StartseiteRegionalBodenseeFriedrichshafenWenige Unterschriften, wenig inhaltliche Tiefe, wenig Lust auf Entwicklung: Mediokres Aufgespießt

Bürgerentscheid

Wenige Unterschriften, wenig inhaltliche Tiefe, wenig Lust auf Entwicklung: Mediokres Aufgespießt

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Die Samstagskolumne der „Schwäbischen Zeitung“ dreht sich diesmal um die Merglen-Schule, den Wahlkampf in Kressbronn und den BUND. Und Gott sei Dank auch um Fußball.
Veröffentlicht:01.10.2022, 08:00

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Bekommt Friedrichshafen nach langer Zeit wieder einen Bürgerentscheid? Aktuell sieht es eher nicht so aus. Dem Bürgerbegehren, mit dem die Entscheidung zum Neubau der Merglen-Schule gekippt werden soll, fehlen viele Unterschriften. Und das weniger als einen Monat vor Fristende. Die Spießgesellen wundern sich. Mobilisierten Gegner des Schulneubaus beim Friedhof für die entscheidenden Gemeinderatssitzung Ende Juli doch eine Vielzahl an Menschen als Zuschauer.

Fast hätte man damals den Eindruck gewinnen können, der Rat überstimme mit seinem Beschluss den Willen der Mehrheit der Bevölkerung. Sollte es diese Mehrheit in Friedrichshafen nun so gar nicht geben? Oder halten vielleicht doch mehr Häfler als gedacht einen Neubau auf der grünen Wiese für gar keine so schlechte Idee?

Wählen gehen ist immer eine gute Idee

Eine gute Idee wäre es, am Sonntag, 9. Oktober, in Kressbronn zur Wahl zu gehen. Zwar wunderten sich einige Kressbronner bei der Kandidatenvorstellung, wie wenig sich Jörg Geffken, Gegenkandidat des amtierenden Bürgermeisters Daniel Enzensperger, auf den Ort und seine Themen vorbereitet hatte, entschieden ist damit aber gar nichts.

Geffken hat andere Schwerpunkte gesetzt. Wer eine echte Wahl in Kressbronn will, muss auch wählen gehen. Die Briefwahlbeteiligung ist gering, wie man hört. Das sollte die Wahlbeteiligung am Sonntag nicht sein. Nur so wären Überraschungen gleich welcher Art zu vermeiden.

Fledermäuse statt Wohnungen

Ums Vermeiden (oder besser gesagt: ums Verhindern) geht es offenkundig auch dem BUND. Keine B31-neu, kein Hotel mit Zugang für alle in Fischbach, keine neuen Wohnungen auf dem Hüni-Areal.... Jetzt soll der Fallenbrunnen, größtes und wichtigstes Entwicklungsgebiet der Stadt unter Naturschutz gestellt werden.

Fledermäuse statt Wohnungen, Unken statt Start-ups. Bitte nicht falsch verstehen: Niemand, der bei Trost ist, will alles abholzen. Aber wenn sich eine Stadt jeglicher Entwicklungsmöglichkeit beraubt, dann ist sie sehr bald sehr tot.

Bei der Gelegenheit wird dann sehr schnell über die Grenzen des Wachstums im Allgemeinen gesprochen und im Speziellen angemerkt, dass doch nicht alle unbedingt an die See ziehen müssten. Ein unsoziales Argument. Selbst in einer der attraktivsten Regionen Deutschlands leben, aber anderen den Zugang verwehren: Geht gar nicht!

Fußball zum Ausklang

Was viele Fußballfans freuen dürfte: Anfang Dezember werden Europas beste Nachwuchsteams endlich wieder an den Bodensee kommen, um sich beim MTU-Hallencup zu messen. Zweimal musste die inoffizielle „Champions League der U 15“ coronabedingt pausieren. Weil auch noch die ZF-Arena schließen musste, soll das Spektakel nun in der Messe stattfinden.

175 000 Euro lässt die Stadt dafür springen. Einmalig, so der Beschluss. Langfristig gesichert wird der Fortbestand dieses Hightlights dadurch nicht. Wie sieht die Perspektive ab 2023 aus? Dass bis in einem Jahr eine neue Halle aus dem Boden gewachsen ist, glauben wir irgendwie nicht so recht.