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Neue Heizungen und Gebäudesanierungen

Wärmeplan: Fünf Fakten, die Hausbesitzer in Friedrichshafen wissen sollten

Friedrichshafen / Lesedauer: 5 min

Bei einer Info-Veranstaltung zur kommunalen Wärmeplanung gab es viele Fragen – und Antworten. Schwäbische.de stellt die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.
Veröffentlicht:07.12.2023, 17:45

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Wie wird in Friedrichshafen künftig geheizt? Vor dem Hintergrund, dass die Wärmeversorgung in ganz Baden-Württemberg bis zum Jahr 2040 klimaneutral werden soll, ist diese Frage alles andere als trivial. Kommunen müssen deshalb eine Wärmeplanung erarbeiten und daraus Maßnahmen ableiten.

Fest steht: Für die vielbeschworene „Wärmewende“ müssen Stadt und Stadtwerk am See viel investieren. Aber auch viele Hausbesitzer müssen wohl Geld in die Hand nehmen - sei es für die energetische Sanierung ihrer Gebäude oder für eine neue Heizung.

Um über das Prozedere und den Zeitplan aufzuklären - aber auch um den Bürgerinnen und Bürgern Sorgen zu nehmen, hat die Stadtverwaltung am Mittwochabend eine Info-Veranstaltung zur kommunalen Wärmeplanung angeboten. Rund 60 Häfler folgten der Einladung ins Graf-Zeppelin-Haus.

Einen Überblick über das Thema gaben Stefanie Fritz vom Amt für Stadtplanung und Umwelt, Andreas Bachmaier vom Stadtwerk am See, Michael Maucher von der Energieagentur Ravensburg sowie Alfred Keller von der Kreishandwerkerschaft Bodenseekreis. Im Anschluss standen sie Rede und Antwort. Die „Schwäbische Zeitung“ fasst fünf wichtige Erkenntnisse des Abends zusammen.

1. Es gibt nicht die eine Lösung für alle Eigentümer.

Die Wärmepumpe war in den vergangenen Monaten in aller Munde. Ist sie deshalb die Universallösung für alle Hausbesitzer? Wie Alfred Keller von der Kreishandwerkerschaft erläuterte, gelte es immer, individuell zu prüfen, welche Heizung am besten ins Gebäude passt. Viele Eigentümer hätten zum Beispiel inzwischen eine Solaranlage auf dem Dach, mit der eine Stromdirektheizung sinnvoll sein könnte.

So sieht laut Stadtwerk am See aktuell der Wärmebedarf aller Gebäude in den gekennzeichneten Stadtteilen in Friedrichshafen aus – die Industrie ausgenommen. Einen hohen Wärmebedarf haben beispielsweise Gebiete mit einer hohen Bebauungsdichte und älterer Bausubstanz.
So sieht laut Stadtwerk am See aktuell der Wärmebedarf aller Gebäude in den gekennzeichneten Stadtteilen in Friedrichshafen aus – die Industrie ausgenommen. Einen hohen Wärmebedarf haben beispielsweise Gebiete mit einer hohen Bebauungsdichte und älterer Bausubstanz. (Foto: Marcus Fey)

Auch das Heizen mit Biomasse - also beispielsweise Holzpellets - sei möglich. Wenig realistisch ist laut Keller der Einsatz von Wasserstoff. Dieser würde eher in Bereichen der Industrie zum Einsatz kommen und in der Wohnraumwärme wohl eine sehr untergeordnete Rolle spielen. „Da gibt es eine klare Priorisierung“, sagte er.

2. In der Sanierung von Gebäuden steckt viel Potenzial.

Für das Klimaziel müssen nicht nur erneuerbare Energien aufgebaut werden - auch das Einsparen von Energie ist zentral. Alfred Keller machte sich deshalb dafür stark, dass Gebäudebesitzer ihren Bestand mithilfe von Handwerksexperten prüfen sollen.

Durch die Optimierung bestehender Heizungsanlagen, aber auch durch Sanierungen am Haus könne viel Energie gespart werden. Sind an der Anlage die richtigen Parameter eingestellt? Sind die Rohrleitungen gedämmt? Mit solchen Anpassungen sei zum Teil eine Energieersparnis von 10 bis 15 Prozent möglich.

Aber: Sanierungen können auch ganz schön ins Geld gehen. Eine Dachsanierung bei seinem Gebäude könne mit PV-Anlage schnell 100.000 Euro kosten, rechnete ein Bürger in der Fragerunde vor. Alfred Keller wies auch hier darauf hin, dass es immer mehrere Lösungen gebe und man individuell nach der besten suchen müsse.

Und Stefanie Fritz fügte an, dass man in der Stadtverwaltung gerade prüfe, wie Gebäudesanierung noch stärker finanziell gefördert werden kann - auch um die derzeit noch niedrige Sanierungsquote „hochzubekommen“, wie sie sagte.

3. Es gibt Fördermöglichkeiten - doch die haben Grenzen.

Fördermittel gibt es auch für all jene, die eine neue Heizung in ihr Gebäude einbauen lassen, wie Michael Maucher von der Energieagentur erläuterte. Für den Umstieg sei eine Grundförderung von 30 Prozent der Kosten möglich. Zusätzlich gibt es einen sogenannten „Geschwindigkeitsbonus“ in Höhe von 25 Prozent für alle, die bis Ende 2024 auf eine Lösung aus erneuerbaren Energien umsteigen.

Hausbesitzer mit einem kleineren Geldbeutel, die ihr Eigentum selbst nutzen, haben sogar noch eine dritte Möglichkeit. Haben sie ein zu versteuerndes Gesamteinkommen unter 40.000 Euro pro Jahr, bekommen sie den „einkommensabhängigen Bonus“ in Höhe von 30 Prozent.

Theoretisch seien also bis zu 70 Prozent Gesamtförderung möglich, sagte Maucher. Aber: Es gelten Höchstgrenzen. Die förderfähigen Kosten liegen bei maximal 30.000 Euro für die erste Wohneinheit. Und besitzt jemand mehrere Wohnungen, sinken die förderfähigen Kosten auf 15.000 Euro für die zweite bis sechste Wohneinheit und auf 8000 Euro für die siebte und jede weitere Wohneinheit.

4. Das Thema Wärmenetze sorgt für viele Fragen.

Wie Andreas Bachmaier vom Stadtwerk am See darlegte, soll die dicht besiedelte Kernstadt künftig vor allem durch Wärmenetze, wie es sie zum Beispiel schon in der Nordstadt gibt, versorgt werden. Hierfür sollen Netze neu gebaut oder bestehende erweitert werden. Zu diesem Thema hatten die Bürger viele Fragen. Ein Mann wollte wissen, ob er gezwungen sei, sein Haus daran anzuschließen, sobald ein Wärmenetz vorhanden ist. Eine solche Pflicht bestehe nicht, antwortete Bachmaier.

Eine Frau fragte, ob Gebäude bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen, um angeschlossen zu werden - beispielsweise hinsichtlich ihrer Energieeffizienz. Auch das ist laut Bachmaier nicht vorgeschrieben.

Ein weiterer Herr wollte wissen, ob es beim Wärmenetz, ähnlich wie beim Gas, in Zukunft auch einen Wettbewerb verschiedener Anbieter und die freie Wahl der Kunden geben werde. Beim Wärmenetz sei man an das Stadtwerk gebunden, sagte Andreas Bachmaier. Allerdings werde transparent offengelegt, welche Energieträger im Netz zum Einsatz kommen - und wie sich der Preis zusammensetzt.

5. Der See nimmt künftig eine wichtige Rolle ein.

Auf dem Weg zu einem klimaneutralen Friedrichshafen lautet offenbar ein Zauberwort „Seethermie“. 25 Prozent der Stadtversorgung sollen mit dieser Technik erfolgen.Mit der Seethermie wird dank der Temperaturunterschiede im Bodensee-Wasser und mit Hilfe von Wärmetauschern Wärme-Energie gewonnen. Am Seemooser Horn, beim Wasserwerk am Strandbad und am Hinteren Hafen sollen hierfür sogenannte Heizzentralen entstehen.

Aktuell im Einsatz ist Seethermie in Friedrichshafen und Umgebung noch nicht. Deshalb wollte ein Zuhörer wissen, ob sich die Technik überhaupt schon als sinnvoll behauptet habe. „Ja, das gibt es schon“, sagte Andreas Bachmaier vom Stadtwerk. In der Schweiz beispielsweise seien schon zahlreiche Seethermie-Projekte vorhanden. Es sei eine „erprobte“ Technik, so Bachmaier.