Umweltorganisation

Örtliche Umweltorganisationen kämpfen für den Seewald

Friedrichshafen / Lesedauer: 2 min

NABU, Greenpeace und BUND Friedrichshafen weisen auf die Ausweichfläche am Flughafen hin
Veröffentlicht:31.01.2019, 18:35
Aktualisiert:22.10.2019, 12:00

Von:
Artikel teilen:

Der NABU, Greenpeace und BUND Friedrichshafen haben sich in einer gemeinsamen Presseerklärung gegen die Rodung im Seewald für Industrie-Erweiterungen ausgesprochen.

Wie bereits mehrfach berichtet worden sei, solle ein Teil des Seewalds gerodet werden, weil die Firmen Liebherr Aerospace und ATT ihr Firmengelände ausweiten möchten. Gegen diese Bestrebungen protestieren die Ortsgruppen von BUND, Greenpeace und NABU.

Die Umweltverbände befürchten, dass die Rodungen nicht auf die aktuell vorgesehenen circa 3,5 Hektar begrenzt bleiben werden: Im städtischen Gewerbeflächenentwicklungskonzept aus dem Jahr 2011 sei die gesamte Waldfläche zwischen Bahntrasse und Bundesstraße B 30 in die erste Priorität als besonders geeignete Gewerbefläche eingestuft worden.

„Kommune für biologische Vielfalt“

Im vorderen Teil dieser Fläche leben jedoch mehrere geschützte Tierarten, wenn hier der Wald verschwinde, würden auch die vielen seltenen Tierarten im angrenzenden Waldgebiet vertrieben.

Angesichts des ohnehin fortgeschrittenen Artenschwundes und des Insektensterbens verbiete sich die Vernichtung naturnaher Lebensräume, schreiben die Umweltverbände in der Mitteilung weiter.

Die drei Verbände erinnern darin außerdem daran, dass sich die Stadt Friedrichshafen mit ihrem Beitritt zum Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ dazu verpflichtet habe, den Schutz der biologischen Vielfalt im Rahmen der nachhaltigen Stadtentwicklung verstärkt zu berücksichtigen. „Damit darf die Rodung gar nicht in Betracht gezogen werden“, heißt es weiter.

Die Umweltverbände weisen auch darauf hin, dass der Seewald zudem ein wertvolles Element der Klimaverbesserung in einer ohnehin stark industriegeprägten Gemeinde ist. Der Sommer 2018 habe eindrucksvoll gezeigt, warum gerade in städtischen Räumen Bäume und Grünflächen als Faktoren der Luftkühlung relevant seien.

Die Umweltverbände betonen: „Obwohl die Stadt für eine mögliche Erweiterung bereits eine Ausweichfläche am Flughafen reserviert hat, muss nach Vorstellung der beiden Firmen dafür unbedingt ein Teil des Waldes gerodet werden. Zudem existieren andere Möglichkeiten der Erweiterung (zum Beispiel Mehrstöckigkeit von Gewerbebauten, Tiefgaragen usw.). Den Menschen werde schon lange verdichtetes Wohnen zugemutet. „Die Vertreter der Industrie dächten zu wenig darüber nach, ihren Flächenanspruch durch geeignete Baumaßnahmen zu beschränken und so ihren Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.“

BUND, NABU und Greenpeace wollen nächste Wochen die Bürger informieren und planen gemeinsame Aktionen. Sie weisen auch darauf hin, dass die Planungsunterlagen, die die vorgesehenen Rodungen im Seewald ermöglichen („Änderung des Flächennutzungsplans“) bis einschließlich 19. Februar während der Öffnungszeiten und nach Vereinbarung im Technischen Rathaus eingesehen werden könnten.