Leistungsgrenze

Kellnern an der Leistungsgrenze

Friedrichshafen / Lesedauer: 4 min

Bei Veranstaltungen im GZH herrscht am Tresen Hochbetrieb
Veröffentlicht:26.12.2018, 14:14
Aktualisiert:22.10.2019, 13:00

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Im Graf-Zeppelin-Haus kann es bei Veranstaltungen in den Pausen schon mal länger dauern, bis man sein Getränk bekommt. Das schrieb die SZ in der Rubrik „Kulturbeutel“ am 29. Oktober. Dirk Beckmann und Andreas Löhmann von der Zehrer-Gastronomie schildern nun auf Anfrage der SZ ihre Sicht auf die Dinge – ein Blick auf die andere Seite der Theke.

„Das ging nur noch zack, zack, zack“, sagt Betriebsleiter Dirk Beckmann. Er gestikuliert mit den Händen, als würde er im Akkord Kronkorken öffnen. Er spricht vom 7. September, als die bayerische Kabarettistin Monika Gruber im ausverkauften Eckener-Saal auftrat und er im großen Foyer hinter der zweiten Theke arbeitete. Ab 800 Gästen wird sie grundsätzlich geöffnet. „Wir waren da zu zweit und haben in elf Minuten sieben Kisten Bier und Radler, vier Kisten Cola und vier Kisten Apfelsaftschorle verkauft.“ Sie machten sich einen Spaß daraus: „Wer kann schneller öffnen und rausgeben?“

Aber Spaß beiseite. Das Zehrer-Personal tut, was es kann, um Engpässe zu vermeiden. Deshalb können seit einiger Zeitz auch die Stehtische im Foyer reserviert werden. Denn wer reserviert, kann vorab auch schon die Getränke ordern, die zu Pausenbeginn bereits ausgeschenkt auf dem Tisch stehen. Die Reservierung verringert somit den Andrang an der Theke. „Die Tische sind grundsätzlich ausgebucht“, sagt Andreas Löhmann , auch er Betriebsleiter. Er würde zu dem Dutzend Stehtische im Dürr-Foyer noch weitere stellen, „aber das dürfen wir nicht, wegen der Fluchtwege“.

Die Firma Zehrer setze nicht zu wenig Personal ein, so Beckmann. Am großen Tresen vor dem Eckener-Saal können acht Leute arbeiten, an der Zusatztheke zwei, und im kleinen Foyer, zwischen Ludwig-Dürr-Saal und Alfred-Colsman-Saal werden drei Personen eingeteilt. „Wenn im Dürr-Foyer mehr als drei arbeiten, treten sie einander auf die Füße“, sagt Frank Jansen. Er war lange Jahre Geschäftsführer der GZH-Gastronomie. Inzwischen ist er im Ruhestand, aber als Aushilfe kellnert er im GZH noch immer gern.

Der Pausenservice ist zeitraubender, als es erscheint. Mit allem Drum und Dran ist eine Thekenkraft drei Stunden lang beschäftigt. Damit genügend Kräfte da sind, fragt die Zehrer-Gastronomie vor den Veranstaltungen die Zahl der verkauften Karten von der Tageskasse ab und ordert, wenn nötig, weiteres Personal. Das Trinkverhalten sei aber nicht kalkulierbar. „Es kann sein, im Dürr-Saal sitzen 400 Leute, und in der Pause kommen 50 an den Tresen. Beim nächsten Mal sind wieder 400 da, aber in der Pause stehen plötzlich 350 da“, sagt Dirk Beckmann. Dann gibt es noch Veranstaltungen mancher Häfler Vereine, die den Vorverkauf in Eigenregie übernehmen. „In solchen Fällen haben wir von der GZH-Kasse keine Zahlen und können nur vermuten, wie viel Personal wir brauchen“, erklärt Dirk Beckmann.

Mancher Gast lässt sich Zeit

Wie schnell die Gäste bedient werden, hängt aber auch von den Gästen selbst ab. Manche Leute, erzählt Beckmann, stellten sich zwar an; aber erst wenn sie an der Reihe seien, machten sie sich Gedanken, was sie bestellen wollten. „Das kostet natürlich Zeit.“ Nicht anders sei es, wenn Gäste schon vor ihren Getränken stünden, aber erst dann langsam ihren Geldbeutel hervorholten. Zudem sind da die Mix- und Heißgetränke. „Ein Bier ist schnell geöffnet. Aber einen Aperol mixen oder einen Kaffee machen, dauert ein bisschen länger“, sagt Beckmann. All das summiert sich freilich in einer nur 20-minütigen Pause. Wenn diese Pause dem Ende entgegengeht, sagt das Thekenpersonal den Gästen Bescheid: „Beim ersten Gong informieren wir alle, die noch bestellen wollen, dass ihnen nur noch drei Minuten bleiben und die Getränke nicht in den Saal mitgenommen werden dürfen“, sagt Beckmann. Das soll verhindern, dass Getränke eilig hinabgestürzt werden müssen. „Das wäre sonst ja auch nicht fair“, fügt Beckmann an. Nach Ende der Veranstaltungen würde so mancher Gast gern noch ein Weilchen im Foyer bleiben und einen Schluck trinken. Seitens der Gastronomie stünde dem nichts entgegen – aber das Auslasspersonal ist gehalten, das Haus zu schließen. Das könnte sich ändern: Beckmann hat sich mit GZH-Leiter Matthias Klingler zusammengesetzt. Künftig soll ein geselliger Ausklang des Abends im Foyer möglich werden.