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Juniorwahl

Klimaschutz, Internet und Bildung sind die Themen

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Bundesweites Schulprojekt „Juniorwahl“: KMG-Schüler ab Jahrgangsstufe neun simulieren Europawahl
Veröffentlicht:21.05.2019, 21:27

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Die Schüler ab der Jahrgangsstufe neun des Karl-Maybach-Gymnasiums (KMG) sind zur Urne gebeten worden. Eine Woche vor der Europawahl hatten gut 350 Schüler die Möglichkeit, ihre Stimme abzugeben. Mit einer Kopie des Original-Stimmzettels der bevorstehenden Wahl durften sie wählen. Die Ergebnisse werden in der Schule ausgezählt und an „Juniorwahl“ weitergegeben.

Träger des Projektes Juniorwahl ist der gemeinnützige und überparteiliche Verein „Kumulus e.V.“ aus Berlin. Wie sich die Schüler es KMG entschieden habe, wird auf der Interseite der Juniorwahl am kommenden Sonntag, 26. Mai, ab 18 Uhr bekannt gegeben. Das Unterrichtsfach „Gemeinschaftskunde“ wird ab Klasse neun angeboten. „Deshalb sind auch erst die Schüler ab der neunten Klasse berechtigt, an der Juniorwahl teilzunehmen“, erklärt Gemeinschaftskundelehrerin Claudia Keller . Sie betreut gemeinsam mit ihrer Kollegin Natascha Halbauer die Juniorwahlen. Im Unterricht findet die Wissensvermittlung statt, mit der praktischen Umsetzung müssen die Schüler ihre Entscheidung treffen, sprich theoretisches Wissen praktisch umsetzen. Dabei hat die Juniorwahl viel mit der richtigen Europawahl gemeinsam. Die Kopie des Stimmzettels ist die des Originals, sie müssen sich in Listen eintragen, jeder hat nur eine Stimme, im Klassenraum sind kleine, abgetrennte Wahlkabinen aufgebaut und am Ende des Vorganges wird der Stimmzettel gefaltet in die Urne geworfen. Lennart Schuster, selbst Schüler der elften Klasse am KMG, ist Wahlleiter und muss die Wähler mit seinen Wahllisten abgleichen. „Wir haben die Schüler auch gebeten, ihren Personalausweis mitzubringen, auch wenn wir das nicht unbedingt brauchen, da wir die Schüler ja kennen“, aber man wollte diesen Wahlvorgang real gestalten, erklärt er. Er muss dafür Sorge tragen, dass die Wahl ordnungsgemäß stattfindet und hat den Wahlvorsitz. „Ich bin selbst politisch sehr interessiert und auch Mitglied im Häfler Jugendparlament“, sagt er. Das Interesse an der Europawahl sei bei der Jugend sehr groß.

„Klimaschutz wird unter uns viel diskutiert“, beantwortet er die Frage, was insbesondere Jugendlichen in Bezug auf Europa wichtig ist. Weitere wichtige Themen seien das Internet und die Digitalisierung. Die Verabschiedung des Artikels 13 (eine Urheberrechtsreform für das Internet) kam bei der Jugend nicht so gut an. Er vermutet, dass das am Sonntag die CDU und auch die SPD viele Stimmen kosten werde. Besonders ärgerlich sei, dass hier Menschen entschieden hätten, „die davon keine Ahnung haben“. „Aber auch Bildung ist ein wichtiges Thema, da wir als Schüler direkt davon betroffen sind“. Dazu zählten auch die Schulausstattung und Unterrichtsinhalte. „Ein Kritikpunkt ist, dass heutige Lehrstoffinhalte zu wenig auf das richtige Leben vorbereiten“, es sei sinnvoller, lebenspraktische Inhalte zu vermitteln. Thommy Lou, ebenfalls Schüler in Jahrgangsstufe elf, nimmt den Wahlschein entgegen. Er geht auf jeden Fall zur Wahl, erklärt er: „Es ist wichtig, dass sich junge Menschen für Politik begeistern“.

Ziel: Sensibilisierung für Politik

„Die Juniorwahl ist eine Simulation einer echten Wahl“, sagt Claudia Keller. Das gebe es nicht nur bei Europawahlen, sondern auch bei Bundestagswahlen. In Friedrichshafen wird am Sonntag auch noch der Gemeinde- und Kreistag gewählt sowie der Ortschaftsrat der einzelnen Stadtteile. Das gibt es wiederum bei der Juniorwahl nicht. Das Angebot richtet sich an Schulen in der gesamten Bundesrepublik, deshalb beschränkt sich die Juniorwahl auf die Europawahl. „Es geht darum, die Schüler für Politik zu sensibilisieren“, sagt Keller. Im Unterricht werde der politische Aufbau vermittelt und mit der Simulation hätten die Schüler die Möglichkeit, zu sehen, wie eine Wahl abläuft. Empirischen Studien zufolge sei die Juniorwahl, die 1999 ins Leben gerufen wurde, nachweislich ein Erfolgsmodell, geben die Veranstalter auf ihrer Internetseite bekannt. Nachweislich würden politische Diskussionen innerhalb von Familien angeregt und die Anzahl der Erstwähler steige.