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Schneechaos in der Region

Wintereinbruch im Bodenseekreis: Feuerwehr rückt zu rund 400 Einsätzen aus

Region / Lesedauer: 4 min

Der erste richtige Schnee bringt einiges durcheinander. Die Bodenseegürtelbahn fährt nicht, Flüge aus Memmingen landen in Friedrichshafen und die Häfler Wehr hat ein Sondereinsatz. 
Veröffentlicht:03.12.2023, 16:27

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Der Schnee hat den Bodenseekreis am Wochenende in eine Winterwunderwelt verwandelt, aber auch den Verkehr auf der Straße, auf der Schiene und in der Luft durcheinandergewirbelt. Bäume stürzten um, die Bodenseegürtelbahn fährt nicht, die Häfler Feuerwehr hatte einen Sondereinsatz und Flüge nach Memmingen landeten in Friedrichshafen.

Ernsthaft verletzt wurde im Bodenseekreis offenbar niemand, so der Stand am Sonntagnachmittag. Das Polizeipräsidium Ravensburg schreibt in einer Mitteilung von insgesamt 17 wetterbedingten Unfällen am Wochenende im Bodenseekreis, bei zwei Unfällen sei je eine Person leicht verletzt worden.

Martin Scheerer vom Kreisfeuerwehrverband berichtet von rund 400 Feuerwehreinsätzen. In den meisten Fällen handelte es sich demnach um umgestürzte Bäume oder gefährlich herabhängende Äste, die beseitigt werden mussten.

Feuerwehr verzeichnet unzählige Einsätze

Die Feuerwehr Friedrichshafen rückte im Stadtgebiet und in den Teilorten bis Sonntagmittag laut Abteilungskommandant David Fischinger zu insgesamt 53 wetterbedingten Einsätzen aus. Dabei mussten die Feuerwehrleute vor allem abgebrochene Äste beiseiteräumen oder Bäume sichern.

Zu einer Vielzahl an kleineren Einsätzen wurde auch die Feuerwehr Tettnang gerufen: Allein mehr als 50 Einsätze waren es laut Kommandant Konrad Wolf in Tettnang bis Sonntagmittag.

Einen besonderen Auftrag erfüllte die Häfler Wehr am Samstag: Sie entfernte Äste und Bäume auf der Bahnstrecke zwischen Friedrichshafen und Bodman-Ludwigshafen. Abteilungskommandant Fischinger berichtet, dass vier Einsatzkräfte und zwei Lokführer in einem Sonderzug unterwegs waren, um die Strecke freizumachen und zu sichern.

„Der Zug fuhr auf Sicht, sodass er vor jedem Hindernis anhalten konnte“, sagt er. Die Feuerwehrleute räumten alle Hindernisse beiseite - insgesamt laut Fischinger 35 Äste und Bäume.

Auto wird zwischen umgestürzten Bäumen eingeklemmt

Martin Scheerer, Sprecher des Kreisfeuerwehrverbands, schreibt in einer Mitteilung von 320 Alarmen zwischen Freitagabend und Sonntagvormittag, die bei der Integrierten Leitstelle Bodensee-Oberschwaben eingingen. „Nicht dazu gezählt wurden die Einsätze, die die Feuerwehren direkt erreichten und in Eigenregie abgearbeitet wurden, so dass man mindestens von einer Einsatzzahl von 400 ausgehen kann.“

Der Bodensee-Airport hat die Wetterlage gut gemeistert,

Mitarbeiter Bodensee-Airport

Die Feuerwehr habe oft über Stunden unter widrigen Wetterbedingungen Verkehrswege gesichert. Straßen durch Waldgebiete mussten aufgrund der Schneebruchgefahr gesperrt werden. Laut Polizei könnten einige Sperrungen noch bis Montag andauern.

In Langenargen wurde am Samstag ein Auto zwischen zwei umgestürzten Bäumen eingesperrt, der Fahrer brachte sich in Sicherheit und die Langenargener Feuerwehr räumte die Straße frei. Scheerer warnt davor, Wälder zu betreten, weil nach wie vor mit herabstürzenden Ästen zu rechnen sei. Außerdem sind die Straßen und Gehwege teilweise glatt. 

Auch auf der Schiene geht nichts mehr

Die Schneemenge machte sich nicht nur auf den Straßen bemerkbar, sondern auch auf der Schiene und im Luftverkehr. Auf der Bodenseegürtelbahn fahren am Sonntag laut DB-App keine Züge - obwohl die Feuerwehr die Strecke am Vortag freigemacht hatte. Der Grund: umgestürzte Bäume auf den Gleisen.

Einen Ersatzverkehr gibt es demnach nicht, weil keine Busse zur Verfügung stehen. Wie lange die Sperrung andauert, ist noch unklar. In der App steht derzeit der Hinweis, dass sie erst am Montagabend beendet sein könnte. Wo die Bäume umstürzten, geht aus der Meldung nicht hervor.

Der Bodensee-Airport war am Samstag als Ausweichmöglichkeit für Flüge gefragt, die eigentlich in Memmingen hätten landen sollen. Der dortige Flughafen hatte aufgrund der Schneefälle vorübergehend den Betrieb eingestellt. Insgesamt wurden fünf Linienflüge und zwei Geschäftsflieger nach Friedrichshafen umgeleitet, wie ein Mitarbeiter der Luftaufsicht berichtet.

Die Passagiere der Linienflüge seien mit Bussen von und nach Memmingen transportiert worden. „Der Bodensee-Airport hat die Wetterlage gut gemeistert“, sagt der Mitarbeiter. „Wir hatten das gut im Griff, es lief alles relativ problemlos ab.“

Mehrere Stromausfälle am Wochenende

An einigen Orten im Kreis fiel zeitweise der Strom aus. Ob das mit der Wetterlage zusammenhängt, steht derzeit noch nicht fest. Weil in Markdorf und Bermatingen am Samstag wiederholt kurzzeitig der Strom weg war, musste laut Scheerer die Feuerwehr ausrücken, weil Aufzüge in Mehrfamilienhäusern stecken geblieben waren. 

Im Bereich von Kau, Langenargen und Kressbronn kam es am Sonntagvormittag ebenfalls zu einem Stromausfall, der etwa von 11 bis 13 Uhr andauerte. Das Regionalwerk Bodensee bemühte sich um eine rasche Behebung, zur Ursache für die Ausfälle konnte das Regionalwerk am Sonntag auf SZ-Nachfrage noch keine Aussage treffen.

Insgesamt scheint sich die Lage am Sonntag zu entspannen. Zwar tröpfelten immer noch Alarme ein, aber deutlich weniger als am Samstag, sagt Kreissprecher Scheerer. Die Häfler Feuerwehr hatte bis Sonntagmittag zwei wetterbedingte Einsätze zu verzeichnen, im Gegensatz zu 18 im gleichen Zeitraum am Vortag.