Frühlingssonne

Trauer und Heiterkeit

Friedrichshafen / Lesedauer: 2 min

Janka Simowitsch begeistert in Ailingen mit ihrem Klavierspiel
Veröffentlicht:29.03.2016, 20:06
Aktualisiert:23.10.2019, 17:00

Von:
Artikel teilen:

Trotz der Frühlingssonne ist am Ostermontag der Saal im Ailinger Roncalli-Haus beim Konzert der jungen Pianistin Janka Simowitsch aus Rostock voll geworden. Sie ist hier keine Unbekannte, denn sie hat einen Häfler geheiratet und zuletzt vor zwei Jahren zum Konzert eingeladen.

Janka Simowitsch hat in Rostock und Zürich studiert, war unter anderem Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes und hat mehrere Klavierwettbewerbe gewonnen. Neben Konzertreisen bis in die USA hat sie einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik und Theater Rostock inne. Für Ailingen hat sie keineswegs ein leichtes Programm gewählt und sympathisch eingeführt. Bezaubernd war der Auftakt mit tonmalerischen Genrebildern aus dem zweiten Buch von François Couperins Stücken für Clavecin. Stücken, die eigentlich an das Cembalo gebunden sind, doch sie hat bewiesen, dass sie tatsächlich auch wunderbar aufs Klavier zu übertragen sind.

Idylle eines Schafsstalls

So führte gleich das erste, „Les Moissonneurs“, zu einem volkstümlichen Schnitterlied, darauf die „Bergeries“ in die ländliche Idylle eines Schafstalls. In Zwiesprache mit dem Flügel folgten munteres Vogelgezwitscher, fröhliches Schäkern, aber auch ein zärtlicher Liebestraum.

Hinter der Spielerin sah man hinaus ins Freie, auf den Säntis. Bald hüllte die Abendsonne die Spielerin ein, während das Programm sich verdüsterte, denn nun spielte sie Chopins Sonate Nr. 2 b-moll op. 35, in deren Mittelpunkt der berühmte Trauermarsch steht. „Einige Hoffnungsschimmer hat uns Chopin doch gegönnt“, sagte sie einleitend, und in jähen Umschwüngen mischten sich in aggressive Aufschreie, in elementare Klage, in stürmischen Aufruhr auch bittersüße Erinnerungen, ein sanftes Schaukeln, als wiege eine Mutter ihr totes Kind. Unruhig brodelten die Gedanken, suchten wie Gefangene vergeblich einen Ausweg, fanden bis zum letzten unheimlichen Sturmgemälde keine Ruhe.

Nicht minder stürmisch war nach Chopins düsterer Tondichtung Beethovens Sonate Nr. 23 f-Moll op. 57, die „Appassionata“. In reicher Klangsinnlichkeit schöpfte die Künstlerin die reiche Ausdrucksskala aus, die jähen Kontraste von sensibler Träumerei und stürmischem Aufruhr, von schicksalsschwerer Trauer und lichter Heiterkeit.

So aufgewühlt wollte sie die Zuhörer nicht entlassen, daher zeigte sie zuletzt mit den Bagatellen op. 33 den humorvollen Beethoven. Verspielt, heiter und leichthändig war nun das Spiel. Wie kleine Kobolde huschten die Finger über die Tasten und Mutwille, vergnügte Kapriolen und Zärtlichkeit spiegelten sich in im Gesicht der Spielerin. Freudig und gelöst schenkte sie zwei Zugaben: einen hellen Chopin-Walzer und Glinkas „Lerche“. Da wartet man heute schon gern auf ihr Wiederkommen.