Weiterbau

„Für den Weiterbau der B 31 darf keine isolierte Lösung für Hagnau geben“

Immenstaad / Lesedauer: 6 min

Sport- und Bildungszentrum Immenstaad könnte ein Jahrhundertprojekt werden
Veröffentlicht:29.08.2014, 13:33
Aktualisiert:24.10.2019, 10:00

Von:
Artikel teilen:

An das neue Airbus-Firmenschild im Osten hat man sich in Immenstaad gewöhnt. Die Kreuzung ist im Volksmund aber immer noch nach Dornier benannt, und das Verkehrsschild zeigt nach wie vor in Richtung EADS. Für das neue Montagewerk von MTU in Steigwiesen ist alles parat, aber Rolls Royce hält sich noch bedeckt. Die Warteschliefe für die B 31-neu in Friedrichshafen scheint zu Ende zu gehen, mit der Weiterführung ab Immenstaad-Ost stehen die Planer noch nicht mal in den Startlöchern. Der neue Gemeinderat ist gewählt, aber noch nicht in Amt und Würden. Vieles ist in der Bodenseegemeinde im Fluss. Bürgermeister Jürgen Beisswenger geht im Sommerinterview mit Anton Fuchsloch auf die wichtigsten Themen der Kommunalpolitik ein.

Der Gemeinderat ist neu gewählt. Wie geht es nach der Sommerpause weiter?

Am 15. September werden die ausscheidenden Räte verabschiedet und die neu gewählten verpflichtet. Eine Woche drauf findet die erste reguläre Sitzung statt. An den Kräfteverhältnissen hat sich im Gremium nichts geändert, jede Fraktion hat ein neues Mitglied, Kippenhausen stellt mit vier Räten einen Vertreter mehr als bisher. In dieser Hinsicht ist Kontinuität angesagt. Mir ist vor allem ein gutes, konstruktives Miteinander wichtig. Das hat die vergangene Wahlperiode geprägt, und ich habe keinen Zweifel, dass uns das auch die kommenden fünf Jahre gelingen wird.

Welche Aufgaben stehen für den Gemeinderat an?

Zunächst gilt es, einige Bebauungspläne voranzubringen, einen Nachtragshaushalt auf den Weg zu bringen und uns schnellstmöglich um die Unterbringung von Asylbewerbern zu kümmern.

Vor allem Letzteres dürfte nicht einfach werden.

So wie es in der Welt zugeht, wird die Zahl der Flüchtlinge zunehmen. Mit 13 Asylbewerbern, die wir unter anderem im Bürgerhaus untergebracht haben, haben wir unser Kontingent zwar erfüllt, doch das wird nicht reichen. Die Zuweisungsquote wird sich erhöhen. Wir brauchen geeigneten Wohnraum sowohl für den kurzfristigen Bedarf wie auch mittel- und langfristig. Doch auf dem Wohnungsmarkt geht nichts, und Wohnungen beschlagnahmen wollen wir nicht, das wäre die ultima ratio. Wir prüfen zurzeit Möglichkeiten, wo und wie wir neue Unterkünfte schaffen können. Damit ist es allerdings nicht getan. Wir müssen auch schauen, wie wir diese Menschen in die Gemeinde einbinden.

Was tut sich im Wohnungsbau, gibt es neue Baugebiete, die die Gemeinde erschließen kann?

Leider sieht es da mau aus. Laut Flächennutzungsplan sind wir da ziemlich am Ende. Für die 13 Grundstücke, die wir für Einfamilienhäuser im Baugebiet Stockwiesen ausweisen wollen, werden wir jetzt schon mit Bewerbungen förmlich überrannt. In anderen Bereichen, wie etwa in der Strandbadstraße, wo wir Möglichkeiten sehen, gestaltet sich der Grunderwerb äußerst schwierig.

Wie sieht es im gewerblichen Sektor aus?

Mit Steigwiesen II sind wir planerisch fertig. Hier läuft für die MTU, beziehungsweise Rolls Royce der Countdown. Bis Ende nächsten Jahres hat das Unternehmen die Option, die Fläche im Anschluss ihres Materialwirtschaftszentrums für den Bau einer neuen Produktionshalle zu nutzen. Eine Entscheidung darüber scheint unternehmensintern aber noch nicht gefallen zu sein.

Steigwiesen II soll auch den dort bereits ansässigen Betrieben Erweiterungsmöglichkeiten geben. Zumindest für die Firma Schneider haben sich diese Pläne wohl erledigt?

Den Konkurs dieses Unternehmens mit etwa 60 Mitarbeitern Anfang diesen Jahres bedauere ich außerordentlich. Wie es dort weitergeht, ist unklar. Grundstück und Gebäude haben inzwischen einen neuen Eigentümer. Die Schreinerei Dauwalter bleibt dabei. Sie wartet nur darauf, dass sie erweitern kann.

Die Freien Wähler sind kürzlich mit einem Verschlag vorgeprescht, der Verwaltung und Gemeinderat beschäftigen wird. Statt den in die Jahre gekommenen Kindergarten Seegaddel neu zu bauen, schlagen sie eine Gesamtlösung im Bereich Schule, Linzgauhalle und neuem Kinderhaus vor. Hier soll ja auch eine neue Sporthalle gebaut werden. Wie stehen Sie dazu?

Unter mehreren Optionen, die wir bereits auf dem Tisch haben, hat diese durchaus ihren Charme. Deshalb werden wir sie unter dem Arbeitstitel Sport- und Bildungszentrum Immenstaad aufgreifen und im Gemeinderat diskutieren. Es wäre eine grundlegende neue Weichenstellung, deren Umsetzung mit hohem finanziellen Aufwand verbunden wäre und nur schrittweise erfolgen könnte. Bevor die Sache entscheidungsreif ist und eventuell in einen städtebaulichen Wettbewerb mündet, müssen noch viele Fragen geklärt werden. Für den neuen Gemeinderat wird das jedenfalls eine hoch spannende gestalterische Aufgabe.

Dass es mit dem Neubau der B 31 zwischen Friedrichshafen und Immenstaad endlich konkret wird, ist erfreulich. Doch wie soll es weitergehen, wenn die Bundesstraße 2020 vierspurig am Grenzhof endet und der Verkehr dann auf der bestehenden Trasse fließt – oder steht?

Erst mal ist die Entscheidung, dass der Bund Mittel für den Bau zur Verfügung stellt, gut für die ganze Region. Das Warten hat ein Ende. Endlich geht’s los. Doch es ist nur ein Etappensieg. Jetzt muss zwischen Immenstaad-Ost und Überlingen-West schleunigst weitergeplant werden, wobei es keine isolierte Einzellösung für Hagnau geben darf. Auf der Basis des Planungsfalls 7.5, der bereits grob die Linie festlegt, muss ein regional moderierter Planungsprozess in Gang kommen, damit spätestens bei der Fertigstellung der Häfler Umfahrung klar ist, wie es im Westen weitergeht. Für Immenstaad böte die Weiterführung der B 31 auf einer neuen Trasse, die im Flächennutzungsplan bereits freigehalten ist, die Jahrhundertchance, die Teilung Immenstaads durch die B 31 aufzuheben.

Zügiger als mit dem Verkehrsfluss auf der Straße geht es hoffentlich mit dem Datenfluss in Kippenhausen. Die Internetanbindung sei dort alles andere als gut, ist zu hören. Können Sie den Bewohnern des Teilorts Hoffnung machen?

Durchaus. Die Leitungstrasse ist geklärt und mit der Telekom ist vereinbart, dass bis Frühsommer 2015 die Leitung steht. Die sogenannte Wirtschaftlichkeitslücke der Telekom von 120 000 Euro übernehmen zu je 50 Prozent das Land und wir als Gemeinde.

Was wird aus dem Denkmal für die Hennenschlitter an der alten Musikterrasse?

Als Projekt des Narrenvereins und des Heimatvereins stehen wir dem Vorschlag durchaus positiv gegenüber. Auch die von Esther Seidel präsentierten Entwürfe würden passen. Ich könnte mir vorstellen, dass es ähnlich läuft wie bei der Turmuhr. Die Gemeinde gibt einen Fixbetrag, alles andere wird unter der Regie der beiden Vereine abgewickelt.

Was gibt es Neues vom Kreuz auf dem Hohberg?

Nichts. Das gute Stück – leider illegal und nicht standsicher errichtet - liegt nach wie vor im Bauhof. Sein Erbauer will es offenbar nicht mehr haben. Vonseiten der Kirchen gibt es zwar Signale, aber noch keine konkreten Initiativen, ein neues Gipfelkreuz zu errichten.