Patientensicherheit

Vom OP-Saal zu den Ärmsten Tansanias

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Nach Paukenschlag-Kündigung am Häfler Klinikum: Dietmar Craß engagiert sich für Hilfsprojekt „Feuerkinder“
Veröffentlicht:31.03.2016, 15:49
Aktualisiert:23.10.2019, 17:00

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Ende 2015 hat Dietmar Craß wegen „Gefährdung der Patientensicherheit“ seine Stelle als Zentrumsdirektor am Häfler Klinikum gekündigt, jetzt hilft der Anästhesist und Notfallmediziner mit, in Tansania in einer kleinen Missionsstation zwei OP-Säle aufzubauen.

Tansania zählt zu den ärmsten Ländern der Welt, die medizinische Grundversorgung ist für das afrikanische Land ist ein schier unlösbares Problem. In der Station sollen ab Juni innerhalb des Projekts „Klumpfuß Feuerkinder“ Kinder mit Klumpfüßchen und Verbrennungsnarben operiert werden.

Bei Dietmar Craß, dessen Kündigung am Medizin Campus Bodensee für gehörig Wirbel gesorgt hat, hat sich inzwischen „vieles bewegt“. Er hat eine neue Stelle gefunden. Der in Tettnang wohnende Arzt wird ab April in einer Privatklinik tätig sein. Sein dortig zeitlich beschränktes Engagement verschafft ihm Freiraum, den er in das Hilfsprojekt in Tansania investieren will. „Ich habe gezielt einen Drei-Tage-Job gesucht, um mich einem sozialen Projekt widmen zu können“, sagt Craß im SZ-Gespräch. „Ein Projekt in Afrika ist seit Jahren unserer gemeinsames Ziel.“ Der Arzt und seine Ehefrau, einer Intensivkrankenschwester, sind dabei, den „langgehegten Wunsch“ umzusetzen.

Kostenlose Behandlung

Im Februar kam Craß von einer vierzehntägigen Reise aus dem afrikanischen Staat zurück. Reiseziel war eine kleine Missionsstation (Mission Ifunda) im Süden von Tansania. Sie liegt weit abseits jeglicher Tourismuspfade. „In der Station werden die Armen kostenlos behandelt. Bisher fanden dort keine Operationen statt, sondern die Kinder mit Klumpfüßchen oder mit Verbrennungsnarben mussten über 1000 Kilometer in den Norden von Tansania, um dort operiert zu werden“, erklärt der Arzt. Die bisherige Situation wird sich ändern: „Wir haben in der Missionsstation zwei OP-Säle gebaut, in denen ab Juni erstmals diese Kinder operiert werden können“, erzählt Dietmar Craß. Konkret: „Im Juni werden wir mit zwei kompletten OP-Teams nach Ifunda fliegen und dort über 14 Tage insbesondere Kinder operieren.“

Das Team besteht aus deutschen, schweizer und österreichischen Ärzten und Schwestern. Bei jüngsten Tansania-Aufenthalt hatte Craß die Aufgabe, die vorhandene Ausstattung im OP auszuloten. „Dies war stellenweise ernüchternd, denn es sind zwar Narkosegeräte aus den 80er Jahren vor Ort, aber an den Maschinen fehlen Teile beziehungsweise die Sauerstoffanschlüsse passen nicht zusammen, so dass diese Geräte völlig unbrauchbar sind.“ Trotz marginalem Internet hatte Craß von Tansania aus Kontakt mit deutschen Medizintechnikern. „Die ersten Geräte sind wieder funktionsfähig.“ Dennoch fehlen einige anästhesiologische und chirurgische Geräte, die Craß und seine Kollegen noch beschaffen müssen. „Ich bin aber zuversichtlich, dass wir bis zum Juni das erforderliche Equipment zusammen haben werden“, erklärt Craß.

Hinter dem Projekt „Klumpfuss Feuerkinder“ stecken Monika Blaser und ihr Mann Horst aus Bad Waldsee. Das Ehepaar engagiert sich seit 1998 für Feuer- und Klumpfußkinder in Tansania. Sie kümmern sich um sogenannte „handicapped children“ aus den ärmsten Familien und sorgen mittels Spendengelder für den Transport der Kinder aus den südwestlichen Buschregionen in das 960 Kilometer Nkoaranga Hospital. Operative Behandlungen von angeborenen Klumpfüßen sowie schwere Knochenverbiegungen durch Mangel- oder Fehlernährung (Vitamin-D-Mangel, Fluorese) und an unzähligen Verbrennungsopfern durch Ofen-, Busch-, Petroleumbrand und Feuergruben werden im Hospital Nkoaranga am Fuße des Mount Meru durchgeführt. Durch das Engagement von Dietmar Craß und seiner Kollegen sollen die Wege deutlich verkürzt, medizinische Hilfe schneller und effektiver werden.

Für all diese Operationen wie Anschlussbehandlungen braucht’s Spendengelder. Medikamente, Moskitonetze und sonstige medizinische Hilfsmittel werden im Medics-Store in Iringa/Tansania eingekauft, da die Preise erheblich günstiger sind wie in Europa; Verbandsstoffe erhält „Klumpfuss Feuerkinder“ als Sachspenden von deutschen Herstellern.

Näheres zum Hilfsprojekt in Tansania und Spendenkonto unter www.klumpfuss-feuerkinder.de