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Pflaumenbaum

„Vielen Dank, lieber Pflaumenbaum“

Friedrichshafen / Lesedauer: 2 min

Buben und Mädchen schnippeln, mörsern und köcheln beim Erntedank-Aktionstag im Naturkindergarten „Zum Guten Hirten“
Veröffentlicht:02.10.2013, 12:59

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Für das durchschnittliche Stadtkind wäre der Haufen Gras auf dem Tisch bestenfalls Hasenfutter. Nicht so für die Kinder des Naturkindergartens „Zum guten Hirten“. Sie wissen genau, welche Wiesenkräuter essbar und gesund sind. Konzentriert schnippeln die kleinen Köche zwischen drei und sechs Jahren Spitzwegerich, Klee, Girsch, und sogar Brennnesseln.

Aber tut das nicht weh? „Unsere Kinder wissen wo sie die Brennnesseln anfassen müssen, damit es nicht brennt“, sagt Erzieherin Mona Kayan . Im Naturkindergarten ist Erntedank-Aktionstag. In kleinen Gruppen verarbeiten die Kinder Naturprodukte. „Wir machen hier Käuterstockbrot“, rufen die Kinder durcheinander. Im ganzen Kindergarten riecht es aromatisch nach Natur und Pflanzen. Im Nebenraum trocknen die Kinder konzentriert Beeren, Äpfel und Kerne mit einer Dörrmaschine. Daraus sollen Leckerbissen für Vögel und das im Garten heimische Eichhörnchen werden. Die nächste Gruppe bearbeitet gerade Himalaya-Salz und getrocknete Wiesenkräuter eifrig mit einem Mörser. „Wir würzen unser Essen mit unserem eigenen, gesunden Kräutersalz“, erklärt Erzieherin Gabriele Kraus.

Kinder erlernen alte Technik

Vor 15 Jahren hat die Leiterin Irmgard Neubrand aus „Zum Guten Hirten“ einen Naturkindergarten gemacht. Das Konzept der Erzieherin und Naturpädagogin ist: „Die Kinder sollen das Leben in und mit der Natur kennenlernen“. Dazu gehöre auch das Herstellen eigener Nahrungsmittel, wie zum Beispiel Marmelade oder Fruchtsaft. „Wir bringen den Kindern alte Techniken bei, die heute fast in Vergessenheit geraten sind“, sagt Neubrand.

Dazu dürfen die Kinder aus dem hauseigenen Garten ernten, in dem eine Fülle an Kräutern, Obst- und Nussbäumen, Beerenbüschen und anderen Pflanzen wächst. „Wenn die Kinder zum Beispiel Pflaumenmarmelade gemacht haben, gehen sie mit dem Gläsern zum Baum und bedanken sich“, erzählt Neubrand. „Vielen Dank, lieber Pflaumenbaum.“ Das große, überfüllte Vorratsregal im Flur des Kindergartens zeugt vom Eifer der 46 Kinder: Vom selbst gemachten Holunderblütensirup, Lindenblütentee bis zu eingelegten Früchten ist alles dabei. Neubrand ist von den positiven Effekten des Umgangs mit der Natur überzeugt: „Die Kinder erleben dadurch Erfolgserlebnisse, die sie selbstbewusst machen.“ Eine Mutter habe ihr einmal erzählt, dass ihre Tochter vehement gegen Rasenmähen protestieren würde, um den essbaren Löwenzahn auf der Wiese zu retten. Wer im Naturkindergarten war, braucht scheinbar nie mehr in den Supermarkt zu gehen und sieht die Natur mit anderen Augen.