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Friedrichshafen

Nur mithalten reicht gegen Berlin nicht

Friedrichshafen / Lesedauer: 5 min

Wieder Zweiter. Der VfB Friedrichshafen ist beim Bounce-House-Cup couragiert aufgetreten, musste sich im Finale jedoch dem Berliner Starensemble geschlagen geben.
Veröffentlicht:22.10.2023, 21:00

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Gleiches Finale, gleiches Ergebnis: Auch beim zweiten Bounce-House-Cup haben die Volleyballer des Bundesligisten VfB Friedrichshafen den Titel verpasst. Wie im Vorjahr unterlagen die Häfler am Sonntagabend in der Volksbank-Arena in Hildesheim den Berlin Recycling Volleys mit 0:3 (21:25, 22:25, 18:25). „Es war in den ersten zwei Sätzen knapp, wir haben geführt. Am Ende war Berlin in ein paar Situationen cleverer. Wir müssen noch weiter daran arbeiten, im Ballwechsel und im Satz zu bleiben“, analysierte VfB-Trainer Mark Lebedew im Dyn-Interview.

Wenn es im Volleyball Berlin und Friedrichshafen geht, dann folgt schnell auch das Wort Trophäe. Bei beiden Clubs ist die Sammlung enorm groß, unter anderem haben sie jeweils 13-mal die deutsche Meisterschaft geholt. In den vergangenen zehn Jahren haben lediglich die zwei Volleyballgiganten das Play-off-Finale der Bundesliga erreicht. Und so verwundert es nicht, dass Berlin und Friedrichshafen bisher auch den 2022 gegründeten Bounce-House-Cup dominieren. Schon im Vorjahr standen sich dort die beiden Mannschaften gegenüber ‐ da setzten sich die BR Volleys deutlich mit 3:0 (25:15, 25:23, 25:22) durch. Nun, 2023, gab es die Neuauflage. Berlin räumte die Baden Volleys SSC Karlsruhe (3:1) und die gastgebenden Helios Grizzlys Giesen (3:0) aus dem Weg. Friedrichshafen behielt nach dem Auftaktsieg gegen den VC Bitterfeld-Wolfen am Freitag (3:1) auch am Samstagabend gegen die SVG Lüneburg (3:2) knapp die Oberhand. Somit bereitete das Team dem Co-Trainer Constant Tchouassi ein Geburtstagsgeschenk: Der Kameruner mit französischem Pass ist am Tag des Halbfinales 45 Jahre alt geworden.

Keine Rotation: Lebedew lässt die Erfolgsmannschaft ran

„Wir werden wahrscheinlich sehr müde sein“, sagte VfB-Außenangreifer Tim Peter nach dem Erfolg gegen die SVG Lüneburg, die am Sonntagmittag das Spiel um Platz drei gegen Giesen mit 1:3 verlor. Der 26-Jährige machte dabei allerdings auch klar, Chancen auf den Sieg zu sehen. Lebedew schickte trotz der Belastung weitestgehend die Erfolgsmannschaft der ersten beiden Spiele aufs Feld: Libero Nikola Pekovic, Zuspieler Aleksa Batak, die Mittelblocker Marcus Böhme und Marc-Anthony Honoré, die Außenangreifer Peter und Jan Fornal sowie Diagonalspieler Michal Superlak.

Letzterer glänzte gegen Lüneburg mit einer großen Sicherheit in seinen Angriffen. Superlak war es letztlich auch, der im Tiebreak den Matchball verwandelte. Auf eine ähnliche Leistung von ihm hoffte der VfB natürlich auch am Sonntag im Finale gegen Berlin. Die Aufgabe war noch einmal schwieriger, da die BR Volleys unter anderem mit der Topverpflichtung von Mittelblocker Tobias Krick aufhorchen ließen. Beim VfB kam Aushilfs-Mittelblocker Honoré beim Bounce-House-Cup auf so viel Spielzeit, weil Severi Savonsalmi nach seiner Rückenverletzung noch nicht richtig fit ist und José Israel Masso Alvarez zwar ganz dicht vor einem Wechsel zum VfB steht, aber noch in Kuba festsitzt. Eine interessante Personalie gab es bei Berlin: Der langjährige Häfler und 34-jährige Markus Steuerwald ist seit Sommer Co-Trainer der BR Volleys und stand im Finale hinter Adam Kowalski als zweiter Libero auf dem Spielberichtsbogen.

Nach der ersten Auszeit legt Berlin eine Schippe drauf

Eigentlich sollte es um 18 Uhr losgehen, doch die Partie wurde um 45 Minuten verschoben. Der VfB wirkte in den ersten Minuten sehr frisch und wach. Im Block waren die Häfler sehr präsent. Die Kombination Batak-Superlak funktionierte ausgezeichnet und brachte Friedrichshafen im ersten Satz zwischenzeitlich mit 15:12 in Front. Berlins neuer Trainer und Énard-Nachfolger Joel Banks reagierte mit einer Auszeit. Das wirkte. Jetzt schalteten die BR Volleys einen Gang hoch und rückten die Kräfteverhältnisse gerade. Berlins Außenangreifer Timothée Carle verwandelte den zweiten Satzball zum 25:21.

Im zweiten Satz das gleiche Bild. Wieder hielt Friedrichshafen lange gut mit, ein Schlüssel dafür war die bekannte Blockstärke. Es stand 20:20. Dann endete ein aufregender Ballwechsel sehr unglücklich: Marek Sotola spielte den Ball sanft über das Netz, Batak blieb stehen und Berlin bekam damit den Punkt. Den Siegeswillen strahlte Pekovic aus. Der Serbe war in dieser Situation sehr unzufrieden mit seinem Zuspieler und schnauzte ihn an. Friedrichshafen schaffte danach zweimal den Ausgleich zum 22:22. Aber am Ende hatten die Häfler das Nachsehen. Ruben Schott gelang ein energischer Punkt zum 25:22.

Berlin wollte es nun klarmachen und schaffte das auch in dominanter Art und Weise. Der VfB hatten der hohen Qualität der Hauptstädter nur noch wenig entgegenzusetzen ‐ die Belastung vom Vortag machte sich bemerkbar. Es kam keinerlei Spannung mehr auf. Lebedew gab noch ein paar anderen Volleyballern Einsatzzeit. Am längsten durfte Simon Kohn ran, zudem mischten auch Savonsalmi und Jackson Young noch mit. Sotola besiegelte mit seinem Angriffsschlag zum 25:18 den 3:0-Sieg für die BR Volleys.

Ruben Schott lobt Friedrichshafen

„Die Erwartungshaltung ist auch dieses Jahr immens. Der Favoritenrolle sind wir gerecht geworden“, freute sich Berlins Kapitän Schott über den ersten Titel der Saison. Er zollte dem VfB für die Leistung aber durchaus Respekt. „Friedrichshafen hat gut dagegengehalten. Gerade in der Block-/Feldabwehr“, so Schott.

Berlin startet am Freitagabend in der Max-Schmeling-Halle gegen Giesen (20 Uhr) in die neue Bundesligasaison. Der VfB gastiert am Samstag um 18.30 Uhr beim Aufsteiger FT 1844 Freiburg.