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Kolumne Aufgespießt

Skurrile Zeitgenossen, befremdliche Debatten und ganz viel Geld

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Die Spießgesellen waren beim „Fest der Normalität“ ‐ fanden dort aber nicht besonders viel Normales. Zum Glück hielt die Woche in Friedrichshafen noch Spannenderes bereit.
Veröffentlicht:23.09.2023, 08:00

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Mancher mag sich zwar am ergrauten Kopf gekratzt haben, aber es stimmt: Die Zeppelin-Universität gibt es schon seit 20 Jahren. Sie hat sich in den zwei Dekaden mehrmals neu erfunden, ein paar Mal daneben benommen und ganz viel in Bewegung gebracht. Ohne die ZU wäre Friedrichshafen grauer.

Ob das viele Geld, das Studis, Unternehmen, Privatleute und die öffentliche Hand in das Projekt gesteckt haben und stecken, gut angelegt ist, darüber kann man trefflich streiten. Dass die Ambitionen der Uni immer größer waren als ihre Ressourcen, wie ZU-Präsident Mühlhahn gesagt hat, das stimmt auf alle Fälle. Nur so allerdings kann so ein Projekt gelingen.

Trotzdem wäre es gut, wenn die ZU dauerhaft auf festere finanzielle Beine gestellt würde und damit weniger abhängig vom Wohlwollen der Kommunalpolitik wäre. Die hat nämlich derzeit eine ganze Menge Baustellen vor der Brust. Die Zeiten aber, als Geld in Friedrichshafen keine allzu große Rolle gespielt hat, dürften erstmal vorbei sein.

Keine Baustelle für die Stadt wird die „Landshut“. Die Bundesrepublik Deutschland plant und bezahlt das Projekt. Nun wurde bekannt, dass die Halle, in der der Lernort entstehen soll, 47.000 Euro Miete im Monat kostet. Klingt nach viel Geld, ist auch viel Geld.

Wobei der Kauf des Objekts oder gar ein Neubau sicher noch teurer geworden wären. Ob die Miete hoch, zu hoch oder gar viel zu hoch ist, hängt nach Einschätzung der Spießgesellen vor allem davon ab, ob der „Lernort Landshut“ ein Publikumsmagnet oder ein Reinfall wird.

„Fest der Normalität“ nannte sich eine Veranstaltung am Mittwochabend in der Musikmuschel, die über 100 geduldige Zuhörer fand, während die meisten Passanten eher stirnrunzelnd vorbeigingen. Mit Sketchen, Musik und einer Polonaise wurde gegen die Regierung, die Medien und Migranten gewettert.

Wer wollte, der konnte einen Solidaritäts-Brief an die Frickingerin unterschreiben, die im Zuge der Putsch-Ermittlungen gegen die Reichbürgerszene verhaftet worden ist. Eine mindestens skurrile Veranstaltung. Die Spießgesellen sind übrigens der Meinung, dass es nicht normal ist, die Bundesrepublik als „besetztes Land“ und den Staat als „durchkorrumpiert“ zu bezeichnen.

Etwas befremdlich mutet die Auseinandersetzung im politischen Stuttgart beim Thema Kormoran an. Allen ist klar, dass der Vogel am Bodensee für Probleme sorgt. Aber genauso sollte der SPD bewusst gewesen sein, dass der Dialog mit Anrainern, Experten und Betroffenen im Hintergrund läuft. Herumzupoltern, nur weil der eigene Antrag mit Verweis auf den schon laufenden Prozess nicht durchgeht, hilft keinem.

Gleichfalls unbefriedigend ist die schwammige Auskunft des Ministeriums, dass nun erst mal der Konsens ausgewertet werde und man dann über „weitergehende Möglichkeiten“ spreche. Das klingt alles viel zu sehr nach „irgendwann mal“ statt nach zeitnahen Lösungen.