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Kolumne Aufgespießt

Die Spießgesellen gucken in die Friedrichstraße und nach Hirschlatt

Friedrichshafen / Lesedauer: 2 min

Warum eine Million Euro für einen Prachtboulevard Peanuts sind, das Gewerbegebiet jetzt wohl durch die Hintertür kommt und Alice Weidels Kritik seltsam anmutet.
Veröffentlicht:16.09.2023, 08:00

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Bei der Friedrichstraße passt wirklich alles zusammen. Nachdem wir nun festgestellt haben, dass sie nach ihrer Umgestaltung weder gut funktioniert noch gut aussieht, ist es ja nur konsequent, dass auch das mit dem Kostenrahmen nicht so ganz hingehauen hat. Wobei eine Million Euro in der heutigen Zeit eigentlich Peanuts sind, vor allem, wenn man dafür einen gar prächtigen Prachtboulevard bekommt. Smiley mit Lachtränen.

Zugegeben, unsere Berichte über den Regionalplan und ein mögliches Gewerbegebiet in Hirschlatt sind zuletzt etwas lang geraten. Deshalb hier die Kurzfassung: Der Regionalplan ist genehmigt, Hirschlatt nicht, weil es nicht an eine Siedlung anschließt. Eine Ausnahme — im Beamtendeutsch Zielabweichung — erlaubt das Regierungspräsidium nicht, weil insgesamt in der Region noch genügend Gewerbeflächen vorhanden sind.

Das Problem: Jetzt geht Friedrichshafen mit mehr oder weniger null Gewerbeflächen in die nächsten 15 bis 20 Jahre. So lange gilt nämlich der Regionalplan. Neue Firmen und solche, die erweitern, gehen dahin, wo sie Flächen bekommen. Vor allem in die Landkreise Ravensburg und Sigmaringen. Oder gleich nach Osteuropa. Dort entstehen dann Arbeitsplätze und dort fließt die Gewerbesteuer in die Stadtkassen. Nicht in Friedrichshafen.

Das eigentliche Problem: Hirschlatt will der Gemeinderat nicht. Wenn man die Aussagen vom RP zwischen den Zeilen liest, wird klar: Selbst jetzt wäre es noch nicht zu spät. Sollte die Stadt ein eigenes Zielabweichungsverfahren anstreben, würde wohl nur der Flächenbedarf von Friedrichshafen angeschaut und nicht der des ganzen Verbandsgebiets. Heißt: großer Bedarf. Was den Siedlungsanschluss betrifft, wäre die Überlegung: Gibt es Alternativen mit Anschluss? Nein. Folge: Hirschlatt kommt durch die Hintertür.

Ziemlich unvermittelt und ohne ersichtlichen Grund hat AfD–Chefin Alice Weidel den direkt gewählten Bundestagsabgeordneten des Bodenseekreises, Volker Mayer–Lay; ob seines Einsatzes für den Wahlkreis attackiert. Blöd irgendwie, dass das von ihr kritisierte Abstimmungsverhalten im Plenum auffälliger ist als das des CDU–Mannes.

Und blöd auch, dass sich ihre Präsenz in ihrem Wahlkreis zumindest nach Wahrnehmung der Spießgesellen auf sehr gelegentliche Wahlkampfauftritte beschränkt. Aus all dem politischen Gegner einen Vorwurf zu drechseln, erscheint — mindestens — seltsam.