Hallenturnier

„MTU-Cup? Kennt im Ruhrgebiet jeder junge Spieler“

Friedrichshafen / Lesedauer: 6 min

Wieso Zweitliga-Legende Willi Landgraf, Schalkes U15-Trainer, so gerne zum Turnier nach Friedrichshafen fährt
Veröffentlicht:06.12.2015, 23:30
Aktualisiert:23.10.2019, 20:00

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„Es ist nicht irgendein Hallenturnier für Jugendfußballer, es ist der MTU-Cup.“ Der Satz klingt nach Werbung, stammt aber von Willi Landgraf, dem Coach der U15-Mannschaft von Schalke 04 . Landgraf weiß, dass sich seine Jungs auf die zwei Tage in Friedrichshafen freuen. Schließlich tritt heute und am Sonntag beim MTU-Cup neben lokalen Nachwuchsteams aus Friedrichshafen, Kluftern oder Eriskirch auch die Elite des deutschen und europäischen Nachwuchsfußballs in der ZF-Arena an. Bei der 13.Auflage sind unter anderem der FC Barcelona, Bayern München, Manchester United, Borussia Dortmund, Juventus Turin, der VfB Stuttgart, der AC Mailand und Besiktas Istanbul dabei.

Vor dem Turnier sprach Jochen Schlosser mit Zweitliga-Legende Landgraf über Schalkes Nachwuchsarbeit, seinen Assistenten Gerald Asamoah und das renommierte U15-Turnier am Bodensee.

Herr Landgraf, Sie freuen sich schon auf den MTU-Cup ...

Klar, es ist auch einfach das beste Hallenturnier in Europa! In Friedrichshafen sind alle Spitzenklubs mit ihren U15-Mannschaften vertreten. Das ist eine sehr reizvolle Aufgabe.

Und für die jungen Spieler ist es gewiss etwas Besonderes, gegen den FC Barcelona , Juventus Turin oder Manchester United zu spielen.

MTU-Cup? Kennt hier im Ruhrgebiet jeder junge Spieler. Fragen Sie mal Julian Draxler oder Joel Matip, egal wen! Meine Jungs fragen mich: „Wann ist Friedrichshafen?“ Um dabei sein zu können, müssen wir jedes Jahr ein Liga-Spiel verschieben. Aber das machen wir gerne.

Aber es ist dennoch keine reine Spaßveranstaltung, oder?

Nein, hier gilt es zu beweisen, wer die beste Jugendarbeit hat. In der Halle kann man außerdem tatsächlich viele Dinge erkennen: Cleverness beim Eins-gegen-eins, Klasse bei der Ballbehandlung – und auch, wie viel Wucht einer mitbringt. Für uns Trainer ist es außerdem spannend zu sehen, welche Spieler bei den anderen Teams auffallen – auch bei jenen aus dem Ausland.

Klingt, als wäre nicht überall nur Spitzenklasse vertreten ...

In jeder Mannschaft sind ein, zwei, maximal vier Spieler dabei, die herausragen. Auch bei Barça, das ja mit zwei Teams beim MTU-Cup antritt, sind nicht nur Überflieger dabei.

Generell gilt die U15 ja als Umbruchjahrgang beim Jugendfußball. Es kristallisiert sich heraus, wer das Potenzial zum Profi hat.

Hier trennt sich tatsächlich die Spreu vom Weizen. Dies ist eines der wichtigsten Jahre, der Übergang in den Leistungsbereich. Aber es sind gewiss auch einige dabei, die alle Fähigkeiten mitbringen, sie jetzt aber noch nicht abrufen. Das kann auch erst in der U17 oder U19 passieren. Deshalb ist es zu früh, in so jungen Jahren schon vom Profifußball zu sprechen.

Sie selbst waren sehr lange Profi, sind nun seit 2009 Jugendtrainer bei Schalke 04. Was hat sich im Vergleich zu früher verändert?

Vor allem die Athletik! Die Jungs sind schon sehr weit, das Tempo in Spitzenspielen ist extrem hoch.

Und die Taktikschulung?

Es geht tatsächlich vor allem um Räume: freie Räume, die ich auch als junger Spieler erkennen muss. Das richtige Timing ist entscheidend, also wann und wie ich in diese Räume vorstoßen muss. Außerdem wird nicht mehr positionsbezogen trainiert. Ein rechter Verteidiger etwa muss heutzutage auch ein Sechser sein können, er bleibt nicht mehr hinten stehen. Das Spiel ist variabler geworden.

Dennoch träumen Ihre Spieler gewiss davon, der nächste Julian Draxler, Max Meyer oder Leroy Sané zu werden. Doch das schaffen am Ende dann doch nur die wenigsten ...

Wie viel Prozent kommen durch? Eins, vielleicht zwei! Unser Hauptaugenmerk bei Schalke 04 liegt daher auf einer ganzheitlichen Ausbildung. Das ist das A und O. Denn so eine Karriere kann zum Beispiel durch eine Verletzung schnell vorbei sein. Außerdem: Talent allein reicht nicht! Hinterher entscheidet – neben einem Quäntchen Glück – vor allem die Einstellung und die Leidenschaft.

Bei Schalke scheint es derzeit aber ganz gut zu funktionieren.

Das ist bei uns nicht ganz so einfach, da wir uns in einem Ballungsgebiet mit sehr vielen konkurrierenden Vereinen bewegen. Daher herrscht ein großer Konkurrenzkampf schon im Nachwuchsbereich. Hier in der Umgebung gibt es auch noch Borussia Dortmund, den 1. FC Köln, Bayer Leverkusen, Gladbach, Düsseldorf, Bochum – und wie sie alle heißen.

Das heißt, Sie müssen Überzeugungarbeit leisten ...

Ja, das ist auch meine Aufgabe als Trainer. Ich muss einen jungen Spieler von der Philosophie des Vereins überzeugen – und es muss einfach emotional passen zwischen mir und dem Spieler.

Außerdem können Sie damit werben, dass Sie einen bekannten Assistenten haben: Gerald Asamoah.

Klar, den Asa kennt jeder! Er ist eine Bereicherung für uns. Asa ist hier aber gewiss nicht nur der Spaßvogel, er geht die Sache sehr ernst an, vor allem die Stürmer profitieren von ihm. Insgesamt hebt er den Stellenwert der U15 des FC Schalke 04.

Und Sie selbst? Sie galten nie als Ausnahmetechniker, Ihr Spitzname war „Willi das Kampfschwein“, Sie haben neun Rote Karten erhalten. Müssen Sie sich hin und wieder flapsige Sprüche der Jungs gefallen lassen?

Die Jungs wissen schon, was ihr Trainer früher gemacht hat. Ich war nie das größte Talent, aber ich hatte diesen unbedingten Willen: Ich wollte in jedem Training, in jedem Spiel ans Limit gehen. Das ist das Entscheidende – nicht, ob einer groß, dünn oder dick ist. Gerne sage ich: „Der Trainer ist nicht groß, aber er ist seinen Weg gegangen.“

Und das wollen Sie Ihren jungen Spielern nun auch vermitteln ...

Klar, denn es kann ja durchaus ein harter, steiniger Weg werden. Außerdem darf man dabei nie vergessen: Es sind noch Kinder. Sie sollen Freude am Training haben. Ich habe zwar eine klare Linie, aber ein Diktator will ich nicht sein. Ich bin ja nicht nur Trainer, ich bin Psychologe, ich bin Vater- und Mutterersatz. Ergebnisse sind natürlich wichtig, aber es ist selbstverständlich, dass Fehler passieren dürfen. Ich möchte, dass die Spieler hinterher sagen: Da gibt es ein paar Dinge, die mir der Landgraf mitgegeben hat.

Der 13. MTU-Cup findet heute und am Sonntag (jeweils ab 8.30 Uhr) in der ZF-Arena in Friedrichshafen statt. Weitere Informationen zum internationalen U15-Turnier finden Sie unter mtu-hallencup.de.

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