Bundesstraße

Neue Maut wird B31 kaum entlasten

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

CDU-Bundestagsabgeordneter: Verkehrslage entspannt sich – Experte und Kreis zweifeln
Veröffentlicht:29.05.2016, 17:39
Aktualisiert:23.10.2019, 15:00

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Mit der Ausweitung der Lkw-Maut ab 2018 sollen künftig weniger Lastwagen auf Bundesstraßen im Bodenseekreis fahren. Das sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete Lothar Riebsamen. Beim Bodenseekreis und bei einem Experten der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen sieht man das anders: Demnach wird die Maut nur geringe Auswirkungen auf den Lastwagenverkehr in der Region haben.

Täglich durchqueren tausende Lkw hauptsächlich auf der B31 den Bodenseekreis, heißt es in einer Mitteilung von Lothar Riebsamen: „Mit der Maut auf Bundesstraßen werden diese wieder entlastet, da es sich für den Lkw nicht mehr lohnt, die Autobahnen zu umfahren“, sagt er. So soll sich künftig, wenn Lastwagen nicht mehr nur auf Autobahnen eine Maut zu entrichten hätten, eine „Verbesserung der Verkehrssituation im Bodenseekreis“ ergeben.

Schneller ist die Schweiz

Genaue Zahlen, in welchem Maße die Maut zu einem Rückgang des sogenannten Ausweichverkehrs beiträgt, konnte das Büro Riebsamens in der vergangenen Woche auf SZ-Anfrage nicht liefern. Es sei allerdings offensichtlich, dass die Tausenden Lkw, die täglich die B31 und B30 nutzen würden, „nicht alle Güter im Bodenseekreis auf oder abladen“, so ein Sprecher Riebsamens. Laster, die beispielsweise aus Italien nach Frankreich wollten, würden derzeit die Route über das Bodenseenordufer nutzen. Kürzer sei aber der Weg über die Autobahnen der Schweiz . Für Lkw, die aus Österreich Richtung Norden unterwegs sind, werde es attraktiv, die A7 und A8 zu wählen.

Was klingt wie ein jahrzehntelang für die Region herbeigesehnter Segen, dürfte im Detail allerdings weniger drastisch Verbesserungen haben, als von Lothar Riebsamen erhofft: „Es wird eine Verlagerung auf die Autobahn zurückgeben. Aber nur von denen, die bislang wegen der Lkw-Maut einen Umweg auf sich genommen haben“, sagt Wolfgang H. Schulz , Verkehrsexperte der Zeppelin-Universität. Das sei ohne jenen Verkehr gedacht, der ohnehin Start oder Ziel in der Region habe: „Man bekommt niemanden von der Straße herunter, der eh in der Region verankert ist.“

Wegen der hohen Zahl an Produktionsbetrieben und dem starken Handel innerhalb der Region erwartet Schulz daher allenfalls „eine geringe bis mittlere Entlastung“ der hiesigen Bundesstraßen durch die neue Maut. „Die große Frage ist, ob dieser Rückgang spürbar ist“, so Wolfgang H. Schulz weiter. Selbst wenn es eine spürbare Entlastung zu Belastungsspitzen geben sollte, sei der Verkehr in den vergangenen Jahren insgesamt deutlich gewachsen. Das stelle neuerliche Verbesserungen zusätzlich in Frage.

2088 Lastwagen täglich

So sieht es auch das Landratsamt Bodenseekreis, dass die SZ jetzt mit Zahlen zur Verkehrsbelastung der B31 versorgt hat. Auch Landratsamtssprecher Robert Schwarz bezweifelt, dass die neue Maut mehr als nur geringe Rückgänge des hiesigen Lkw-Verkehrs bewirken dürfte. Auch er nennt unabhängig von Schulz den allgemein gewachsenen Verkehr als zusätzliches Hemmnis.

So passierten im Jahr 2004, vor Einführung der Lkw-Maut auf Autobahnen, täglich etwa 1667 Lastwagen eine Zählstelle des Regierungspräsidiums zwischen Meersburg und Hagnau. 2005, mit Maut, waren es dann 1720 Lastwagen, 3,2 Prozent mehr. Zwischenzeitlich passieren zwar 2088 Lkw täglich die Zählstelle, doch lag der Anteil des Lastwagenverkehrs seit 2004 immer recht stabil zwischen knapp neun und elf Prozent. Das bedeutet: Die Verhältnisse zwischen Pkw und Lkw auf den Straßen haben sich hierzulande kaum geändert.

Und noch ein weiterer Effekt dürfte Riebsamens Freude an der neuen Maut einschränken: Die Auswirkung auf die regionale Wirtschaft. Ein Unternehmen, dass bisher nur lokale Bundesstraßen genutzt hat, zum Beispiel ein lokaler Getränkehändler, wird künftig ebenfalls Maut bezahlen müssen. Laut Verkehrsexperte Schulz dürfte das seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Großhändlern, die schon seit Jahren mit Maut kalkulieren müssen, empfindlich einschränken.