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Neues Leben für alte Reifen

Umweltsünder Altreifen: Zeppelin Systems will Recycling nachhaltiger machen

Friedrichshafen / Lesedauer: 4 min

Die Firma in Friedrichshafen baut Anlagen für die Wiederverwertung der Reifen. Dass sich das auch wirtschaftlich lohnt, zeigt ein neuer Riesenauftrag für das Unternehmen.
Veröffentlicht:31.10.2023, 05:00

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Der Anlagenbauer Zeppelin Systems baut sein Geschäft mit alten Reifen weiter aus. Beim sogenannten Tire Recycling Day in Friedrichshafen zeigte das Unternehmen, wie die Aufbereitung und Verwertung von Altreifen zukünftig aussehen soll. Zudem verkündete Zeppelin den Bau einer neuen, riesigen Reifenrecycling-Anlage in Polen.

700.000 Tonnen Altreifen fallen nach Angaben des ADAC jedes Jahr in deutschen Abfallentsorgungsanlagen an. Eine ganze Menge ‐ die nicht einfach auf dem Müll landen soll. Denn in Auto- und Lkw-Reifen befinden sich wertvolle Rohstoffe wie Gummi oder Ruß.

Deshalb sollen Altreifen möglichst ein neues Leben bekommen. Entweder als runderneuerte Reifen, die wieder im Handel landen. Oder indem sie in ihre Bestandteile zerlegt werden, die wiederum in der Reifenherstellung oder für andere Produkte benutzt werden können.

Zeppelin baut schlüsselfertige Recycling-Anlagen

„Wir sind seit mehr als 40 Jahren als Lösungsanbieter für die Reifenindustrie aktiv“, sagt Guido Veit, der bei Zeppelin Systems unter anderem für das Geschäft mit dem Gummi zuständig ist. Als Stiftungsunternehmen denke Zeppelin in großen Zeiträumen ‐ Nachhaltigkeit und der Kampf gegen den Klimawandel seien somit zentral. Ziel beim Thema Altreifen müsse deshalb die Kreislaufwirtschaft sein, erläutert Veit.

Künstliche Intelligenz sorgt dafür, dass diese Maschine des französischen Unternehmens Regom Altreifen vollautomatisch sortieren kann.
Künstliche Intelligenz sorgt dafür, dass diese Maschine des französischen Unternehmens Regom Altreifen vollautomatisch sortieren kann. (Foto: Florian Peking)

Aber was trägt das Unternehmen bei, um dieses Ziel zu erreichen? Zum einen ist da Expertise im Anlagenbau. Nach Angaben von Zeppelin Systems habe man schon mit allen namhaften Unternehmen der Branche Projekte realisiert ‐ von einzelnen Silos bis hin zu komplett schlüsselfertigen Anlagen, die Zeppelin für die Industrie herstellt.

Der neueste Streich dabei: Für das Unternehmen Re Oil baut Zeppelin Systems eine große Reifenrecycling-Anlage in Polen:

Darüber hinaus setzen die Friedrichshafener auf die Kooperation mit anderen Firmen, um bei dem Thema voranzukommen. Im Frühjahr wurde hierfür die „Zeppelin Sustainable Tire Alliance“, eine Technologieallianz mit internationalen Unternehmen, ins Leben gerufen. Dem Zusammenschluss gehören große Namen wie Siemens an, aber auch Firmen, die hierzulande eher weniger bekannt sein dürften.

Maschine sortiert Reifen dank KI automatisch

Etwa das französische Unternehmen Regom, das sich auf die vollautomatische Sortierung von Altreifen spezialisiert hat. Das Besondere: Künstliche Intelligenz (KI) erkennt in den Maschinen von Regom Marke, Modell, Profil, Größe und Verschleißgrad der Reifen. „Für die Weiterverarbeitung und das hochwertige Recycling der Altreifen ist dieser Prozessschritt von großer Bedeutung“, erläutert Guido Veit.

Evelyn Müller (von links), Timo Stegmaier und Nico Boschert freuen sich über die vielen gespendeten Altreifen beim „Tire Recycling Day“.
Evelyn Müller (von links), Timo Stegmaier und Nico Boschert freuen sich über die vielen gespendeten Altreifen beim „Tire Recycling Day“. (Foto: Zeppelin Systems)

In bestehende Recycling-Anlagen sei diese KI-basierte Sortierung leicht zu integrieren ‐ was es laut Veit zu einer optimalen Ergänzung für das Leistungsspektrum von Zeppelin Systems beim Thema Reifenrecycling macht.

Runderneuerte Pkw-Reifen haben in Deutschland gerade einmal einen Marktanteil von einem Prozent

Christina Guth

Dass es in diesem Bereich aber auch noch einige Herausforderungen gibt, verdeutlicht Christina Guth. Sie ist Expertin beim Branchennetzwerk Allianz Zukunft Reifen (Azur). „Runderneuerte Pkw-Reifen haben in Deutschland gerade einmal einen Marktanteil von einem Prozent“, sagt Guth.

Dabei könnten Reifen, etwa der Marke Michelin, bis zu vier Mal runderneuert werden. Das Problem: Es gebe eine Schwemme an billigen Reifen aus Asien, die oft sogar noch günstiger seien als ein recyceltes Exemplar aus Europa. Erneuern lassen sich diese Reifen aufgrund ihrer schlechteren Qualität laut Guth aber meist nicht.

Dass auch in Friedrichshafen viele alte Reifen im Umlauf sind, zeigte eine Aktion, die Zeppelin begleitend zum „Tire Recycling Day“ organisierte. Bürger konnten den ganzen Tag über Altreifen als freiwillige Spende abgeben. Ab 8 Uhr ging es los ‐ und schon eine Stunde später war der erste große Container voll. Den Erlös aus der Aktion will der Anlagenbauer aufstocken und an den Streuobstgarten Weilermühle spenden.