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Mitgliederversammlung

Warum sich EnBW-Chef Schell ehrenamtlich für die Zeppelin-Uni stark macht

Friedrichshafen / Lesedauer: 5 min

„Das ist eine Frage der Priorisierung und der Haltung“, sagt der Top-Manager über sein Ehrenamt. Als Vereinschef fördert er studentische Projekte mit 40.000 Euro im Jahr.
Veröffentlicht:26.11.2023, 15:00

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Dass sich ein Topmanager aktiv in einem gemeinnützigen Förderverein engagiert, ist nicht alltäglich. Andreas Schell, Vorstandsvorsitzender des Energie-Konzerns EnBW, macht das - für die Zeppelin-Universitätsgesellschaft. Im Interview spricht er über seine Motivation - kurz nachdem er von der Mitgliederversammlung einmütig in seinem Amt als ZUG-Vorsitzender bestätigt worden ist.

Energiewende und Atomausstieg, Strompreisbremse und Aufsichtsgremien voller Politiker unterschiedlichster Couleur - Ihr Job als EnBW-Chef klingt mehr als fordernd. Trotzdem engagieren Sie sich weiterhin ehrenamtlich als Vorsitzender der Zeppelin-Universitätsgesellschaft (ZUG). Warum?

Die kurze Antwort lautet: Weil ich es unglaublich gern mache.

Und die lange?

Für mich ist das eine Frage der Priorisierung und eine Frage der Haltung. Ich erlebe im Alltag viele Menschen, die Verantwortung am liebsten an andere delegieren. Wir brauchen aber die, die auch selbst Verantwortung übernehmen und nicht alles wegschieben. Dazu gehört meiner Meinung nach auch ehrenamtliches Engagement. Dazu kommt, dass ich hier bei der ZUG Fähigkeiten aus meinem beruflichen Alltag einbringen kann: prozessuales Denken und Führungserfahrung beispielsweise. Schließlich profitiert der Verein ganz praktisch auch von der beruflichen Position vieler Vorstandsmitglieder. Ich bin ja schon ein wenig herumgekommen in der Welt. Vom Gedanken der Gemeinnützigkeit, der auch der ZUG zugrunde liegt, profitiert die Gesellschaft. Das gibt es in vielen anderen Ländern in der Form nicht. Ich möchte fast von einem Stück deutschen Kulturguts sprechen.

Ihr Engagement bei der ZUG rührt aus Ihrer Zeit bei Rolls-Royce Power Systems. Richtig?

Klar. Schon mein Vorgänger bei Power Systems war auch ZUG-Vorsitzender. Ich glaube, dass das von mir als Vorstandsvorsitzendem damals ein bisschen erwartet worden ist, dass ich diese Rolle auch übernehme.

Sie sind eben im Amt bestätigt worden, haben aber angekündigt, nur noch ein Jahr als ZUG-Chef zur Verfügung zu stehen. Warum?

Ich denke, dass der Posten dauerhaft schon von einem Vertreter oder einer Vertreterin der heimischen Wirtschaft bekleidet werden wollte. Ich bin jetzt nochmal angetreten, um eine geordnete Nachfolgeregelung zu finden.

Haben Sie eigentlich weiterhin einen Wohnsitz in Friedrichshafen? Die Zentrale der EnBW sitzt ja in Stuttgart und Karlsruhe.

Ich bin der Stadt Friedrichshafen und der Bodenseeregion weiterhin eng verbunden.

Ein Dauerthema in Friedrichshafen ist das oft schwierige Verhältnis zwischen der Zeppelin-Universität, der Stadt und ihrer Bürgerschaft. Wie beurteilen Sie den Status Quo?

Unser Verein, die ZUG, hat den klaren Auftrag, der so auch in unserer Satzung steht, die Stadt, die Menschen und die Uni näher zueinander zu bringen. Bei all unseren Überlegungen und Förderaktivitäten steht dieser Gedanke ganz oben. Klar ist, dass die Uni die Stadt schmückt. Klar ist aber auch, dass die ZU finanzielle Unterstützung von der Kommune braucht. Für beide Seiten kein einfaches Thema. Diese wechselseitige Beziehung immer wieder auszuloten und zu überlegen, wie man sie verbessern kann, das ist und bleibt unsere gemeinsame Aufgabe.

Versammlung am Mittwochabend

Kontinuität an der Spitze, eine moderate Erhöhung der Mitgliedsbeiträge und spannende Einblicke von ZU-Präsident Klaus Mühlhahn standen im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung der Zeppelin-Universitätsgesellschaft am Mittwochabend. Vorsitzender der ZUG bleibt Andreas Schell, Vorstandsvorsitzender der EnBW.

Studentische Projekte und Initiativen fördern, Stadt und Zeppelin-Universität näher zusammenbringen - diese Ziele hat sich der Verein auf die Fahnen geschrieben. 148 Einzelmitglieder und 29 Firmen stehen hinter diesem Vorhaben und sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass die ZUG derzeit Jahr für Jahr rund 40.000 Euro Fördergeld bewilligen kann. Insgesamt sind seit der Gründung des Vereins im Jahr 2006 rund 660.000 Euro ausgeschüttet worden.

Beiträge erhöht

Die Einnahmen der ZUG kommen aus Spenden, dem alljährlichen ZUG-Dinner und Mitgliedsbeiträgen. Um den eigenen Handlungsspielraum zu vergrößern, sind Letztere bei der Mitgliederversammlung im Fränkel-Kochstudio leicht erhöht worden. 70 Euro (und damit zehn Euro mehr als bisher) zahlen Einzelmitglieder jetzt im Jahr, Firmen je nach Größe zwischen 350 und 500 Euro. Die anwesenden Mitglieder billigten den entsprechenden Vorschlag des Vorstands ohne Gegenstimme.

Harmonisch verlief auch die turnusgemäße Wahl des Leitungsteams. Andreas Schell wurde im Amt bestätigt, seine Stellvertreter sind Thomas Brandt und Thelse Godewerth. Geschäftsführerin bleibt Sandra Laßmann. Die Kasse führt weiterhin Walter Ege, Schriftführer ist Philipp Gotterbarm.

Reakkreditierungsverfahren läuft

ZU-Präsident Klaus Mühlhahn gab einen kurzen Abriss über die aktuellen Themen an der privaten Hochschule. Nach der Coronaphase laufen demnach Bürger-Uni und Studium generale wieder in vollem Umfang. Viel Kraft binde das sogenannte staatliche Reakkreditierungsverfahren, an dessen Ende im kommenden Jahr unter anderem die Erneuerung des Rechts, Doktortitel zu vergeben, stehen soll.

„Das ist für uns ein sehr wichtiges Projekt“, sagte Mühlhahn. So habe man die Drittmitteleinwerbung gesteigert, ebenso Zahl und Qualität der wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Als einzige deutsche Privathochschule habe sich die ZU an der Exzellenz-Initiative des Bundes beteiligt.

Studienprogramme in Englisch

Mühlhahn kündigte an, den Bereich der Weiterbildung weiter im Blick zu behalten und die ZU internationaler zu machen. So würden bald die ersten Studienprogramme komplett in englischer Sprache laufen. Bei der ZUG bedankte sich der Unipräsident ausdrücklich für die Unterstützung. „Ihr Engagement schafft Möglichkeiten, dir wir sonst nicht hätten. Diese Projekte und Initiativen finden sie an anderen Universitäten in der Form nicht.“

Zum Abschluss der Versammlung stellten sich zwei der geförderten Initiativen den ZUG-Mitgliedern vor: das alljährliche Kulturspektakel „See-Kult“ und die „Female Founders Night“, die die Gründerszene weiblicher und diverser machen will und in diesem Jahr drei Veranstaltungen auf die Beine gestellt hat - in London, Barcelona und Friedrichshafen.