Hauptfriedhof

„Orte des Zuhörens“ gibt es jetzt auch mobil

Friedrichshafen / Lesedauer: 2 min

An Allerheiligen kommt das offene Gesprächsangebot, bei dem geschulte Mitarbeiter der Kirche den Anliegen und Sorgen der Menschen lauschen, auf den Hauptfriedhof.
Veröffentlicht:31.10.2018, 09:58
Aktualisiert:22.10.2019, 15:00

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„Wir haben Zeit, Zeit für Sie“, steht auf dem Schild, das Daniela Loeser und Philip Heger auf dem Hauptfriedhof in Friedrichshafen aufgestellt haben. Beide tragen weiße Westen, um sich sofort als das erkennbar zu machen, was sie sind: geschulte „Zuhörer“, die den Anliegen und Nöten der Menschen ein offenes Ohr leihen. An Allerheiligen hören sie nachmittags auf dem Friedhof allen zu, die ihnen etwas anvertrauen wollen.

„Orte des Zuhörens“ ist ein offenes Gesprächsangebot der Katholischen Kirche in Friedrichshafen und der Caritas Bodensee-Oberschwaben. Normalerweise findet es an drei Tagen in der Woche in der Kirche und im Gemeindehaus St. Nikolaus statt. Pünktlich zu Allerheiligen hat es den Pastoralreferenten Heger jedoch gereizt, das Angebot auf den Friedhof auszuweiten. Um diese Zeit sind hier vermehrt Menschen anzutreffen, die sich der Grabpflege verstorbener Angehöriger widmen. Heger glaubt, dass bei der Erinnerung an die Verblichenen schmerzvolle Gedanken entstehen könnten. Für diese haben er und seine Kollegin ein offenes Ohr – aber auch für alles andere, was die Menschen bewegt.

„Ich glaube schon, dass es einen Bedarf gibt, sich Sorgen, Hoffnungen und Freuden von der Seele zu reden“, sagt Loeser. Sie selbst ist schon seit viereinhalb Jahren Zuhörerin und unterliegt wie ihre Kollegen der Schweigepflicht. Anvertraut haben sich ihr schon ganz verschiedene Menschen, beispielsweise „Touristen, die froh sind, einfach mal ins Gespräch zu kommen“.

Zuhören statt Belehren

Loeser versteht sich nicht als Beraterin, sondern als aktive Zuhörerin. Sie fasst zusammen, was die Menschen ihr erzählen, und stellt ihnen Fragen. Tipps, wie sie sich verhalten sollen, gibt sie aber nicht.

Für Philip Heger sind die „mobilen Orte des Zuhörens“ ein Experiment, das die Hemmschwelle, mit einem Mitarbeiter der Kirche ins Gespräch zu kommen, senken könnte. Immerhin würden nicht alle Probleme unter Verwandten oder im Freundeskreis angesprochen. Er selbst hat schon erlebt, dass bei Gesprächen in der Kirche manchmal „alle Dämme brechen“ und die Menschen ihren Emotionen freien Lauf lassen.

Um dies als „Zuhörer“ zu bewältigen, bedarf es laut dem Pastoralreferenten Offenheit, Bereitschaft und Zeit. Wer sich diese nehmen und sich zum „Zuhörer“ ausbilden lassen möchte, kann sich bei Philip Heger melden.

Von November bis Februar pausieren die „Orte des Zuhörens“ allerdings. Im Winter leihen die pastoralen Mitarbeiter der Kirchengemeinden allen, die es nötig haben, ein offenes Ohr.