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Kolumne "Aufgespießt"

Über Spurenwechsel, Geburtstagstorten und verhärtete Fronten

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Die Spießgesellen schauen auf die Ereignisse der vergangenen Woche und haben dazu manch spitze Anmerkung. Hier bekommt jeder sein Fett weg.
Veröffentlicht:28.10.2023, 08:00

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Bis auf eine Enthaltung aus den eigenen Reihen hat die CDU im Gemeinderat gegen die Einrichtung einer Gemeinschaftsunterkunft auf dem Telekom-Areal in der Müllerstraße gestimmt. Deren Fraktionschef Achim Brotzer hat diese Entscheidung sehr sehr ausführlich begründet. Nun muss man dieser Begründung nicht unbedingt folgen, kann aber festhalten: Die CDU führt Argumente ins Feld, keine Polemik oder dummdreistes Gebrüll wie einige, die auf der Infoveranstaltung der Stadt versucht haben, den Ton anzugeben.

Dass Roberto Salerno auf Sahra Wagenknechts Spuren wandelt, war längst kein großes Geheimnis mehr. Galt er doch als großer Kritiker der Corona-Maßnahmen und bewegte sich hier öfter mindestens hart am Rande des Querdenkermilieus. Auch dass er sich gegen eine geplante Flüchtlingsunterkunft in der Schwabstraße positionierte, mit dem Verweis auf sinkende Immobilienpreise in der Gegend, war ein deutlicher Hinweis.

Dass er aber einen Tag nach Wagenknechts Pressekonferenz schon einen Plan für einen Kreisverband im Bodenseekreis präsentiert, hat auch die Spießgesellen ein bisschen überrascht. Sollte das Projekt Erfolg haben und die neue Partei (wenn es denn mal eine ist) in den Kreistag einziehen (am 9. Juni 2024 sind Kommunalwahlen!), wird dort leider mit noch mehr Populismus zu rechnen sein. Wie bei allen angeblichen Alternativen werden wir auch da dann ganz genau hinschauen.

Endlich ist Friedrichshafens neuestes Denkmal, der berüchtigte Bronze-Bierkrug, offiziell eingeweiht. Bei der Enthüllungsparty am Dienstag verriet Künstler Lonnie Stewart, dass er den 1,5 Tonnen schweren Riesenhumpen bewusst auch als eine Art Geburtstagstorte gestaltet hat, um das Jubiläum der Partnerschaft zwischen Friedrichshafen und Peoria zu symbolisieren. Und wissen Sie, was es bei der Einweihungsfeier auch gab? Eine Torte! Und auf der befand sich ein (essbares) Foto, auf dem wiederum der Uferpark-Krug abgebildet war. Und weil der Krug auch eine Torte ist, war auf der Torte quasi ein Bild von einer Torte. Wahnsinn!

Es ist wenig überraschend, dass der neue Regionalplan für Bodensee-Oberschwaben am Mittwoch endgültig beschlossen wurde. Drumherum gab es aber einiges, was nachdenklich machen kann: Denn der leidenschaftliche Protest der Umwelt-Aktivisten vor Ort wurde von den allermeisten Volksvertretern des Regionalverbands allenfalls belächelt. Ein, zumindest kurzes, Gespräch mit ihren Kritikern suchte fast keiner. Auf der anderen Seite gaben aber einige Protestler auch keine gute Figur ab. Pfiffe und Buhrufe mögen vielleicht noch legitimer Ausdruck von Empörung sein, persönliche Beleidigungen aber sind aber ganz sicher fehl am Platz. Wo führt dieser Umgang miteinander noch hin? Besonders sinnvoll finden die Spießgesellen solche verhärteten Fronten jedenfalls nicht.