Neujahrsempfang

Kritische Betrachtung der Lage in Fischbach

Friedrichshafen / Lesedauer: 5 min

Die Bundesstraße, der Uferweg und andere Dinge, die in Fischbach nicht so richtig funktionieren, waren Thema. Die unterhaltsame Rückschau hielt Dietmar Nützenadel.
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Neujahrsempfang in Fischbach – das war am Sonntag für viele Fischbacher nach der Pause in der Pandemie eine wunderbare Gelegenheit, in der Festhalle mal wieder miteinander zu reden. Oberbürgermeister Andreas Brand brachte es auf den Punkt: „Da hat uns schon saumäßig etwas gefehlt.“ Zuvor hatte der Sprecher der Fischbacher Runde, Dietmar Nützenadel, einen kritischen Blick in die jüngere Vergangenheit des westlichen und größten Ortsteils der Stadt Friedrichshafen geworfen.

Dabei kam er zu dem Ergebnis, Stadt und Gemeinderat machten „einen super Job“, stellte aber auch fest, dass in Fischbach eine Perspektive fehle.

Gelungene Sporthalle

Das zeigte er an mehreren Beispielen. Die Themen des Ortsteils im Blick zu halten, sei nicht einfach. Fischbach, Manzell und Spaltenstein hätten einiges erlebt. Positiv erwähnte er die neue Sporthalle in Fischbach, deren Eröffnung im Mai 2021 gezeigt habe, dass diese Halle „in allen Punkten gelungen“ sei.

Fehlende Bahnunterführung

Ganz anders die geplante Bahnunterführung. Die sollte erneut verschoben werden und erst ein offener Brief habe dazu geführt, dass der Gemeinderat eine zügige Umsetzung gefordert habe. Jetzt komme das Bauvorhaben wohl im Jahr 2025. Oberbürgermeister Andreas Brand erklärte später die zeitliche Dimension dieser Maßnahme auch mit den Planungsgewohnheiten der Deutschen Bahn, die dafür die Strecke sperren müsste. Das gehe nicht so schnell.

Zu enge Straße

Dietmar Nützenadel erwähnte auch den holprigen Weg, den die Planung der neuen Kita genommen habe. Und er wies auf die Veränderungen der Verkehrssituation in Spaltenstein hin, wo seit der B 31-neu eine zu enge Straße den Anliegern Sorgen mache. Seit 2019 sei dort eine Querungshilfe geplant, um den Verkehr zu beruhigen, die sollte schon 2020 fertig geworden sein.

Kein Uferweg West

Den Uferweg West nannte Nützenadel als Projekt, das wohl in weiter Ferne liege. Im Zusammenhang mit dem ebenfalls noch nicht begonnenen Rückbau der ehemaligen Bundesstraße, die durch den Ort führt, könne dieses Unterfangen neu überdacht werden, da seien noch einige Punkte zu klären. „Wer sich an den Erfolg des Uferwegs Ost erinnert, möge sich schnell für den Uferweg West stark machen“, sagt er.

Mietnomaden mit Flügeln

Und auch die Zeppelinstraße 300, das Gebäude, das abgerissen werden und an dessen Stelle ein neues Seniorenwohnheim gebaut werden soll, sei nicht weitergekommen, weil es dort „Mietnomaden“ gebe. Gemeint waren die Mehlschwalben, die die alternativen Brutstätten bislang nicht alle angenommen hätten. Von den 75 Paaren seien erst 40 umgesiedelt. Dietmar Nützenadel sieht den Abriss und Neubau als notwendig an, da ältere Menschen unbedingt die Möglichkeit bekommen sollten, im Quartier leben zu können.

Müde machende Arbeit

Durch die neue Bundesstraße sei es sicherlich ruhiger geworden, trotzdem habe man das Gefühl, der Verkehr nehme wieder zu. „Wir müssen die ehemalige B 31 schnell zurückbauen“, sagte er und verwies auf den Architektenwettbewerb und die Bürgerbeteiligungen. Die aber würden oftmals tief in die Schubladen sinken. Nützenadel zitierte Marie von Ebner-Eschenbach: „Müde macht uns die Arbeit, die wir liegenlassen, nicht die, die wir tun.“

Bessere ÖPNV-Anbindung

Mit Blick in die Zukunft wünschte sich Dietmar Nützenadel unter dem Beifall der Gäste in erster Linie eine bessere ÖPNV-Verbindung vor allem von Süd nach Nord. Er erinnerte aber auch an die Bedeutung des Ehrenamtes in diesem Ort und zeigte einen Film, in dem Vereinsvertreterinnen und -vertreter zu Wort kamen. Deren Arbeit sei durch die Pandemie nicht leichter geworden, weil viele Menschen den Vereinen den Rücken gekehrt hätten. „Vieles funktioniert ohne Ehrenamt nicht“, rief er dazu auf, sich zu engagieren.

Kurzes Provisorium

Oberbürgermeister Andreas Brand fasste sich kurz. Er lobte ebenfalls das Ehrenamt und dankte allem, die sich hier engagieren. Das sei nicht bezahlt, weil es unbezahlbar sei.

Was die Verkehrsberuhigung der alten B 31 angehe, so meinte er, man solle sich auch mal selbst an die Nase fassen. Die beste Verkehrsberuhigung sei die im August 2021 eröffnete B 31-neu. Ansonsten helfe es, einfach mal langsam zu fahren. Jetzt sei für die Zeppelinstraße noch kein Geld da. Er wolle ein Provisorium, das aber nicht für ewig bleiben solle. Gedanken machte sich der OB auch über die Fortsetzung der Bundesstraße gen Westen.

Als Schlusswort verkündete er die Zurückziehung der Berufung durch Albrecht von Brandenstein-Zeppelin und die damit endgültige Entscheidung der Gerichte über den Verbleib und die Zukunft der Zeppelin-Stiftung. „Die Zeppelin-Stiftung bleibt bei Ihnen“, sagte der OB.

Dachschaden der Kirche

Den Abschluss dieses von der Musikkapelle Fischbach unter der Leitung von Matthias Preising musikalisch gestalteten Neujahrsempfang machte schließlich Pfarrer Michael Benner. Der stellte fest: „Die Kirche hat einen Dachschaden.“ Sowohl baulich und bei St. Magnus Fischbach wieder hergestellt, als auch sinnbildlich meinte er dies. Er kritisierte vehement den Umgang der Kirchen mit dem Missbrauchsskandal. Das habe den Kirchen großen Schaden zugefügt. Es sei vertuscht worden und die Opfer seien allein gelassen worden. „Wir können uns diesen Dachschaden nicht leisten“, sagte er und wünschte den Anwesenden „Frieden, das Wort, das 273 mal in der Bibel steht“.