Jahreskonzert

Sinfonieorchester Friedrichshafen mit Jahreskonzert im Graf-Zeppelin-Haus

Friedrichshafen / Lesedauer: 2 min

Claire Huangci überzeugt als Solistin in Klavierkonzert
Veröffentlicht:20.12.2021, 12:11

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Sicherlich erfreut waren die Musikerinnen und Musiker des Sinfonieorchesters Friedrichshafen mit ihrem Dirigenten MD Joachim Trost, dass ihr traditionelles Jahreskonzert im Graf-Zeppelin-Haus trotz erweiterter Corona-Bedingungen überhaupt stattfinden konnte. 500 Zuhörer verteilten sich, nach gewissenhafter Kontrolle der 2G+Regeln, im „großen“ Hugo-Eckener-Saal. Es gab keine Pause und keine Bewirtung. Im reichhaltigen Beifall mit vielen Bravo-Rufen nach Haydn-Sinfonie und Beethoven-Klavierkonzert spiegelte sich die Dankbarkeit des Publikums für ein Live-Konzert ihres Heimatorchesters.

Da aufgrund der Corona-Pandemie wieder größere Abstände auf der Bühne verlangt wurden, begann das Konzert nicht mit César Francks großer Sinfonie, sondern mit der kleiner besetzten Sinfonie Nr. 88 von Joseph Haydn. Nach der Adagio-Einleitung mit abgesetzten Akkorden in vollem Orchesterklang stellten die Violinen in zartem Piano das Hauptthema vor. Aus diesem Kern entwickelte Trost ein mitreißendes Stimmengewebe. Immer dem heiteren, ausgelassenen Charakter der Sinfonie verpflichtet. Sehr musikalisch in der „romantischen“ Kombination von Oboe und Cello die Präsentation des gleichbleibenden, volkstümlichen Themas im Largo. Abwechslungsreich, mit vielen Klangfarbenwechseln die sich ändernde Begleitung in den Variationen. Aus einem Guss dann der dritte Satz. Frisch und schwungvoll das Menuett mit Vorschlägen und Tonrepetitionen in der Melodie. Kontrastreich abgesetzt das Trio mit volkstümlichen Tanz-Rhythmen und sauberer Dudelsack-Quinte. Der Finalsatz mit seine Ohrwurmthema lebte in ausgelassener, übermütiger Spielfreude.

In der explosiven, ungewöhnlichen Einleitung des Klavierkonzertes Nr. 5 von Ludwig van Beethoven ließ die mehrfach preisgekrönte Pianistin Claire Huangci gleich aufhorchen: Auf die prägnanten Fortissimo-Schläge des Orchesters folgte zunächst lebhaftes, starkes präludieren. Bei der letzten Antwort aber bereitete Huangci im zarten Piano, feinfühlig die Orchesterexposition vor. Damit war das (damals) neuartige Verhältnis zwischen Solistin und Orchester als gleichwertige Partner vorgestellt. Nachdem die Themen im musikalischen Wechselspiel von allen Seiten kraftvoll betrachtet waren, entwickelten Dirigent und Solistin ein fast kammermusikalisches Zusammenspiel. Pizzicati der Streicher Soli der Blasinstrumente gegenüber einem Pianissimo im Klavier beschrieben eine friedliche Stimmung. Die Kontrastwirkung von tiefster Vertrautheit und kraftvollem sinfonischem Klang waren Kennzeichen dieser Interpretation.

In eine entrückte Welt entführten die gedämpften Streicher mit choralartigem Gesang, begleitet von zarten Holzbläserpunkten, in den zweiten Satz. Über diesen Klangteppich legte die Solistin mit ruhigen Triolen eine wunderschöne gesangliche Linie. Mit suggestiver Kraft leitete Trost zum spannendsten Moment. Nach dem „ersterben“ in der Tiefe bis zu H, Ankündigen des letzten Satzes geheimnisvoll verschwommen, wurde auf dem Klavier eine Rakete gezündet. Durch glänzende Virtuosität der Solistin, starke Motive und mitreißende Rhythmik im Orchester entstand die geforderte euphorische Stimmung im Finalsatz. Ein Tanz aus der Nußknacker-Suite und das Intermezzo Nr. 2 von Johannes Brahms waren der Dank von Claire Huangci für den lange anhaltenden Applaus.