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Michael Steinmaßl: „Ich will die eigene Jugend fördern“

Friedrichshafen / Lesedauer: 4 min

Der Trainer des VfB Friedrichshafen möchte den Club auch mit eigenen Nachwuchsspielern wieder auf Kurs bringen. Außerdem plant er im Sommer eine Kaderverschlankung.
Veröffentlicht:09.02.2024, 06:00

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In der Saison 2023/2024 hinkt der VfB Friedrichshafen seinen eigenen Ansprüchen bisher extrem hinterher. Platz zehn in der Fußball-Landesliga ist nicht das, was sich die Häfler vorstellen. Seit sechs Spielen hat Trainer Michael Steinmaßl das Sagen. Unter der Regie des Nachfolgers von Giovanni Rizzo gab es drei Siege und drei Niederlagen. Der VfB setzt auf ihn und verlängerte in der Winterpause Steinmaßls Vertrag bis 2025. Start in die Restrunde ist am Samstag, 9. März, mit dem Heimspiel gegen den SV Baindt. Im Interview mit Nico Brunetti verrät der 48-jährige Chefcoach, wie er die Häfler wieder auf Kurs bringen will.

Herr Steinmaßl, Sie haben in der Winterpause einer Vertragsverlängerung beim VfB Friedrichshafen zugestimmt. Warum?

Der Verein wollte Planungssicherheit haben, dass die Spieler Bescheid wissen. Ich habe mir dann zwei, drei Wochen Bedenkzeit erbeten, ich wollte noch ein paar Dinge abklären, und habe dann zugesagt. Das ist eine logische Folge der guten Gespräche mit den Verantwortlichen. Für mich ist das eine sehr interessante und spannende Aufgabe.

Die Erwartungen an Ihre Person sind groß. Sie sollen den VfB Friedrichshafen wieder in die Erfolgsspur bringen. Ihnen ist aber auch noch etwas anderes wichtig.

Ich will die eigene Jugend fördern, junge Spieler entwickeln und ihnen mehr Einsatzzeit geben. Der VfB Friedrichshafen soll dafür stehen, dass die jungen Spieler eine Chance kriegen.

Dazu passt auch eine Maßnahme in der Winterpause. Sie haben Arber Shala aus den A-Junioren hochgezogen. Er soll mithelfen, den Abgang von Stürmer Sascha Hohmann zum SV Oberzell zu kompensieren. Genauso wie Alessio Genua, der nun wieder dabei ist, nachdem er sich Mitte der Hinrunde wegen geringer Einsatzzeiten freiwillig verabschiedet hatte. Wie ist es zu seiner Rückkehr gekommen?

Sandro (Sandro Musso, Sportlicher Leiter beim VfB, Anm. d. Red.) hat die Initiative erfasst. Die beiden haben sich ausgesprochen, Alessio bekommt die Chance. Er ist heiß und willig. Ich glaube schon, dass er die Qualität hat, wenn er sich in der Gruppe einordnet. 33 Tore in der Kreisliga (Saison 2022/2023, Anm. d. Red.) musst du erst mal schießen.

Mit Joshua Merz von SW Bregenz werden Sie im Laufe der Rückrunde eine weitere Option im Angriff erhalten, sobald er seinen Kreuzbandriss überwunden hat. Hohmann und Salvatore Cifonelli (SpVgg Lindau) sind im Winter dagegen gegangen. Aus welchen Gründen?

Salvo hat drum gebeten, weil der Aufwand für ihn zu groß war. Er wollte näher bei seiner Familie sein. Er wohnt in Lindau, seine Leidenschaft ist Fußball - das lief völlig fair. Sascha war fest entschlossen, wir haben es probiert ihn umzustimmen, aber der Deckel war schon drauf. Ich bin ein bisschen traurig drüber. Er war im Kommen und ich habe ihm die Stange gehalten, auch wenn er manchmal die Leistung nicht gebracht hat. Um Neuzugänge haben wir uns bemüht, aber im Winter ist es sehr schwierig. Das haben wir schnell abgehakt.

Der Kader, wie er ist, gefällt Ihnen so nicht und Sie möchten ihn im Sommer dringend anpassen. Was stört Sie?

Wir haben 25 Spieler in der Kaderliste, ein Riesenangebot an Spielern. Das ist auf der einen Seite schön, auf der anderen Seite hast du viele unzufriedene Spieler. Optimal sind für mich 18 Feldspieler plus zwei Torhüter, plus jeweils zwei Perspektivspieler U23 und U19.

Und es macht es nicht gerade leicht, einen hohen Teamgeist zu erzeugen. Wie wollen Sie diesen in der Restrunde dennoch verstärken?

Wir werden es über das Training machen, es wird viele Übungen geben, wo der Zusammenhalt gefordert wird, man sich gegenseitig helfen muss. Wir haben uns zu wenig und zu selten als Mannschaft präsentiert. Nur in Harthausen (2:0-Sieg, Anm. d. Red.) haben wir das gesehen, so muss es immer sein.

Mit welchen Zielen gehen Sie die Restrunde in der Fußball-Landesliga an?

Wir wollen schon in jedem Spiel Begeisterung auf den Platz bringen und relativ schnellen Fußball spielen, um zielstrebig ins letzte Drittel zu kommen, dass die Spieler ins Eins-gegen-Eins gehen können. Sebir Elezi ist da sensationell gut, er ist ein Unterschiedsspieler und muss noch mehr Scorerpunkte machen. Wir wollen Punkte sammeln, uns von hinten verabschieden.

Neben den Qualitäten Elezis sind Sie auch von Marcel Scheuböck und Kapitän Marian Pfluger als Mittelfeldduo überzeugt. Wie sehen Ihre personellen Überlegungen ansonsten noch aus?

Ich denke, mit der Mannschaft musst du viele Offensivkräfte einsetzen. Wir sind da variabel mit Shala, Genua, Patrick Berlet, Mulai Danfa Fati, Pascal Booch und Erbas Emirhan, der immer besser in Fahrt gekommen ist. Und ich hoffe, dass Sebir und Eugen Strom gesund bleiben. Valerio Cifonelli kann Mitte Februar einsteigen. Grundsätzlich haben alle Spieler die Chance, sich zu zeigen. Jetzt geht das Ganze bei null los.

Der Testspielauftakt war mit dem 5:1 gegen den TuS Immenstaad erfolgreich. Was macht Sie sonst noch zuversichtlich für den Rest der Saison?

Die Jungs sind in der Winterpause sehr fleißig gewesen und haben ihre Laufpläne umgesetzt. Sie haben Lust. Ja, wir brauchen Automatismen, Abläufe, die kann man nirgends besser einstudieren als im Training. Die Testspiele habe ich von Giovanni übernommen. Ich hätte gerne zwei höherklassige Gegner gehabt, die waren jetzt aber schon alle voll mit Spielen. Wir müssen in den Tests zeigen, dass wir besser sind. Die Teams stehen tief, das erwartet uns auch öfter in der Liga. Wir brauchen Lösungen, ohne die Restverteidigung zu vernachlässigen. Das Immenstaad-Spiel war ein guter Anfang.


Der VfB Friedrichshafen hat seinen ersten Test auf dem heimischen Kunstrasen am vergangenen Samstag (5:1 gegen den TuS Immenstaad) erfolgreich bestritten. In der Wintervorbereitung folgen nun noch die vier weiteren Heimspiele gegen den TV Weingarten (Freitag, 9. Februar, 20 Uhr), den SV Kressbronn (Samstag, 17. Februar, 14 Uhr), den FC Lauterach aus Österreich (Samstag, 24. Februar, 14 Uhr) und den TSV Ratzenried (Samstag, 2. März, 15 Uhr).