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Fake-News: Meldungen zu Hundegiftködern in Sozialen Medien sind oft erfunden

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Polizei warnt vor Fake-News in Social-Media-Kanälen im Internet – Viele Hinweise unbegründet
Veröffentlicht:23.02.2022, 19:00
Aktualisiert:24.02.2022, 08:27

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„Unten am See liegen Giftköder, pass auf, wenn du mit dem Hund gehst“ – das postete ein User Anfang Januar auf Facebook . Ähnliche Warnungen in den Sozialen Netzwerken finden sich immer wieder. Eine Nachfrage bei der Polizei hat ergeben, dass die meisten dieser Hinweise unbegründet sind. Im Gegenteil, die Polizei warnt in diesem Zusammen vor „Fake News“ von Menschen, die die Absicht verfolgen, andere zu beunruhigen.

Aktuell liegt der Polizei im ganzen Gebiet des Polizeipräsidiums Ravensburg keine Strafanzeige wegen Giftködern in Hundeknochen vor. Das sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Hinweise auf vermeintliche Giftköder erreichten die Polizei aber immer wieder.

„Im Jahr 2020 wurden etwa 20 derartige Fälle beim Polizeipräsidium Ravensburg angezeigt, im Jahr 2021 waren es 14 Fälle“, sagt der Sprecher. In den seltensten Fällen habe sich dabei der Verdacht bestätigt. Meist handle es sich um unsachgemäß entsorgte Lebensmittel, die fälschlicherweise als Giftköder fehlinterpretiert werden. So sei es auch gewesen bei einem aktuellen Fall aus Friedrichshafen-Berg, der der Polizei Anfang Januar mitgeteilt wurde.

Sandfarbene Tabs keine Giftköder

Ein weiterer Fall ereignete sich am 24. Januar: Dabei wurden laut Polizei dem Revier Friedrichshafen „drei am Kriegerdenkmal aufgefundene sandfarbene Tabs mit eingeprägten Buchstaben abgegeben, die beim Finder den Anschein von Giftködern erweckten“.

Laut Polizei hatte er zuvor von einem angeblichen Vorfall mit Giftködern in Hundeknochen gehört. Eine Abklärung unter anderem mit dem Veterinäramt brachte laut Polizei zwar keine Klärung, um was es sich bei den Gegenständen tatsächlich gehandelt habe, „Giftköder wurden aber auch hier aufgrund der Beschaffenheit nahezu ausgeschlossen und deshalb keine weitere Untersuchung veranlasst“, sagt der Sprecher.

Tierquälerei anzeigen

Giftköder, die vorsätzlich dazu präpariert und gezielt ausgelegt wurden, Tiere mutwillig zu verletzen, könnten laut dem Sprecher unter den Straftatbestand der Tierquälerei fallen. Jede Polizeidienststelle in Baden-Württemberg nehme Anzeigen wegen Tierquälerei entgegen.

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Die Bearbeitung dieser speziellen Sachverhalte erfolge beim Polizeipräsidium Ravensburg in der Regel zentral durch den Fachbereich Gewerbe/Umwelt. „Wir raten daher dazu, derartige Feststellungen auf jeden Fall anzuzeigen, um insbesondere auch erkennen zu können, ob sich in einer bestimmten Region derartige Fälle häufen“, sagt der Sprecher weiter.

Neben einer gezielten Warnung vor derartigen Gegenständen könne dann möglicherweise auch eine Eingrenzung von potenziellen Tatverdächtigen erfolgen.

Posts oft „reine Fake News“

Was Posts in den sozialen Medien betrifft, rät die Polizei zur Vorsicht. In der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle handle es sich bei derartigen Veröffentlichungen um „reine Fake News mit dem einzigen Ziel, bei der Community eine massive Beunruhigung hervorzurufen – aus welchen Gründen auch immer“, sagt der Polizeisprecher. „Und leider springt die Community auch immer gleich darauf an, indem derlei Beiträge schnell und unüberlegt geteilt werden, ohne die Hintergründe zu hinterfragen.“ Aus der Intention heraus, andere zu warnen.

Tiere und Kinder, und die Sorge um selbige, generieren stets einen entsprechenden Aktionismus in Social Media.

Polizeisprecher

Analog dazu seien Postings von angeblichen „Kindesentführungen“ zu sehen, bei denen etwa vor „einem grauen VW-Bus“ gewarnt wird, welcher vor einer bestimmten Schule dabei beobachtet wurde, wie der Fahrer Kinder angesprochen und zum Einsteigen bewegt oder diese sogar ins Fahrzeug gezerrt haben soll.

Auch diese Nachrichten seien in aller Regel völlig gegenstandslos – „aber Tiere und Kinder, und die Sorge um selbige, generieren stets einen entsprechenden Aktionismus in Social Media und damit auch Reichweite“.