Führerschein

Warum Fahrschüler am Bodensee häufiger durch die Prüfung rasseln

Region Bodensee / Lesedauer: 4 min

Deutschlandweit steigt die Zahl der nicht bestandenen Fahrprüfungen. Fahrlehrer im Bodenseekreis und im Kreis Lindau liefern Erklärungen für diesen Negativtrend.
Veröffentlicht:25.01.2023, 19:00

Von:
Artikel teilen:

„Fahren Sie bitte da vorne rechts ran.“ - Wer diesen Satz während seiner Fahrprüfung hört, darf die nervenaufreibende Fahrt meist noch einmal antreten.

Erst kürzlich hat der TÜV unter Berufung auf Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes mitgeteilt, dass die Durchfallquote bei Fahrprüfungen deutschlandweit weiter ansteigt. Das gilt auch für die Bodensee-Region. Fahrlehrer aus dem Bodenseekreis und dem Landkreis Lindau sehen mehrere Gründe für diesen Negativtrend.

„Als ich den Führerschein gemacht habe, lief die Prüfung noch anders“, erklärt Uwe Waldmann von der Fahrschule Wiener. 1995 hat er die Fahrschule gegründet, die mittlerweile Zweigstellen in Friedrichshafen und Tettnang hat.

Mit nervösen Prüflingen hat er dementsprechend schon länger zu tun und erkennt die Veränderung in den Prüfungssituationen. „Der Verkehr hat sich gewandelt und die Anforderungen sind gestiegen“, so Uwe Waldmann.

Digitale Hilfsmittel

Dabei kommt auch die moderne Technik ins Spiel. Heute würden die Prüfer jeden Fahrfehler digital erfassen, bis eine gewisse Grenze erreicht ist, der Bildschirm rot aufleuchtet und die Prüfung abgebrochen wird. Raum für Ermessensentscheidungen lassen die technischen Hilfsmittel daher kaum zu.

Während der Corona-Pandemie hat die Konzentrationsfähigkeit abgenommen.

Uwe Waldmann, Fahrschule Wiener

Allerdings haben sich nicht nur Verkehr und Prüfungssituation verändert. Auch Fahrschüler bringen andere Voraussetzungen mit. „Während der Corona-Pandemie hat die Konzentrationsfähigkeit abgenommen. Die Menschen sind dadurch weniger belastbar“, so Uwe Waldmann.

Durch längere Prüfungszeiten - 55 statt früher 45 Minuten - wird den unerfahrenen Verkehrsteilnehmern allerdings gleichzeitig mehr Konzentration abverlangt.

Negativtrend setzt sich fort

Der Anteil der Fahrschüler, die die praktische Prüfung nicht bestehen, ist in den vergangenen Jahren deutschlandweit gestiegen. Auch für den Süden Deutschlands sprechen die Statistiken des Kraftfahrtbundesamtes eine klare Sprache.

In Baden-Württemberg lag der Anteil der nicht bestandenen Prüfungen 2017 noch bei 24,1 Prozent, 2021 schon bei 26,7 Prozent. In Bayern stieg die Durchfallquote zwischen 2017 und 2021 von 25,4 auf 26 Prozent.

Auch Norbert Trenkle von der Academy Fahrschule Trenkle in Lindau sieht den Grund für diese Entwicklung in den gestiegenen Anforderungen. Doch obwohl die Voraussetzungen nicht mehr mit denen von vor zehn oder 15 Jahren vergleichbar seien, würden die Praxisprüfungen in seiner Fahrschule zum großen Teil erfolgreich laufen. Zunehmende Schwierigkeiten hätten seine Fahrschüler allerdings bei der Theorieprüfung.

Die aktuellen Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes aus dem Jahr 2021 bestätigen diese Beobachtung. Die Quote der nicht bestandenen theoretischen Prüfungen lag zuletzt mit 36,4 Prozent in Bayern und 38,5 Prozent in Baden-Württemberg deutlich über der Durchfallquote in der Praxisprüfung.

Lernen lohnt sich

Norbert Trekle zufolge haben die Jugendlichen heute ein anderes Lernverhalten. Sie nehmen sich nicht genug Zeit, um die Theorie zu verinnerlichen. „Die theoretische Prüfung ist sehr aufwendig. Häufig kommen die Schüler nur auf 50 oder 60 Prozent Lernstand“, so der Fahrlehrer. Das schlage sich dann auch in den Prüfungsergebnissen nieder.

Druck aus London

MTU in Friedrichshafen könnte vom Konzern ausgequetscht werden

qFriedrichshafen

Landschaftstreffen

Närrische Welt kommt zum Umzug nach Tettnang

qTettnang

Für die beiden Fahrlehrer aus Friedrichshafen und Lindau hat in den vergangenen Jahren noch ein zusätzlicher Faktor an Bedeutung gewonnen - die Zuwanderung. Menschen aus Nicht-EU-Staaten müssen ihre Führerscheine in Deutschland umschreiben lassen und in manchen Fällen erneut Fahrprüfungen ablegen. Die sogenannten Umschreiber belegen allerdings selten erneut einen Theoriekurs in der Fahrschule. Uwe Waldmann zufolge rächt sich das häufig in der Prüfung.

Statistiken malen ein trügerisches Bild

Im Praxisteil sind es dann vor allem Sprachbarrieren, die alle Beteiligten auf die Probe stellen. „Die praktische Fahrprüfung darf nur auf Deutsch stattfinden“, erklärt der Häfler Fahrlehrer. Für Zuwanderer ergibt sich dadurch eine zusätzliche Hürde.

Zwar müssen Fahrschüler einen gewissen Wortschatz beherrschen, bevor sie überhaupt mit den Fahrstunden beginnen dürfen. Das Niveau reiche Uwe Waldmann zufolge trotzdem nicht immer für reibungslose Prüfungen. „Bei der Durchfallquote fallen Umschreiber richtig ins Gewicht“, berichtet er.

Deshalb rät der Fahrlehrer auch, die kursierenden Statistiken mit Vorsicht zu genießen. Die Durchfallquote hängt heute von vielzähligen Faktoren ab - neben der Herkunft übrigens auch von dem Verkehrsaufkommen im jeweiligen Prüfungsgebiet. In Großstädten sei die Situation noch einmal schwieriger als in den ländlichen Gebieten am See.