Immenstaad

Lateinische Messe musikalisch ins Heute geholt

Immenstaad / Lesedauer: 2 min

In Immenstaad erklingt Peter Schindlers „Missa in Jazz“
Veröffentlicht:30.05.2011, 20:25
Aktualisiert:25.10.2019, 18:00

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„Wunderbar, großartig“, flüstern die Zuhörer, als das Gloria von Peter Schindlers „Missa in Jazz“ mit einem vielfachen ekstatischen Amen zu Ende geht – und noch einmal ist dieser letzte Satz des Gloria zu hören, als Zugabe zu einem hinreißenden Konzert.

Im vergangenen Oktober hat Marita Hasenmüller, Kirchenmusikerin von St. Columban in Friedrichshafen, Peter Schindlers Werk mit dem Jugendchor und dem Jungen Chor aufgeführt und nach seiner begeisterten Aufnahme auch Dr. Brendle, dem Organisator der Immenstaader Konzertreihe, angeboten. Der griff gerne zu, so dass am Sonntagabend auch die Immenstaader Konzertbesucher in den Genuss dieser ungewöhnlichen, aufwühlenden Messe kamen, in der der Komponist gregorianischen Choral, polyphone Fugentechnik, romantische Klangstrukturen wie auch Improvisation und pulsierende Rhythmik des Jazz in einer spannenden Synthese vereint.

Ungeheure Kontraste prägen Peter Schindlers Messe, die nach alter Tradition ganz auf dem lateinischen Text der katholischen Liturgie basiert, ihn aber in diesem Crossover-Projekt mit afrikanischen Trommelrhythmen und Jazz-Balladen in die heutige Musiksprache holt. Hell steht neben Dunkel, leise verhauchendes Piano neben immer höher getriebenem Forte, stille, meditative Passagen neben explosivem, ekstatischem Gesang. Ideal korrespondiert mit den vier- bis sechsstimmigen Chören das Musikertrio mit Saxofon, Piano und Schlagzeug. Das Saxofon dominiert, das Kuno Bucher so souverän einbringt. Stimmungsvolle jazzige Improvisationen wechseln mit notierten Abschnitten, auch beim Schlagzeug, auf dem Harald Fuchsloch immer wieder neue Rhythmen und Klangfarben findet. Auch Roland Klugger am Piano ist in den Instrumentalintermezzi ein Solo vorbehalten, expressiv im Gloria, meditativ in der Einleitung zum Agnus Dei.

Marita Hasenmüller lebt als Dirigentin intensiv das Werk mit, der ganze Körper wiegt sich im Rhythmus, bis ins die Fingerspitzen lockt sie die Stimmungen hervor, die Pianokultur wie die strahlende Leuchtkraft in den Jubelchören, im Kyrie und Gloria. Unwirklich schön beginnt die Messe mit leisen Männerstimmen, hohe Frauenstimmen treten hinzu, bevor der ganze große Chor zusammen einstimmt in das Kyrie – und schon sind wir mittendrin im jazzigen Drive, wiegen uns mit afrikanischen Trommeln, hören das Saxophon improvisieren, das Klavier und Schlagzeug einstimmen. Ob a cappella wie beim Christe eleison oder im vehementen Miteinander mit dem Saxophon im Sanctus, welches atemloses Staunen suggeriert – immer ist man mitten hineingezogen in das Geheimnis, das hier gefeiert wird.