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Vom Design bis zum Verkauf

Wie baut man ein eigenes Mode-Unternehmen auf? Schüler wagen Experiment

Friedrichshafen / Lesedauer: 5 min

Schüler in Friedrichshafen haben ihre eigenen Kleidungsstücke gestaltet, genäht – und verkaufen sie nun auch. Dabei hatten sie mit einigen Herausforderungen zu kämpfen.
Veröffentlicht:03.10.2023, 19:00

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Was macht Mode nachhaltig? In einem einjährigen Projekt sind Schülerinnen und Schüler des Fachbereichs Modedesign an den Bernd-Blindow-Schulen (BBS) Friedrichshafen genau dem nachgegangen. Vorgestellt haben sie ihre faire Mode nun erstmals beim diesjährigen Schulfest.

Während das Schulfest der Blindow-Schulen am Anfang des Schuljahres einerseits dazu dienen soll, dass sich die Schülerinnen und Schüler der verschiedenen Fachbereiche sowie die Lehrkräfte kennenlernen, stellen sich andererseits die Fachbereiche selbst mit verschiedenen Aktionen und Projekten vor.

Das Berufskolleg Modedesign präsentierte hierzu seine nachhaltige Mode bei einer kleinen Modenschau und erläuterte sein Projekt „faire Mode“ und das dazugehörige Schülerunternehmen „Ninetwentyone“.

Projekt zieht sich durch alle Unterrichtsfächer

Ein ganzes Jahr lang beschäftigte sich die diesjährige Abschlussklasse MD21 mit dem Projekt zum Thema faire Mode. Vorausgegangen war der Wunsch der Schülerinnen und Schüler, tiefere Einblicke in die Existenzgründung eines Unternehmens zu bekommen.

Bei einer Modenschau präsentieren die Schülerinnen und Schüler ihre Kleider.
Bei einer Modenschau präsentieren die Schülerinnen und Schüler ihre Kleider. (Foto: Iris Retzlaff )

Um diesem Wunsch nachzukommen, wurde die Gründung einer Firma für nachhaltige Mode simuliert. „Ninetwentyone“ lautet der Name der Schülerfirma, er basiert auf dem Ausbildungsbeginn der Klasse: September 2021. Das Logo wurde eigens von den Graphikdesign-Schülern der GD21 für sie entworfen.

Das gesamte Jahr hindurch zog sich das Projekt wie ein roter Faden durch alle Unterrichtsfächer. So wurde unter anderem im Fach Wirtschaft und Soziales (WiSo) auf das Thema Firmengründung näher eingegangen, zudem gab es hierzu auch einen Vortrag der IHK.

Alles soll möglichst nachhaltig sein

Um später ihre Modestücke mit ihrem Logo versehen zu können, mussten sich die Schülerinnen in das Siebdruckverfahren einarbeiten. Bis zum perfekten Druck brauchte es allerdings unzählige Probestücke. Und auch der Schnitt der Hose, die genäht werden sollte, war nicht auf die Schnelle entwickelt.

Denn im Namen der Nachhaltigkeit galt es, eine möglichst breite Zielgruppe zu erreichen ‐ das heißt, die Kleidung sollte unisex sein, eine flexible Passform haben, um möglichst allen Körperformen gerecht zu werden, und zeitlos sein.

Über Recovo wurden schließlich Stoffe eingekauft, wobei die Schülerinnen Wert darauf legten, dass es sich ausschließlich um Bio-Baumwolle handelt. Recovo ist ein spanisches Start-up-Unternehmen, welches Stoffreste anderer Firmen weiterverkauft, um Ressourcen einzusparen und Müll zu vermeiden.

Zeit und Geld müssen gemanaget werden

Um die industrielle Fertigung nachzustellen, wurde dann im Team genäht. Jeder Arbeitsschritt, vom Zuschnitt bis zur letzten Naht, wurde unter den Schülerinnen und Schülern aufgeteilt. Dadurch konnte die Arbeitszeit, welche für einen Einzelnen circa fünf Stunden betrage, um die Hälfte reduziert werden.

Doch die Arbeit im Team hatte nicht nur Vorteile bezüglich der Herstellungszeit. Auch, da sind sich die Schülerinnen einig, half es ihnen, verschiedene Arbeitsschritte wie die Nähtechnik besser zu erlernen, genauso wie ihr Zeit- und Geldmanagement zu verbessern.

Eine wichtige Erkenntnis, welche wohl nicht nur den Schülerinnen zuvor nicht wirklich bewusst war, gab es in Hinsicht des endgültigen Preises der Kleidungsstücke.

So mussten sie schnell erkennen, dass der Preis, den sie schließlich, nachdem sowohl Material als auch Arbeitskräfte und -zeit einkalkuliert wurden, veranschlagen müssten, sich in einem Rahmen bewegt, den sich nicht viele leisten können. Um ihre Kleidung erschwinglich zu machen, mussten 30 bis 40 Prozent des Preises abgezogen werden.

Hochwertige Kleidung entsteht

Am Ende waren sowohl ein T-Shirt als auch eine Hose entstanden, welche nicht nur durch ihren Stil, sondern auch ihrer Qualität überzeugen: reißfest, hervorragende Verarbeitung, ein hochwertiger Druck und Langlebigkeit ‐ ganz im Sinne der Nachhaltigkeit.

Beim diesjährigen Schulfest präsentierten sie nun Schülern und Lehrkräften der BBS bei einer kleinen Modenschau ihre Stücke und erläuterten, was hinter dem Projekt „Ninetwentyone“ steckt. Schautafeln vermittelten Informationen über den Ablauf, von der exemplarischen Zielgruppe über die Schnittentwicklung, den Siebdruck und der textilen Kette, bis hin zu was nachhaltige Mode ausmacht. Die Schülerinnen Rosalie Zähringer und Zamira Salihu stellten das Projekt vor und beantworteten Fragen.

Für das Schulfest hatte die Klasse eigens beide Kleidungsstücke in verschiedenen Größen angefertigt, welche nicht nur anprobiert, sondern auch gekauft werden konnten ‐ was großen Anklang bei den Schülern und der Lehrerschaft fand.

Was die Klamotten kosten

Über den Instagram-Kanal von „Ninetwentyone“ bekommt man weitere Einblicke in das Projekt. Zudem können hier, wie auch über das Schulsekretariat der BBS, die nachhaltigen Kleidungsstücke gekauft werden.

Die Hose gibt es für 55 Euro, das T-Shirt für 20 Euro. Der Nachhaltigkeit ist auch geschuldet, dass die Schülerinnen und Schüler nicht auf gut Glück größere Mengen produzieren und einlagern. Die Stücke werden erst nach eingegangener Bestellung produziert.

Wer gern die Arbeiten der Jungdesigner auf dem Laufsteg erleben möchte, der sollte sich schon jetzt den 20. Juli 2024 vormerken. Denn dann findet wieder die Modenschau der Abschlussklasse statt. Und natürlich werden sie auch hier ihre nachhaltige Mode präsentieren.


Weitere Informationen und Verkauf der Kleidung unter

Instagram: ninetwenty.one

BBS Schulsekretariat: 07541 / 50120