür wolle man kämpfen.

Bürgermeister Johannes Henne bat die Eltern aus Kippenhausen und Immenstaad um Verständnis. Die Schadstoffe seien gerade erst diagnostiziert worden, der Diskussionsprozess über den Kindergarten stehe erst am Beginn. Zunächst gehe es um den technischen Zustand des Gebäudes und die kurzfristigen Konsequenzen. „Es ist noch kein Zug abgefahren. Wir wollen gemeinsam eine Lösung finden, im Sinne der Kinder.“

Im Verlauf der Sitzung erläuterte die Leiterin des Ortsbauamts Andrea Kneißl die Ergebnisse der „bautechnischen Zustandserfassung“ des Kindergartens im Teilort. „Das einstöckige Gebäude mit Flachdach und den beiden angrenzenden Pultdächern an den Traufen West und Süd wurde 1981 in der baujahrtypischen Massivbauweise errichtet.“

Von „Instandsetzungsrückstau“ war die Rede und von „baujahrtypischen Materialien“, die allerdings unter heutigen Maßstäben eine Schadstoffbelastung vorweisen. Das habe jetzt die Untersuchung in einem zertifizierten Labor ergeben. Kneißl wies auch auf ihre jahrzehntelange Erfahrung als Sachverständige und Gutachterin vor Gericht für solche Schäden hin, sowie bei der Sanierung mehrerer Schulen und Kindergärten wegen Schadstoffen.

Weiteres Jahr nicht zu verantworten

Die Nutzung des Kindergartens bis zum Ende des Kindergartenjahres in sechs Wochen könne sie vertreten, die Verantwortung für ein weiteres, ganzes Kindergartenjahr jedoch nicht. Sobald Materialien der Decke oder des Dachs beschädigt oder bewegt würden, sei mit der Verbreitung der Schadstoffe zu rechnen, müssten auch die Handwerker geschützt werden. Ein Sanierungskonzept solle nun entwickelt werden. Eine wirtschaftliche Sanierung des Kindergartens sah die Ortsbaumeisterin nicht, ein Neubau wäre kostengünstiger.

Als Zwischenlösung stellten Hauptamtsleiter Michael Haase und sein Stellvertreter Julian Brandstetter die Gruppe 6 im Kinderhaus Schulstraße als einzigen derzeit freien Gruppenraum in den vier übrigen Kindertagesstätten der Seegemeinde vor. Eine gute Lösung für die Über–Drei–Jährigen aus Kippenhausen und Immenstaad, die auch die Zeit schaffe für eine grundsätzliche Diskussion über einen neuen Kindergarten in Kippenhausen, so der Hauptamtsleiter.

Der Gruppenraum sei für eine altersgemischte Gruppe ausgelegt, mit Ruheraum, Atelier, Werkstatt, Küche und Essbereich, so Haase, eine Betriebserlaubnis daher wohl zeitnah zu erhalten. Kompromisse bei der Nutzung seien notwendig, die anderen fünf Gruppen in der Schulstraße seien Krippenkinder unter drei Jahren.

Mit vier voll belegten Einrichtungen in der Seegemeinde wäre der gesetzliche Auftrag für eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung „auf Kante genäht“, so Haase. Wie ein neuer Kindergarten für Kippenhausen aussehen würde und ob er sich rechnet, sei ad hoc nicht zu beantworten und bedürfe einer grundsätzlichen Planung.

Kämmerer Matthias Herrmann stellte dar, dass bei einer langfristigen Nutzung der Gruppe 6 mit Ü3–Kindern vermutlich bereits ausgezahlte Landeszuschüsse für Krippenkinder in Höhe von 120.000 Euro zurückgezahlt werden müssten.

Zwei Enthaltungen im Ortschaftsrat

Die Ortschaftsräte taten sich schwer in der Diskussion und der Entscheidung gegen ihren Kindergarten. „Nicht glücklich mit dem Zustand“, war Martin Gomeringer, Grüne. „Eine schwierige Diskussion“ fand es Stefan Siebenhaller, CDU. „Die Sicherheit der Kinder steht im Vordergrund, alles andere kommt später“, so die Position von Jürgen Eberle, Freie Wähler.

Fünf von sieben Ortschaftsräten schlossen sich am Ende mehrheitlich dem Beschlussantrag von Ortsvorsteher Martin Frank, CDU, und der Verwaltung an: Der Ortschaftsrat empfiehlt dem Gemeinderat für die Entscheidung am kommenden Montag die Interimslösung mit dem Gruppenraum 6 im Kinderhaus Schulstraße — ab dem neuen Kindergartenjahr im September. Über eine langfristige Lösung für Kippenhausen wird in den kommenden Monaten diskutiert.