Werfthafen

Zukunft der „Österreich“ ist ungewiss

Friedrichshafen / Lesedauer: 5 min

Zukunft der „Österreich“ ist ungewiss
Veröffentlicht:06.01.2014, 18:15
Aktualisiert:24.10.2019, 18:00

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Sie war eines der schönsten und elegantesten Schiffe ihrer Generation. Aber seit dem Saisonende 2009 dümpelt die „Österreich“ im Werfthafen von Fußach einer ungewissen Zukunft entgegen. Um das Schiff wieder flott zu machen, wäre eine vollständige Sanierung der elektrischen Einrichtungen und der Fahrgasträume notwendig. Mehrere private Initiatoren setzen sich für eine Erhaltung der „Österreich“ als einer der letzten Zeugen des Pionierzeitalters der Dieselmotorschiffe auf dem Bodensee ein.

Bislang gibt es dazu jedoch keine konkrete Stellungnahme des derzeitigen Eigentümers, den Vorarlberg-Lines. Dabei hätte es die „Österreich“ durchaus verdient, nicht sang- und klanglos in die Schrottpresse zu wandern. Von den Motorschiffen der ersten Stunde gibt es noch vier Einheiten. Die aus dem Jahre 1925 stammende „Konstanz“ leistet bei der Schifffahrts-Gesellschaft Untersee- und Rhein in gut restauriertem Zustand immer noch ihre Dienste als nostalgisches Ausflugsschiff

Eine neue und originelle Verwendung fand die 1927 erbaute „Höri“, die ab 1964 noch vier Jahre lang als „Überlingen“ verkehrte. Das ehemalige 300-Personen-Schiff liegt seit Jahren als chinesisches Restaurant „Hu-Bien“ auf der Uferböschung des Alten Rheins bei Gaissau.

Ebenfalls trocken liegt beim Landungsplatz am Überlinger Bahnhof Therme die zur „Arche“ gewordene „Mettnau“. Das 1929 gebaute Schiff fand neue Verwendung als Schulungs- und Unterkunftsraum der Segelschule Raschewsky. Die ehemalige „Mettnau“ war bis 1963 überwiegend auf dem Untersee zu Hause.

Von erlesener Eleganz

Mit der von der Schiffswerft in Korneuburg gelieferten „Österreich“ wurde auch im Obersee-Längsverkehr ein neues Zeitalter eingeläutet. Das 54 Meter lange Doppelschrauben-Motorschiff konnte 700 Fahrgäste aufnehmen und wurde am 29. Juli 1928 in Dienst gestellt. Die Fahrgasträume für beide Passagierklassen waren im Schiffsrumpf vor und hinter dem Motorenraum untergebracht. Statt der Bullaugen wie bisher auf den Dampfschiffen wurden gegen Wellenschlag speziell verglaste Aussichtsfenster gewählt. Die Inneneinrichtung der „Österreich“ war von erlesener Eleganz.

Innerhalb weniger Monate etablierte sich das ebenso formschöne wie wirtschaftliche Schiff als Rückgrat des damals ganzjährigen Liniendienstes zwischen Bregenz und Konstanz. Eine erste, indirekte Folge war die Ausmusterung des Dampfers „Feldkirch“ ex „Kaiserin Maria Theresia“ 1932. Um den Fahrkomfort und die Seeeigenschaften zu verbessern, erhielt die „Österreich“ im Winterhalbjahr 1932/33 breitere Seitengalerien und Schlingerkiele angebaut.

Aus für den Fremdenverkehr

Schon 1933 warfen die politischen Umwälzungen in Mitteleuropa ihre ersten Schatten voraus. Nach der am 27. Mai 1933 durch die nationalsozialistische Reichsregierung verhängten Devisensperre, der sogenannten 1000-Mark-Sperre, durften die österreichischen Kursschiffe nur noch zwischen Lindau und Konstanz Fahrgäste an Bord nehmen. Diese Sanktionen, die vor allem den österreichischen Fremdenverkehr zum Erliegen bringen sollten, wurden am 11. Juli 1936 wieder aufgehoben.

Umso erstaunlicher war, dass nach dem sogenannten Anschluss der Republik Österreich an das nationalsozialistische Deutschland im März 1938 der Schiffsname „Österreich“ unangetastet blieb. Nur die rot-weiß-roten Schornsteinringe wurden auf die damals üblichen schwarz-weiß-roten Farben der Reichsbahnschiffe abgeändert. Zusammen mit einem großen Teil der neueren Motorschiffe wurde auch die „Österreich“ nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wegen Treibstoffmangels stillgelegt.

Als sich die Kriegslage ab 1943 verschärfte, verlegte die Marine mehrere Ausbildungs- und Erprobungsstätten an den noch ruhigen Bodensee. Unter der Tarnbezeichnung „Seewerk“ begann sie bei Immenstaad mit der Produktion des ersten, akustischen Torpedos „Zaunkönig“. Für seine Erprobung wurde ein Versuchsschiff benötigt.

Bombenregen knapp entgangen

Im Januar 1944 wurde auf dem Achterdeck ein Torpedo-Rohrsatz aufgebaut und das Schiff außerdem mit leichten Fliegerabwehrkanonen bestückt. Zu diesem Zweck erhielt die „Österreich“ auch den üblichen, dunkelgrauen Tarnanstrich. In der Nacht des 28. April 1944 überstand das vor Anker liegende Schiff um Haaresbreite einen auf den See niedergehenden Bombenteppich britischer Lancaster-Bomber.

Nach dem Einmarsch französischer Truppen setzte die Besatzungsmacht die Versuche mit Torpedos fort. Dabei wurde fast die gesamte Inneneinrichtung demoliert. Erst 1947 wurde das ramponierte Schiff wieder freigegeben und von der „Austria“ nach Bregenz geschleppt.

Über mehrere Jahre blieb das Schicksal des sich in einem desolaten Zustand befindenden Schiffs ungewiss. Als bei einer eingehenden Untersuchung auf der Lindauer Werft keine irreparablen Schäden am Schiffsrumpf festgestellt wurden, beschlossen die Österreichischen Bundesbahnen, das Schiff mit eigenen Mitteln zu erneuern und wieder in Betrieb zu nehmen.

So entstand zwischen 1951 und 1953 ein formschönes, fast als neuwertig zu bezeichnendes Fahrgastschiff für 600 Personen. Das Schiff erhielt neue Aufbauten und einem dem Zeitgeschmack der 1950er Jahre angeglichenen Kamin. Die Fensterfronten am Rumpf wurden durch große Bullaugen ersetzt. Am 25. Juli 1953 nahm das grundlegend modernisierte Schiff wieder Fahrt auf.

Schmuckstück auch nach Umbau

Auch im umgebauten Zustand blieb die „Österreich“ das Schmuckstück. Die Salons auf dem Hauptdeck waren mit viel Liebe in einem besonders ansprechenden Stil ausgestaltet worden. Neben repräsentativen Anlässen wurde die „Österreich“ überwiegend dem Ausflugsverkehr zugeteilt. Den kursmäßigen Liniendienst bewältigten die größeren Schiffe „Austria“ und „Stadt Bregenz“. Erst mit dem Ausscheiden des Salondampfers „Stadt Bregenz“ und der Inbetriebnahme der „Vorarlberg“, war die „Österreich“ ab 1965 vermehrt im Kursverkehr unterwegs.

Seine letzten Einsätze leistete das Schiff als Reserveeinheit in der Saison 2009. Dann wurde es still um den formschönen Oldtimer mit seiner bewegten Geschichte. Der altvertraute Anblick ist seither vom Bodensee verschwunden. Inzwischen hat die vierjährige Liegezeit erste Spuren hinterlassen, wodurch bei einer Wiederinbetriebnahme zusätzliche Kosten entstehen könnten.

Ob sich die Vorarlberg-Lines als Eigentümer des Schiffes bei einer Teilfinanzierung durch private Spendengelder zu einer Renovierung entschließen könnten, bleibt abzuwarten. Das Schicksal des einstigen „weißen Schwans“ der österreichischen Bodenseeflotte mit seinem eleganten Kreuzerheck steht weiterhin in den Sternen.