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Nabu: „Hetzjagd auf den Kormoran“ nicht zielführend

Konstanz / Lesedauer: 2 min

Der Kormoran ist Naturschützern zufolge nur bedingt für den Rückgang von Fischbeständen im Bodensee verantwortlich. Der Nabu sieht die eigentlichen Ursachen woanders.
Veröffentlicht:01.11.2023, 05:24

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Der Kormoran ist Naturschützern zufolge nur bedingt für den Rückgang von Fischbeständen im Bodensee verantwortlich. „Wir haben eine tiefgreifende ökologische Veränderung am Bodensee, die dazu führt, dass sich die Fischbestände in einer Art und Weise entwickeln, wie wir es bisher nicht gekannt haben“, sagte Eberhard Klein vom Naturschutzbund (Nabu) in Konstanz. Dazu komme ein stückweit der fischfressende Vogel. „Aber die eigentlichen Ursachen sind die Klimaerwärmung, Veränderungen im Artengefüge und im Nährstoffgehalt.“ Einem internationalen Kormoran-Management erteilte der Nabu eine Absage.

Fischer am Bodensee fordern seit Jahren ein schärferes Vorgehen gegen den Kormoran, weil sie die steigende Zahl der Vögel als Konkurrenz bei immer geringeren Fangmengen sehen. Gut ein halbes Kilo Fisch können die Zugvögel am Tag verspeisen, während die Netze der Fischer immer leerer werden. Naturschützer lehnen Abschüsse der vor wenigen Jahrzehnten noch gefährdeten Zugvögel dagegen weitgehend ab.

Eine „Hetzjagd auf den Kormoran“ würde nur dazu dienen, die Fischerei zu beruhigen, sagte Klein. Fischartenschutz müsse aber das Ziel sein. Dem Bestand etwa der Äsche könne ein zeitlich begrenzter, punktueller Kormoran-Abschuss unter Umständen helfen. Dafür sei man offen.

Aber ein systematischer Abschuss hätte laut Klein auch Auswirkungen auf viele andere Vogelarten. Der Bodensee sei bedeutend im winterlichen Vogelschutz. Die Reduktion der Kormoran-Bestände dürfe nicht das Ziel sein.

Zuständig bei der Frage nach einem Kormoran-Management sind das Landwirtschafts- und das Umweltministerium in Baden-Württemberg. Ein monatelanger Dialogprozess zu dem Thema war im September zu Ende gegangen. Fachleute von Behörden und Verbänden aus den unterschiedlichsten Bereichen und aus den Anrainerstaaten hatten sich mit dem Thema befasst. Konkrete Handlungsempfehlung folgten daraus aber nicht.