Bettagsgottesdienst

Sex, Geld und Skrupellosigkeit

Friedrichshafen / Lesedauer: 2 min

Pfarrer feiern ökumenischen Gottesdienst mit dem aktuellen Thema Zwangsprostitution
Veröffentlicht:22.11.2018, 14:24
Aktualisiert:22.10.2019, 14:00

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Einen ökumenischen Buß- und Bettagsgottesdienst eines anderen Formats haben die Besucher der Schlosskirche am Mittwochabend gefeiert. Neben dem Gebet und dem Gesang im Gottesdienst stand das Thema Zwangsprostitution mit einem Vortrag des ehemaligen Kriminalkommissars und Buchautors Manfred Paulus im Mittelpunkt.

„Es ist wichtig, solche Themen aufzugreifen, denn meist verbirgt sich unglaublich viel Leid dahinter“, sagte Codekan Gottfried Claß zu Beginn des Gottesdienstes. Die Gesellschaft müsse aufgerüttelt werden, fuhr er fort und zitierte als geistlichen Impuls aus den Sprüchen Salomos, in denen es heißt: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Menschen Verderben.“

Bernd Herbinger , erinnerte als Dekan der katholischen Kirche daran, dass das hässliche Wort Wollust andere Menschen mitten in Deutschland und in unserer Stadt entwürdige. „Die Kirchen stellen fest, dass ein Problem angewachsen ist“, so Herbinger, der dazu einlud, das Problem mit Hilfe der Informationen des ehemaligen Kommissars Manfred Paulus anzupacken.

Paulus sprach über die Mechanismen der Zwangsprostitution und über die Frauen, den Opfern, die zumeist aus dem Ausland kämen. Bei ihnen sei eine große Migrationsbereitschaft vorhanden, was dazu führe, dass sie leicht von Zuhältern angeworben werden, die schon länger nicht mehr Deutsche wären, sondern aus der russischen Mafia stammten. Armut und Perspektivlosigkeit trieben die Frauen in den reichen Westen und bei einem guten finanziellen Angebot, gäbe es kein Halten, so Paulus. „Im nächsten Schritt wird bewusst Abhängigkeit erzeugt“, erzählte der ehemalige Kommissar, der mit einem Präventionsprogramm durch Rumänien und Moldavien reist, um jungen Mädchen die Masche der Zuhälter zu erklären. Das ganze System sei eigentlich organisierte Kriminalität und im Grunde eine Ausbeutung der Frauen. „Die Ware Frau kostet kein Geld“, sagte Paulus und gab zu bedenken, dass die Frau über lange Zeiträume hinweg ausgebeutet werden könne, im Vergleich zu einer Waffe, die im Waffengeschäft nur einmal verkauft werden kann.

„Dieses Milieu hat etwas zu bieten: Sex, Geld und Skrupellosigkeit“, warnte Manfred Paulus, gerade in Deutschland, wo man große Freiheiten hätte. Durch das Prostituiertengesetz, das 2017 verabschiedet wurde, habe der Gesetzgeber die Prostitution als sexuelle Dienstleistung deklariert, die so definiert, eine gewisse Freiwilligkeit beinhalte. Doch Paulus nannte die Prostitution eine Sexsklaverei und appellierte daran, ein Prostitutionsverbot für Frauen unter 21 durchzusetzen.