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Vierbeiner im Fokus

Wenn der eigene Hund nicht mehr versorgt werden kann, hilft „Silberpfoten“

Friedrichshafen / Lesedauer: 4 min

Für Senioren und ihre Hunde: Verein bietet Hilfe beim Gassi–Gehen oder Futterkauf. Auch über neue Mitglieder in Friedrichshafen würde sich „Silberpfoten“ freuen.
Veröffentlicht:19.06.2023, 05:00

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Der Hund ist der beste Freund des Menschen, so heißt es. Für viele allein lebende Senioren, ist er noch viel mehr. Er ist der unentbehrliche Sozialpartner, der da ist, wenn ein anderer Mensch fehlt. Der Hund ersetzt den Partner oder Kinder und ist ein Garant gegen die Einsamkeit.

Das zunehmende Alter und eine sich verstärkende Immobilität sind jedoch ursächlich dafür, dass einige Senioren die Pflege ihres Hundes nicht mehr allein bewältigen können — und sich von ihrem treuen Freund verabschieden müssen.

Bevor die Tiere ins Heim kommen und die Menschen am Ende allein sind, kommen wir.

Marcel Yousef

Die Folge: Vereinsamung, Trauer und Leid auf beiden Seiten. Um dies zu vermeiden, hilft der Verein „Silberpfoten“. Das Ziel: ein Zusammenleben von Mensch und Hund so lange wie möglich zu garantieren. „Bevor die Tiere ins Heim kommen und die Menschen am Ende allein sind, kommen wir“, sagt Marcel Yousef, Leiter von Silberpfoten und gelernter Tierpfleger.

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Die Dienstleistungen des ehrenamtlichen Vereins sind vielfältig: vom Gassigehen, über die Unterstützung bei der Tierpflege, bis hin zur Futterbeschaffung.

Der Hauptsitz des Vereins ist in Stuttgart. Mit Conni Braun gibt es mittlerweile auch ein Silberpfoten–Mitglied in Friedrichshafen. Sie selbst aber wartet noch auf ihren ersten Einsatz.

Conni Braun hat selbst ein Herz für Hunde

Conni und ihr Chihuahua Luke sind unzertrennlich. Auch deshalb ist es ihr ein Anliegen, Menschen in einer solchen Notlage zu unterstützen. Besonders achten, möchte sie dabei auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Senioren.

„Ich kann mit dem Hund Gassi oder zum Tierarzt gehen. Oder wir könnten einen kleinen Parcours für den Hund in der Wohnung aufbauen — das fördert die Beziehung“, erklärt Conni Braun.

Warum es zwischen Mensch und Hund so gut funktioniert, weiß die ausgebildete Hundetrainerin genau: Es sei die Ähnlichkeit, die verbindet.

„Auch Hunde entwickeln Gefühle wie Traurigkeit, Freude und Liebe“, sagt sie und fügt hinzu: „Ein Hund liebt bedingungslos.“ Gerade für diejenigen, die von anderen Menschen enttäuscht wurden und deshalb zurückgezogen leben, sei ein Hund die beste Therapie, um erneut Vertrauen aufbauen zu können. Für viele Senioren wiederum sei er ein unverzichtbarer Wegbegleiter.

Sympathie ist  ausschlaggebend

Ausschlaggebend für eine gute Zusammenarbeit zwischen Ehrenamtlicher, Senior und Vierbeiner, sei gegenseitige Sympathie und Vertrauen. „Beim ersten Kennenlernen, könnten wir uns an einem neutralen Ort zu einer ersten Gassi–Runde verabreden“, schlägt Conni Braun vor.

Es ist eine Art kostenlose Nachbarschaftshilfe.

Marcel Yousef

Anschließend könnten die Rahmenbedingungen abgesteckt werden. Sowohl Marcel Yousef als auch Conni Braun betonen, dass es keinesfalls darum gehe, einem hilfsbedürftigen Menschen den geliebten Vierbeiner wegzunehmen.

Das Gegenteil sei der Fall, denn durch ihre Hilfe könne das Tier bei seiner Bezugsperson bleiben. „Es ist eine Art kostenlose Nachbarschaftshilfe für Senioren und ihre Tiere“, erklärt der Silberpfoten–Gründer.

Gegenseitiger Respekt ist wichtig

Die Bereitschaft zu helfen und die Freude an Mensch und Tier seien das Wichtigste, sagt Yousef. Die Ehrenamtlichen müssen außerdem volljährig sein.

Wichtig sei auch, dass beide Seiten ihre Rollen kennen. Für die Senioren bedeutet dies: Sie sind die Profis ihres Schützlings, die den Ehrenamtlichen an die Hand nehmen dürfen und sollen.

Sie müssen schauen, ob das Halsband richtig sitzt. Falls der Hund Leckerlis bekäme, müssen diese vom Hundebesitzer mitgegeben werden. „Natürlich darf sich der Senior auch gerne mal mit einem Kaffee bei seinem Helfer bedanken“, sagt Marcel Yousef lächelnd.

Auf der anderen Seite stehen die Ehrenamtlichen. Verlässlichkeit, Geduld und Verständnis seien hier unerlässliche Charaktereigenschaften. „Manchmal dauert es länger, bis die Tür aufgeht. Und ab und an haben die Senioren auch ein bisschen Redebedarf“, erklärt Yousef.

Conni Braun hofft auf ihre erste Anfrage

Über 4000 ehrenamtliche Helfer seien für den 2014 gegründeten Verein im Einsatz. In Friedrichshafen jedoch ist Conni Braun aktuell das einzige Mitglied.

Deshalb hofft sie auf Unterstützung. Wer gerne helfen möchte, kann sich auf der Homepage des Vereins und über ein Anmeldeformular registrieren lassen.

„Ich könnte den neuen Ehrenamtlichen auch ein paar Tools an die Hand geben. Eigene Erfahrung mit Hunden, sollten sie aber schon mitbringen“, findet das Silberpfoten–Mitglied.


Wer die Hilfe von Silberpfoten in Anspruch nehmen oder sich selbst ehrenamtlich engagieren möchte, dem stehen folgende Kontaktmöglichkeiten zur Verfügung:

Online über:  silberpfoten.de

Telefonisch unter: 0170 2405982

Oder direkt mit einer E–Mail an Conni Braun: [email protected]