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Nach dem Brand

Segelclub will die „Schussen“ sanieren

Friedrichshafen / Lesedauer: 5 min

Aus den Plänen der Stadt zur Belebung des Hinteren Hafens ist nichts geworden. Jetzt könnte der Segel-Motorboot-Club in die Bresche springen.
Veröffentlicht:12.01.2024, 05:00

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Ein Desaster als Chance zu betrachten - genau mit dieser Haltung stehen Ralf Steck und Eugen Gebhard vom Segel-Motorboot-Club Friedrichshafen (SMCF) vor ihrem teilweise ausgebrannten Vereinsheim: dem ehemaligen Fährschiff „Schussen“ am Hinteren Hafen.

Vermutlich aufgrund einer brennenden Fritteuse wurde am Morgen des 13. August letzten Jahres die Einrichtung im Erdgeschoss verwüstet. Naveed Malik, der Pächter der Gaststäte „Grillhaus am See“ in der „Schussen“, war schon bei den Vorbereitungen für sein großes Fest: Er wollte an diesem 13. August seinen 50. Geburtstag feiern, und zugleich das zehnjährige Bestehen seines Pachtvertrags an Bord der „Schussen“. Die 300 eingeladenen Gäste waren zum Glück noch nicht da. Sonst wären wegen der heftigen Rauchentwicklung wohl zahlreiche Menschen zu Schaden gekommen.

Zur Sanierung gibt es keine Alternativen

Inzwischen ist das verwüstete Inventar ausgeräumt, die giftigen Rauchspuren sind beseitigt. Was aber bleibt, ist ein Sachschaden von mehreren hunderttausend Euro. Für Ralf Steck, den Präsidenten des SMC, steht fest: „Wir können in dieser Lage gar nichts anders tun, als zu investieren. Jetzt nichts zu unternehmen, wäre ein Rückschritt.“

Investieren, das bedeutet, die Einrichtung der „Schussen“ grundständig zu erneuern und zum Beispiel die Küche künftig in einen unauffälligen angrenzenden Bau auszulagern, „Die Küche hatte nur wenig Platz. In dieser Form würde sie heute gar nicht mehr genehmigt werden“, sagt Steck. Vor allem soll die „Schussen“ wieder mehr von Licht durchflutet sein. Die Öffnungen in den Seitenwänden seien im Lauf der Zeit wind- und blickdicht verschlossen worden. Damit die alte Fähre einladend und gastfreundlich wirkt, soll nun die Gegenrichtung eingeschlagen und insgesamt der Schiffscharakter der Schussen betont werden.

Mehr Offenheit ist auch das Motto für die Gestaltung der Außenanlage. „Passanten wissen oft gar nicht, dass das ’Grillhaus’ in der ’Schussen’ für jedermann geöffnet ist - nicht nur für Vereinsmitglieder“, sagt Eugen Gebhard. Das soll sich ändern. Die „Schussen“, malt Ralf Steck die Vision aus, soll zu einem Schmuckstück mit einladendem Äußeren werden. Auch aus den offenen Logenplätzen der „Schussen“, auf ihrem „Oberdeck“ sozusagen, soll mehr gemacht werden. „Man hat von dort oben ja eine wunderbare Sicht auf den See“, sagt Steck.

Der Verein rechnet mit Kosten vom 300.000 Euro

Er und Eugen Gebhard vermuten, dass zur Umsetzung der Baupläne, die der Verein am 22. Dezember bei der Stadt eingereicht hat, 300.000 Euro nötig sein werden. Finanzieren will der Verein die Kosten mit der Zahlung der Brandschutzversicherung, aus Eigenmitteln und mithilfe eines Kredits. Idealerweise sollte der Umbau bereits Ende Mai dieses Jahres weitgehend abgeschlossen sein. Denn vom 24. bis 29. Mai ist der SMCF Ausrichter des Europacups der Surprise-Klasse. Dazu erwartet der Verein bis zu 35 Boote aus ganz Europa mit bis zu 400 Teilnehmern.

Wenn das Konzept aufgeht, könnte der SMCF mit der sanierten „Schussen“ wesentlich zur Belebung des Hinteren Hafens beitragen. Das kommt zeitlich nicht gerade ungelegen. Schließlich haben Stadtverwaltung und Gemeinderat jahrelang orakelt, wie sich der wenig attraktive Hintere Hafen aufwerten ließe. Sang- und klanglos wurde das Sanierungsprojekt dann im Dezember 2023 beerdigt. Es hinterlässt unbeantwortete Fragen.

Der Mietvertrag ist ein Problem

Ein wesentliches Problem des Vereins ist derzeit aber der Mietvertrag. „Dem SMCF gehört die „Schussen“. Der Grund, auf dem sie steht, gehört der BSB“, sagt Steck. Und die Mietverträge zwischen den Bodensee Schiffsbetrieben (BSB) und SMCF laufen immer nur über ein Jahr.

Das muss erhalten bleiben.

Ralf Steck

Kann auf dieser Basis überhaupt langfristig geplant und investiert werden? „Aktuell bekommen wir wegen der unklaren Pläne der Stadt mit diesem Gelände keinen längerfristigen Mietvertrag“, sagt Ralf Steck. Was danach klingt, als ob sich Verein und BSB mit der Stadt gemeinsam an einen Tisch setzen sollten, um Perspektiven zu schaffen. Auch eine andere Frage treibt den SMCF um: Was passiert, wenn sich für das Gelände ein Investor finden sollte? „Wenn das passiert, dann muss die ’Schussen’ so toll hergerichtet und mit Leben erfüllt sein, dass der Investor sagt: Das muss erhalten bleiben.“

„Wir haben das Ziel, dass der SMCF in der Stadt generell stärker ins Bewusstsein rückt“, sagt Eugen Gebhard. Zum Beweis, dass das möglich ist, zeigt Ralf Steck mit dem Finger nach Westen. Dort, am entgegengesetzten Ende der Uferpromenade, hat der Württembergische Yachtclub (WYC) seine Räume.

Und bekanntlich hat der WYC mitsamt seinem Lokal nicht mit mangelnder Aufmerksamkeit zu kämpfen. „Uns liegt daran, dass der Hintere Hafen nicht nur als Industriebrache gesehen wird. Sondern dass er auch der Ort ist, wo 300 SMCF-Mitglieder und viele weitere Sportler ihre Freizeit verbringen“, sagt Ralf Steck. Damit soll das Projekt letztlich dem Verein eine gute Zukunft eröffnen - nicht zuletzt, indem der Segelsport allen zugänglich gemacht wird.

Der SMCF will das Segeln allen zugänglich machen

Der SMCF legt einen starken Fokus auf die Jugendabteilung. Das Segeln kann im SMCF von Grund auf erlernt und weiterentwickelt werden. „Wir unterhalten drei vereinseigene Segelboote, die von den Mitgliedern genutzt werden können, auf denen aber auch Ausbildung, Regattatraining und gemeinsame Segeltörns angeboten werden“, sagt Steck. Der Verein richtet zudem eine Abteilung für Stand-Up-Paddling ein. Dabei wird Wert darauf gelegt, den Paddlern die unerlässlichen Grundlagen zum richtigen Verhalten auf dem See beizubringen.

Es ist ein großes Plus, dass der SMCF durch schräge Rampen mit einem barrierefreien Zugang zu den Bootsstegen ausgestattet ist. Diese Rampe soll such entsprechend genutzt werden. „Der SMCF verfolgt ein Inklusionskonzept mit dem Aufbau eines Segelteams und einer Regatta für 2.4mR-Segelbootsklasse, in der sich Menschen mit und ohne körperlichen Handicaps sportlich messen können."