StartseiteRegionalBodenseeFriedrichshafenÖDP-Rätin bleibt dabei: Das Seehasenfest-Feuerwerk muss weg

Gibt sich noch nicht geschlagen

ÖDP-Rätin bleibt dabei: Das Seehasenfest-Feuerwerk muss weg

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Marion Mocher scheiterte mit ihrem Antrag, auf das Spektakel zu verzichten. Nun macht die Gemeinderätin der Verwaltung Vorwürfe. Für sie ist das Thema noch nicht beendet.
Veröffentlicht:17.11.2023, 17:00

Artikel teilen:

Marion Morcher, Ratsmitglied von ÖDP/parteilos ist mit dem Abstimmungsergebnis des Finanz- und Verwaltungsausschusses zur Abschaffung des Seehasenfest-Feuerwerks nicht einverstanden.

Sie will weiterkämpfen und macht der Stadtverwaltung Vorwürfe: Mit keinem Wort habe man über den Artenschutz gesprochen. Dieses Argument des ÖDP-Antrags habe man einfach verschwiegen.

„Dem Antrag, auch wenn nur wenige Zeilen lang und scheinbar in kurzer Zeit zu Papier gebracht, liegen eine gründliche Recherche und viele Gespräche zugrunde“, sagt Marion Morcher.

So habe die ÖDP ausführliche Gespräche mit den Vorständen des Naturschutzbundes (Nabu) Friedrichshafen-Tettnang und Eriskirch-Meckenbeuren sowie des Bund Naturschutz (BUND) Friedrichshafen und Ravensburg sowie einer Sachkundigen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) geführt.

Fachleute hinzugezogen

Auch weitere Verbände und Forschungsgruppen, wie der Landesnaturschutzverband, die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, die Sempach Vogelwarte in der Schweiz, das Seenforschungsinstitut in Langenargen und Laser Profis habe man einbezogen.

Marion Morcher ist „sachliche Vorlagen aus dem PBU gewohnt“, über „die Totschlagpolemik“ in diesem Fall hingegen erstaunt. Sie bezieht sich bei ihrer Kritik auf den Hauptteil des Antrags. Der sei in der Vorlage der Verwaltung mit keinem Wort erwähnt worden.

„Da stellt sich von unserer Seite die Frage, ob die Verwaltung denkt, wir wüssten nicht, weshalb wir den Antrag gestellt haben?“, fragt Marion Morcher, die selbst als Geschäftsführerin die Geschäftsstelle des BUND in Friedrichshafen leitet.

„Unter den Tisch gefegt“

„Offensichtlich will die Verwaltung die Tatsachen unter den Tisch fegen, dass das Feuerwerk jedes Jahr in der Brut- und Aufzuchtzeit der Jungtiere unserer heimischen Wasservögel und natürlich auch anderer Tiere, wie den vom Aussterben bedrohten Fledermäusen erfolgt“, sagt Marion Morcher. Der dringend erforderliche Artenschutz sei das Hauptargument von ÖDP/parteilos gewesen.

Man habe auf geräuscharme Alternativen ausweichen wollen. Das aber sei bei den Begründungen der Verwaltung nicht beachtet worden. „Und wen interessiert denn schon ein Vieh, wenn das eigene Vergnügen an erster Stelle steht“, ärgert sich Morcher.

Antworten der Stadt

Die Stadt hat Antworten auf die Vorwürfe. „Wir haben den Antrag von Frau Dr. Marion Morcher so wie es die Vorgaben für die Einbringung von gestellten Anträgen vorsieht, im Finanz- und Verwaltungsausschuss eingebracht“, schreibt die Stadtverwaltung auf Nachfrage. Und weiter: „In der Sitzungsvorlage erläuterte die Verwaltung ihren Standpunkt.“

Die ÖDP habe die Bedenken hinsichtlich der brütenden Vögel und der Auswirkungen auf die Natur in ihrem Antrag und auch in der Sitzung des Finanz- und Verwaltungsausschuss umfassend vorgetragen, teilt die Pressestelle der Stadt mit. Insofern habe das Gremium die Möglichkeit zu einer Meinungsbildung gehabt.

Ausschuss habe frei entschieden

Die Mitglieder des Finanz- und Verwaltungsausschusses hätten also abwägen und dann abstimmen können, was für sie eine höhere Gewichtung habe, sei es Artenschutz, Umweltschutz, Tradition oder Attraktion des Seehasenfestes. Und die Ausschussmitglieder hätten entscheiden können, ob es auch in Zukunft am Seehasenfest ein Feuerwerk geben wird oder nicht.

„Beim Feuerwerk am Seehasenfest handelt es sich um ein kurzes, regional begrenztes Ereignis von rund 20 Minuten, das unter hoher Sicherheit und von Profis gemacht wird“, schreibt die Stadt.

Thema geht weiter

Marion Morcher will die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Sie will das Thema weiterverfolgen und, wenn es sein müsse, im kommenden Gemeinderat behandeln lassen. Sie führt eine ganze Reihe von Argumenten auf, über die im Einzelnen nie diskutiert worden seien.

„Auch wenn ich den Angaben, die wir bekommen haben, glauben muss, so frage ich mich dennoch, warum es unzählige Publikation zur Schädlichkeit von Feuerwerkskörpern gibt. Die aktuellste, deren Ergebnisse häufig zitiert werden, ist von 2019“, sagt Marion Morcher.

Aus Sicht der ÖDP/parteilos sei es an der Zeit, das Bewusstsein für ein zeitgemäßes Feuerwerk zu wecken und Alternativen aufzuzeigen. Laut Marion Mocher wären das „Licht-Shows und öffentliche Pyro-Spektakel statt prähistorische Feuerwerke mit Zischen und Knalleffekten“.