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Dieser Youngster verkauft Oldtimer - für 40 Millionen Euro im Jahr

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Ein Absolvent der Zeppelin-Uni hat eine Plattform gegründet, auf der Autos bis in die USA verkauft werden. Ohne Studium am Bodensee hätte es die Firma wohl nie gegeben.
Veröffentlicht:13.11.2023, 12:00

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Die Zeppelin-Universität (ZU) in Friedrichshafen hat ein erfolgreiches Start-up hervorgebracht: Der ehemalige Student Moritz Helbich (26) gründete die Online-Auktionsplattform „Kickdown“, auf der Liebhaber von Oldtimern ihre Wagen kaufen und verkaufen ‐ in diesem Jahr bereits für insgesamt 40 Millionen Euro. Das Unternehmen ist in Hamburg ansässig, die Zeit am Bodensee hat den Gründer aber stark geprägt.

Mehr als 30.000 registrierte Nutzer aus ganz Europa hat „Kickdown“ nach eigenen Angaben sowie jüngst eine Million Euro von Privatinvestoren erhalten. Eine Erfolgsgeschichte, bei der die Universität am Bodensee eine wichtige Rolle spielt, sagt Helbich, der bis 2020 Wirtschaftswissenschaften studierte und das Unternehmen im selben Jahr gründete.

Denn an der ZU sei man offen für Neues, es gebe einen „Raum, Ideen zu kommunizieren“. Während des Studiums beschäftigte sich Helbich in einem Forschungssemester mit dem Oldtimermarkt.

Wagen werden überprüft

Außerdem arbeitete Helbich für eine Firma in Hamburg, dessen Chef für sich selbst auf der Suche nach einem ganz bestimmten Auto war. Eine solche Handelsplattform, bei der sich Verkäufer und Käufer praktisch um nichts kümmern müssen, habe es aber damals in Deutschland nicht gegeben. Also entschlossen sich Helbich und sein damaliger Chef, daraus ein Geschäftsmodell zu machen und gründeten „Kickdown“.

Das Besondere an „Kickdown“: Im Gegensatz zu anderen Plattformen überprüft das Unternehmen die angebotenen Wagen. Ein Netzwerk aus rund 500 Fotografen in ganz Deutschland macht es möglich. Diese besuchen den Verkäufer, machen bis zu 200 Fotos des Old- oder Youngtimers und achten dabei auf Mängel.

Eine technische Überprüfung finde aber nicht statt, so Helbich, denn dann müsste seine Firma für Mängel haften. Der Verkäufer hat einen persönlichen Ansprechpartner, mit dem ein realistischer Verkaufspreis ermittelt wird. Das Inserat schreibt ein Redakteur, die Auktion dauert sieben bis zehn Tage. Nach dem Verkauf erhält „Kickdown“ eine Provision.

Ab 10.000 Euro geht es los

Die meisten Autos werden laut Helbich in Großstädten wie Stuttgart oder München angeboten, die Kunden kämen hingegen aber auch aus dem Ausland. Bei Bedarf organisiert das Start-up den Transport, jüngst seien etwa Fahrzeuge in die USA und die Vereinigten Arabischen Emirate geliefert worden. Helbich betont, Old- oder Youngtimer seien nicht nur etwas für reiche Leute, sondern für alle Liebhaber von Automobilen.

Auf der Auktionsplattform würden die unterschiedlichsten Modelle angeboten, vom klassischen Porsche über eine Mercedes C-Klasse bis hin zum Golf GTI. Die Oldtimer kosten laut Helbich meist zwischen 40.000 und 100.000 Euro, manche Modelle gibt es aber auch schon für 10.000 Euro.

Mittlerweile gebe es immer mehr junge Menschen, die sich für Oldtimer interessierten. Helbich selbst hat sich bereits als Kind für Autos interessiert, etwa im Familienurlaub auf der Autobahn eine Strichliste geführt, wie viele Porsches und Ferraris an ihm vorbeigefahren sind. 2021 erfüllte er sich dann einen Traum, als er sich einen Porsche 944 mit Klappscheinwerfern kaufte.

Der Bodensee fehlt ihm

Die Vision ist nun: die Auktionsmärkte in Europa zu erobern und sich langfristig am Markt zu etablieren. Aber auch mal wieder den See besuchen möchte Gründer Helbich. Er erinnere sich gerne an die „unbeschwerte Zeit“ an der ZU. „Ich habe den Bodensee in mein Herz geschlossen“, sagt er und ergänzt: „Landschaftlich vermisse ich es total.“